Coronavirus Börsen droht schlechteste Woche seit der Krise 2008

Bangen an den Finanzmärkten: Das Coronavirus lässt die Angst vor einer Rezession wachsen. China meldet erneut weniger Neuinfektionen. Eine Airline misst bei Passagieren Fieber. Der Überblick.
Passantin in Tokio vpr Börseninformationen: Die Aussichten sind eher düster

Passantin in Tokio vpr Börseninformationen: Die Aussichten sind eher düster

Foto: PHILIP FONG/ AFP

Immer mehr Länder weltweit melden erste Fälle des Coronavirus, darunter Irland, die Niederlande, Litauen und Nigeria. Immer weniger deutet im Gegenzug darauf hin, dass eine massive Ausbreitung des Krankheitserregers noch zu stoppen ist.

Die Sorge vor einer Pandemie macht sich auch an den Finanzmärkten massiv bemerkbar:

Noch steht ein Handelstag aus. Doch schon jetzt verzeichnete der MSCI-Weltindex von Montag bis Donnerstag ein Minus von 8,9 Prozent. Damit könnte ihm die schlechteste Woche seit November 2008 bevorstehen, als der Verlust 9,8 Prozent betrug. Damals steckte die weltweite Wirtschaft mitten in einer schweren Finanzkrise. Der Index bildet die Entwicklung von 1600 Aktien aus 23 Industrieländern ab.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 4,4 Prozent oder 1190 Zähler tiefer auf 25.766 Punkten. Für den Dow-Jones war es der größte Punkterückgang an einem Tag in seiner Geschichte. Dax und EuroStoxx50 fielen am Donnerstag zeitweise um jeweils etwa 4,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als viereinhalb Monaten. Die Börsen in Asien starteten am Freitag erneut mit Verlusten in den Handel.

Die Ratingagentur Moody's rechnet in der ersten Jahreshälfte mit einer Rezession weltweit als Folge des Ausbruchs des Coronavirus. Auch die USA seien davon nicht ausgenommen. Die anfängliche Einschätzung, dass das Virus auf China beschränkt werden könne, sei zu optimistisch gewesen. Die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie steige.

Einige wenige Aktien trotzten dem Abwärtstrend, darunter das Papier der Firma Clorox. Allerdings ist die Erklärung hier nahe liegend: Der Konzern verkauft unter anderem Hand-Desinfektionsmittel und andere antibakterielle Reinigungsmittel.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Ein Blick auf die beiden Länder mit den bisher schwersten Krankheitsausbrüchen: In China, wo das Virus Ende 2019 seinen Ausgang nahm, kamen zuletzt 327 nachgewiesene Covid-19-Erkrankungen hinzu. Es ist der niedrigste Anstieg seit dem 23. Januar. Damit liegt die Gesamtzahl der offiziell bestätigten Fälle auf dem chinesischen Festland bei fast 79.000. Die Zahl der Toten stieg um 44 auf 2788. Allerdings lassen die wechselnden Zählweisen der Behörden einen restlos eindeutigen Vergleich nicht zu.

Mit weitem Abstand folgt Südkorea. Das Land meldete für den Donnerstag 256 neue Fälle, 2022 Menschen sind offiziell insgesamt betroffen. Generell gilt: Es muss mit einer erheblichen Dunkelziffer gerechnet werden.

In Deutschland hatten zuletzt Hessen und Hamburg ihre ersten Infektionsfälle gemeldet. Alle vorliegenden Informationen dazu finden Sie hier.

Weitere Entwicklungen um das Virus in Kurzform:

  • Neuseeland verhängt ein vorübergehendes Einreiseverbot für Reisende aus Iran. Personen, die in den letzten 14 Tagen in Iran gewesen seien, sollten sich selbst isolieren, teilt Gesundheitsminister David Clark mit. An den Flughäfen werde das medizinische Personal bei Flügen aus Hongkong, Japan, Südkorea, Singapur und Thailand aufgestockt.

  • Die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air Lines will bei allen Passagieren auf Flügen in die USA Fieber messen und niemanden mitnehmen, der mehr als 37,5 Grad Körpertemperatur aufweist.

  • Die vietnamesische Regierung setzt das visafreie Reisen für südkoreanische Bürger ab dem Wochenende aus. Dies soll die Einreise von möglicherweise erkrankten Menschen kontrollierbarer machen. Die Botschaft des Landes in Seoul bestätigte entsprechende Meldungen.

  • Der Autobauer Hyundai stoppt Gewerkschaftskreisen zufolge die Produktion in einem Werk im Südosten Südkoreas, nachdem ein Mitarbeiter positiv getestet worden sei. Ein Sprecher der Gewerkschaft bestätigte das Testergebnis, hatte aber keine weiteren Informationen. Hyundai erklärte, den Bericht zu überprüfen.

  • Disneyland Tokio schließt als Vorsichtsmaßnahme seine Tore. Der Vergnügungspark wird ab diesem Samstag vorerst bis zum 15. März geschlossen bleiben. Zuvor hatte Japans Premier Shinzo Abe erklärt, dass sein Land ab Montag alle Schulen auf absehbare Zeit schließen wird.

  • Der deutsche Außenhandelsverband BGA sieht zunehmende Belastungen für die Wirtschaft durch das Virus - die Folgen für die Verbraucher aber seien derzeit noch gering. BGA-Präsident Holger Bingmann sagte der Nachrichtenagentur dpa, es zeige sich immer deutlicher, dass die Coronavirus-Epidemie nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigehe.

jok/dpa/Reuters/AP