Plus 48 Minuten täglich in der Coronakrise Homeoffice lässt Menschen weltweit länger arbeiten

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag vieler umfassend verändert. Eine US-Studie zeigt: Im Schnitt arbeiten wir länger, schreiben mehr Mails und sind in mehr Konferenzen - wobei die jedoch kürzer ausfallen.
Arbeit im Homeoffice (Symbolbild)

Arbeit im Homeoffice (Symbolbild)

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imago images/Westend61

Die Corona-Pandemie treibt die Digitalisierung der Unternehmen voran, immer mehr setzen auf Videokonferenzen. Für die Beschäftigten bedeutet das Homeoffice jedoch nicht nur Arbeit in heimischer Umgebung, sondern auch eine Veränderung der Arbeit an sich. Was das genau bedeutet, haben Forscher der Harvard Business School und der New York University nun weltweit analysiert.

Für ihre Untersuchung  werteten sie die erfasste Arbeit von 3,1 Millionen Menschen und rund 21.000 Firmen in 16 verschiedenen Städten in Nordamerika, Europa und im Nahen Osten aus. Sie verglichen das Verhalten vor und nach den Corona-Lockdowns über mehrere Wochen anhand von E-Mail- und Meeting-Metadaten - und kommen zum Ergebnis: Die Menschen arbeiten im Homeoffice mehr als zuvor.

So dauert ein durchschnittlicher Arbeitstag unter Pandemiebedingungen den Forschern zufolge 48,5 Minuten länger. Auch die Zahl der Konferenzen nahm deutlich - um 12,9 Prozent - zu. Auch die Zahl der Teilnehmer an den Konferenzen stieg - um 13,5 Prozent.

Allerdings waren die Konferenzen kürzer als zuvor: Die durchschnittliche Dauer nahm um rund 20 Prozent ab. Auch wenn es mancher gefühlt anders erlebt, verbrachten die Menschen laut den Forschern insgesamt sogar 11,5 Prozent weniger Zeit in Meetings als zuvor.

Laut Studie verschickten die Menschen jedoch im Schnitt 1,4 E-Mails mehr pro Tag an ihre Kolleginnen und Kollegen. "Die Menschen haben ihre Arbeitsmuster angepasst", sagte Jeff Polzer, Professor in der Abteilung für Organisationsverhalten an der Harvard Business School, der Nachrichtenagentur Bloomberg . Ob diese Veränderungen dauerhaft seien, müsse weitere Forschung zeigen, er erwarte jedoch keine baldige Rückkehr zum Vor-Corona-Zustand.

Unternehmen setzen auf Dauer auf Homeoffice

Auch bei den Unternehmen in Deutschland scheint sich diese Erkenntnis durchzusetzen. Sie wollen der aktuellen Randstad-Ifo-Personalleiterbefragung zufolge auch nach der Pandemie stärker digitale Werkzeuge einsetzen. So planen 64 Prozent der Unternehmen, häufiger Onlinekonferenzen einzuberufen. 59 Prozent beabsichtigen, Konferenzen nicht mehr unbedingt persönlich zu veranstalten, 61 Prozent werden Dienstreisen dauerhaft einschränken.

73 Prozent der Unternehmen, die während Pandemie verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause setzten, planen laut der Befragung auch in Zukunft, mehr davon anzubieten. Obendrein will die Hälfte der Unternehmen, die ihr Homeoffice bislang nicht hochgefahren hatten, künftig mehr Möglichkeiten einräumen.

An der Randstad-Ifo-Personalleiterbefragung im zweiten Quartal 2020 nahmen knapp 800 Personalleiter teil. Die Antworten werden anhand der Branchenzugehörigkeit und der Größe des antwortenden Unternehmens gewichtet, um Aussagen für die gesamte deutsche Wirtschaft treffen zu können.

apr
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