Coronavirus EZB lässt Banken offenbar Notfallpläne prüfen

Die Banken im Euroraum sollen ihr Geschäft auch bei einer Verschärfung der Coronavirus-Krise aufrechterhalten. Die EZB fordert einem Bericht zufolge die Überprüfung der Notfallpläne.
EZB in Frankfurt (Archivbild): Die Zentralbank fordert offenbar die Prüfung von Notfallplänen

EZB in Frankfurt (Archivbild): Die Zentralbank fordert offenbar die Prüfung von Notfallplänen

Foto: Boris Roessler/ dpa

Die EZB hat die Großbanken im Euroraum offenbar angewiesen, ihre Notfallpläne zu überprüfen. Die Geldhäuser sollten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zudem über Möglichkeiten nachdenken, um negative Folgen einer Ausweitung der Coronavirus-Epidemie zu minimieren.

Die Banken sollten nicht nur Infektionskontrollen am Arbeitsplatz gewährleisten, sondern auch sicherstellen, dass Beschäftigte notfalls in größerem Umfang von außerhalb arbeiten könnten, hieß es in einem Brief der Aufseher an die Finanzinstitute, den Reuters einsehen konnte. Die Europäische Zentralbank lehnte eine Stellungnahme ab.

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Überwachung der größten Banken im Euroraum zuständig. Aktuell kontrolliert sie 117 Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Voraussetzungen für Heimarbeit geprüft

Schon seit Tagen arbeiten die Institute an Plänen, um auch bei einer Verschärfung der Viruskrise das Bankgeschäft aufrechtzuerhalten. Geschäftsreisen wurden eingeschränkt, Hygienevorkehrungen verschärft und Teams aufgeteilt, damit zumindest ein Teil weiter arbeiten kann. Zudem überprüfen die Geldhäuser, dass ihre Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten können und nicht an Technikproblemen scheitern.

Bei der Commerzbank arbeitet inzwischen in wichtigen Bereichen ein Teil der Mitarbeiter an einem Ausweichstandort im Frankfurter Umland, sagte ein Banksprecher. Die Deutsche Börse hat noch keinen Ausweichstandort aktiviert, aber auch der Börsenbetreiber hat Teams hierzulande aufgeteilt. "In unseren operativen Teams arbeitet ein Teil der Mitarbeiter derzeit im Homeoffice. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme", sagte ein Börsensprecher.

Bei der Deutschen Bank arbeiten Mitarbeiter in Singapur, China, Hongkong und Italien schon seit Längerem aufgeteilt von zu Hause aus und in Büros. Auch in der Schweiz ist das inzwischen bei der Deutschen Bank der Fall, sagte eine Sprecherin. In Deutschland habe man dies noch nicht umgesetzt, sei aber bei einer weiteren Ausweitung des Coronavirus hierzulande dafür gerüstet.

Schließlich müssen Handel, Zahlungsverkehr und andere Dienstleistungen auch laufen, wenn Büros oder Filialen bei einem Coronavirus-Fall geräumt werden müssen.

EZB verschiebt Konferenzen

Die Hypovereinsbank schickte Mitarbeiter nach Hause, nachdem in einem Münchner Büro des Geldhauses ein Mitarbeiter eines externen Dienstleisters positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Bei der größten europäischen Bank HSBC mussten in London mehr als hundert Mitarbeiter nach Hause gehen, nachdem bei einem Beschäftigten das Coronavirus festgestellt wurde.

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Die EZB selbst hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie habe bis auf Weiteres fast alle bei der Zentralbank geplanten Konferenzen verschoben oder gestrichen. Zudem erließ sie Reisebeschränkungen für ihre Direktoriumsmitglieder und die Mitarbeiter.

brt/Reuters
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