Produktion eingebrochen Airbus nimmt Prognose zurück und streicht Dividende

Alles auf Liquidität: Um in der Coronakrise bestehen zu können, nimmt Airbus neue Kredite in Höhe von 15 Milliarden Euro auf. Aktionäre müssen auf ihren Gewinnanteil für das vergangene Jahr verzichten.
Ein Airbus A330neo beim Bau in Toulouse (Archivbild): Die Produktion läuft teilweise wieder an

Ein Airbus A330neo beim Bau in Toulouse (Archivbild): Die Produktion läuft teilweise wieder an

Foto: Regis Duvignau/ REUTERS

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie treffen die Luftfahrtbranche hart: Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus streicht seine Prognose für das laufende Jahr und nimmt den Dividendenvorschlag für 2019 zurück. Angesichts der unübersichtlichen Lage habe Airbus den Ausblick für das laufende Jahr zurückgezogen, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury einer Mitteilung zufolge.

Es sei nun wichtig für das Unternehmen, die Liquidität zu sichern. Dies geschehe durch drei Maßnahmen:

  • Airbus habe eine neue Kreditlinie über 15 Milliarden Euro abgeschlossen. Damit verfügt der Konzern eigenen Angaben zufolge nun über insgesamt 30 Milliarden Euro.

  • Die einbehaltene Dividende bringe ungefähr 1,4 Milliarden Euro.

  • Zudem werde die freiwillige Erhöhung beim Pensionsfonds ausgesetzt.

Airbus will Krise möglichst ohne Staatshilfen überstehen

Die gesamte Luftfahrtbranche leidet derzeit unter dem Einbruch der Passagierzahlen angesichts der Covid-19-Pandemie und weltweiter Reisebeschränkungen. Der  internationale Branchenverband IATA schätzt, dass die Finanzmittel bei drei von vier Airlines weniger als drei Monate reichen. Die Industrie brauche insgesamt 150 bis 200 Milliarden Euro Staatshilfen. Der Flugzeugbauer Boeing hatte die US-Regierung bereits am vergangenen Montag um kurzfristige Staatshilfe für sich und die gesamte Branche gebeten. 

Anders als der US-Rivale versucht der europäische Flugzeugbauer Airbus offenbar, die Krise zunächst ohne Finanzhilfen zu überstehen. Airbus habe bei einem Krisentreffen mit dem Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung am vergangenen Montag signalisiert, dass das französisch-deutsche Unternehmen erst in einem "Worst-Case-Szenario" Hilfen vom Staat benötigen würde, hatten drei mit den Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Airbus habe 16 Milliarden Euro auf der hohen Kante und brauche jeden Monat rund 5,5 Milliarden, sagte einer der Teilnehmer. Dazu kommen nun 15 Milliarden Euro durch die neuen Kredite.

"Wir ersuchen keine direkte Hilfe der Regierungen für Airbus", sagte Faury nun dazu. Unterstützung für Zulieferer, die in Schwierigkeiten gerieten, sei aber sinnvoll. "Das ist eine sehr komplizierte Branche", sagte Faury. Ein Flugzeug habe bis zu 500.000 Einzelteile.

Produktion läuft teilweise wieder an

Unterdessen will Airbus die unterbrochene Produktion in Frankreich und Spanien vom Montag an teilweise wieder aufnehmen. Airbus habe neue Sicherheits- und Hygienemaßnahmen umgesetzt, teilte das Unternehmen mit.

In der vergangenen Woche hatte der Konzern wegen der Coronavirus-Pandemie seine Produktion in den beiden Ländern für vier Tage ausgesetzt. Die Airbus-Standorte in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, Großbritannien, Kanada, den USA und China, waren davon nicht betroffen gewesen.

Zudem habe Airbus Tausende Gesichtsmasken an Krankenhäuser und Behörden europaweit gespendet, hieß es in der Mitteilung. Ein A330-800 Testflugzeug habe am Wochenende aus China ungefähr zwei Millionen Gesichtsmasken nach Europa gebracht, von denen die meisten in Frankreich und Spanien gespendet werden sollen. Weitere Flüge seien geplant.

kko/dpa-AFX
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.