Wegen Coronavirus Lufthansa lässt 150 Flugzeuge am Boden

Die Ausbreitung des Coronavirus macht den Airlines zu schaffen. Bei der Lufthansa sollen nun vorerst rund 20 Prozent der Maschinen nicht fliegen.
Eine Boeing 747 der Lufthansa in Frankfurt: Flugplan um 150 Maschinen gestutzt

Eine Boeing 747 der Lufthansa in Frankfurt: Flugplan um 150 Maschinen gestutzt

Foto: Boris Roessler/ dpa

Die Lufthansa ändert wegen der Ausbreitung des Coronavirus ihren Flugplan und weitet ihre Flugstreichungen aus: Rechnerisch blieben 150 Flugzeuge am Boden, davon 25 Langstreckenflieger, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Man passe den Flugplan "dynamisch" den "außerordentlichen Umständen" an, hieß es. Betroffen seien alle Airlines der Gruppe.

Die Lufthansa hatte solche Schritte bereits vergangene Woche angekündigt. Am Freitag hatte die Airline mitgeteilt, das Angebot von Kurz- und Mittelstreckenflügen in den kommenden Wochen um bis zu einem Viertel zu reduzieren. Dies sei davon abhängig, wie sich die Verbreitung des Virus weiter entwickele. Auch bei den Langstreckenverbindungen würden die Airlines der Lufthansa Group ihr Programm weiter verringern.

Betroffenes Personal soll unbezahlten Urlaub einreichen oder Teilzeit arbeiten

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus mussten bisher rein rechnerisch 23 von insgesamt rund 770 Maschinen am Boden bleiben. Die neuen Streichungen betreffen rund 20 Prozent der Gesamtzahl der Maschinen. Noch stünden aber erst wenige Jets am Boden, etwa bei vorgezogenen Wartungsintervallen, sagte der Sprecher.

Das derzeit überzählige Personal wurde Lufthansa zufolge bereits in der vergangenen Woche angehalten, unbezahlten Urlaub einzureichen oder auch in Teilzeit die angebotene Arbeitsleistung zu reduzieren. Lufthansa prüft zudem die Möglichkeit, bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit anzumelden. Mit den Arbeitnehmervertretungen liefen dazu Gespräche. Zusätzlich wurde ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt.

Bis Ende April keine Flüge nach China

Vor wenigen Tagen hatte die Airline zudem angekündigt, die Aussetzung ihrer Passagierflüge zum chinesischen Festland bis Ende April zu verlängern und den Flugplan nach Asien und Italien auszudünnen. Auch die Inlandsflüge sollen zusammengestrichen werden. Neben der Kernmarke Lufthansa reduzieren auch die Töchter Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings und Swiss ihr Angebot.

Auch andere Fluggesellschaften wie British Airways und Ryanair streichen ihren Flugplan zusammen. Grund auch hier: Das Coronavirus und die eingebrochene Nachfrage. Mit den Absagen von immer mehr Messen und dem Ausfall von Dienst- und Urlaubsreisen bleiben viele Buchungen aus, zahlreiche Fluggäste lassen ihre Tickets verfallen oder stornieren.

Air France/KLM rechnet wegen des Virus mit bis zu 200 Millionen Euro Gewinneinbuße im laufenden Geschäftsjahr, Lufthansa will zu einem späteren Zeitpunkt berichten. Den kompletten Überblick zu den wirtschaftlichen Folgen hat die Branche noch nicht. Es ist aber längst klar, dass das Coronavirus stärkere Konsequenzen haben wird als die Sars-Epidemie im Jahr 2003 oder der aschereiche Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull sieben Jahre später.

Der internationale Airline-Verband IATA konnte an diesem Mittwoch erste Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs mit den weltweiten Passagierzahlen für den Januar belegen. Demnach wuchs die globale Nachfrage nach Passagierflügen zwar noch um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die ersten massiven Eingriffe in den Flugverkehr nach China ab dem 23. Januar führten aber bereits zum schwächsten Wachstum seit fast zehn Jahren.

kko/dpa/Reuters