Zu schlechter Schutz für Angestellte Frankreich schränkt Paketversand und Lagerarbeit bei Amazon ein

Amazon wird vorgeworfen, Arbeiter in der Coronakrise nicht ausreichend zu schützen. Ein französisches Gericht hat deswegen nun die Versand- und Lageraktivitäten des Onlinehändlers beschnitten.
Logistikzentrum von Amazon

Logistikzentrum von Amazon

Foto: Uwe Zucchi/ dpa

Amazon muss in Frankreich bis auf Weiteres Teile seiner Versand- und Lageraktivitäten einstellen. Das hat ein Gericht im Pariser Vorort Nanterre beschlossen. Der Onlinehändler habe angesichts der Coronavirus-Pandemie seine Verpflichtung in Bezug auf Gesundheit und Sicherheit der Angestellten in den Lagerhäusern nicht angemessen beachtet.

Amazon müsse nun in allen Lagern eine Risikobewertung durchführen und erforderliche Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen treffen, heißt es laut Gerichtsbeschluss weiter. Bis dahin dürfen in den Lagern nur noch Bestellungen von Lebensmitteln, Hygiene- und Medizinprodukten angenommen und versandt werden.

Für jeden Tag, an dem Amazon den geforderten Sicherheits- und Gesundheitsstandards nicht nachkomme, drohe eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro, heißt es in dem Urteil weiter.

Die gerichtliche Verfügung gegen Amazon war von der Gewerkschaftsgruppe Union Syndicale Solidaires beantragt worden. Die Gewerkschaft wirft Amazon vor, in den Lagern nicht die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Angestellte die geforderten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 einhalten können.

Amazon teilte mit, das Unternehmen sei mit der Entscheidung nicht einverstanden. In den vergangenen vier Wochen seien unter anderem 1,5 Millionen Schutzmasken und 27.000 Liter Hand-Desinfektionsmittel in die französischen Standorte gebracht worden. Auch maßnahmen zur sozialen Distanzierung gebe es dort längst.

Der Onlinehändler ist derzeit vermehrt wegen Kritik an seinen Schutzmaßnahmen in den Schlagzeilen. Erst am Vormittag war bekannt geworden, dass Amazon zwei Mitarbeiterinnen entlassen hatte, weil diese dem Unternehmen mangelnden Klimaschutz und lückenhaften Schutz von Lagerarbeitern gegen das Coronavirus vorgeworfen hatten.

Man respektiere die Kritik von Mitarbeitern, teilte Amazon mit. Aber kritische Mitarbeiter genössen keine pauschale Immunität, um sich internen Vorgaben zu widersetzen. Laut diesen dürfen sich Angestellte nur mit Erlaubnis ihrer Vorgesetzten öffentlich über Amazons Geschäfte äußern.

In mindestens 74 Lagern und Lieferzentren von Amazon haben sich inzwischen Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. In New York forderten Angestellte Ende März auf einer Demonstration besseren gesundheitlichen Schutz.

ssu
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