Ifo-Institut Jede fünfte Firma ist existenzbedroht

Die große Pleitewelle ist in Deutschland bislang ausgeblieben – doch viele Unternehmen fürchten um ihre Zukunft. In Gastgewerbe und Reisebranche wissen 80 Prozent der Betriebe nicht, wie lange es noch weitergeht.
Foto: Peter Kneffel / dpa

Eigentlich entwickelt sich die deutsche Wirtschaft in der Krise erstaunlich robust. Der zweite Shutdown hat die aggregierte Wirtschaftsleistung anders als im Frühjahr 2020 nur leicht zurückgehen lassen. Ganz anders sieht es allerdings auf der Ebene der Firmen aus. Dort ist bislang zwar die große Pleitewelle ausgeblieben – dank der umfangreichen Rettungspakete und der aufgeweichten Insolvenzregeln. Dennoch ist die Lage vieler Firmen nach zwölf Monaten Pandemie prekär.

Fast jedes fünfte Unternehmen in Deutschland sieht sich in seiner Existenz bedroht. Das geht aus der neuesten Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts hervor. Demnach waren es im Februar 18,7 Prozent, nach 17,6 Prozent im November 2020 und 21,8 Prozent im Mai 2020. »Besonders gefährdet unter den großen Wirtschaftszweigen fühlte sich im Februar der Einzelhandel mit 34,5 Prozent der Firmen, vor den Dienstleistern mit 26,3 Prozent«, sagt der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

80 Prozent der Hotels, Restaurants und Reisebüros gefährdet

Relativ selten hingegen bedroht sehen sich der Großhandel mit 12,8 Prozent der Unternehmen, die Industrie mit 7,5 Prozent und der Bau mit 3,6 Prozent. »Insbesondere Unternehmen mit Liquiditätsproblemen fürchten um ihre Zukunft«, sagt Ifo-Experte Wohlrabe.

Die stärksten Existenzängste verspürt die Reisebranche mit 83,7 Prozent der Firmen, Hotels mit 82,3 Prozent sowie Restaurants und Gaststätten mit 72,3 Prozent. Es folgen die Vermietung von beweglichen Sachen mit 33,3 Prozent, die Getränkeherstellung mit 27,3 Prozent sowie Werbung und Marktforschung mit 24,4 Prozent (die vollständige Ifo-Analyse finden Sie hier ).

Vergleichsweise entspannt sind der Maschinenbau mit 5,6 Prozent, die Elektrobranche mit 4,4 Prozent, die Chemie mit 3,9 Prozent, die Autoindustrie mit 2,3 Prozent, die Rechts- und Steuerberater mit 1,2 Prozent und die Pharmabranche mit 0,9 Prozent.

beb
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