Wegen Covid-19 Microsoft veröffentlicht Umsatzwarnung

Der Techkonzern Microsoft verfehlt seine Umsatzziele - und macht dafür die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus verantwortlich. Auch viele deutsche Unternehmen mit Produktion in China leiden.
Microsoft-Niederlassung in Paris: Langsamer als erwartet zum Normalbetrieb zurück

Microsoft-Niederlassung in Paris: Langsamer als erwartet zum Normalbetrieb zurück

Foto: GERARD JULIEN/ AFP

Der Softwarekonzern Microsoft hat wegen der Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 eine Umsatzwarnung für seine Windows-Sparte ausgegeben. Das Unternehmen gehe nicht mehr davon aus, die Prognose für diesen Geschäftsbereich im dritten Quartal zu erreichen, teilte der US-Techkonzern nach Börsenschluss mit.

Grund sei, dass sich die Lieferketten langsamer als erwartet wieder schlössen. Microsoft hatte ursprünglich 10,75 bis 11,15 Milliarden Dollar Umsatz angepeilt. Eine neue Schätzung für die Sparte nannte Microsoft zunächst nicht. "More personal computing" umfasst Windows- und Surfaceprodukte, Xbox und Bing. Der Ausblick in den anderen Sparten bleibe unverändert.

Vor Kurzem hatte auch Apple die Börsen mit einem pessimistischen Ausblick geschockt. Wegen der Coronavirus-Epidemie in China rechnet der iPhone-Hersteller nicht mehr damit, seine Umsatzziele für das laufende Quartal erreichen zu können.

Auch zahlreiche deutsche und europäische Unternehmen mit Standorten in China leiden schwer unter der Ausbreitung des Virus. "Die Auswirkungen sind insgesamt schlimm", teilten die deutsche und die europäische Handelskammer in China nach einer Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen fest. Fast 90 Prozent berichteten "mittelschwere bis starke Auswirkungen". Die Hälfte der befragten Unternehmen müsse ihre Geschäftsziele für das Jahr anpassen. Fast jedes zweite erwarte einen zweistelligen Einbruch ihrer Einnahmen in der ersten Hälfte des Jahres - ein Viertel rechne sogar mit mehr als 20 Prozent Rückgang.

"Nahezu unmöglich, Waren oder Menschen in China zu bewegen"

Auch der deutsche Mittelstand blickt besorgt auf die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 in Europa und rechnet mit negativen Folgen für die deutsche Konjunktur. "Die Auswirkungen des Coronavirus werden das Wachstum in Deutschland in diesem Jahr erheblich dämpfen", hatte Mittelstandspräsident Mario Ohoven dem SPIEGEL gesagt. Er gehe davon aus, dass die Wirtschaft 2020 so gut wie nicht mehr wachsen werde.

An der Umfrage der Handelskammern nahmen zwischen dem 18. und dem 21. Februar insgesamt 577 Mitgliedsunternehmen teil. Ein gutes Drittel der Teilnehmenden hat demnach heute schon Probleme mit seinen Finanzen. Dabei könnte die Krise noch länger dauern als erwartet. Der Chef der Expertenkommission der chinesischen Regierung, Zhong Nanshan, rechnet damit, dass die Epidemie erst "Ende April im Wesentlichen unter Kontrolle sein wird".

In der Krise sind die größten Herausforderungen unvorhersehbare Vorschriften, stark einschränkende Anforderungen für Quarantäne und weitgehende Voraussetzungen, um den Betrieb nach der verlängerten Pause seit dem chinesischen Neujahrsfest wieder anfahren zu können. Die Hälfte der Unternehmen beklagte uneinheitliche Regelungen in verschiedenen Zuständigkeitsbereichen und Ebenen der Behörden, die sich häufig und auch kurzfristig änderten.

"Der Flickenteppich widersprüchlicher Vorschriften, die der Kampf gegen Covid-19 entstehen ließ, hat Hunderte verschiedener Machtbereiche hervorgebracht, die es nahezu unmöglich machen, Waren oder Menschen in China zu bewegen", beklagte der Präsident der EU-Kammer, Jörg Wuttke. Während die Eindämmung der Epidemie die wichtigste Aufgabe sei, müssten die Maßnahmen auch vorrangig vereinheitlicht werden, um die Wirtschaft auf die Füße zu bringen.

"China steht vor einem heiklen Balanceakt mit zwei wichtigen, aber auseinanderlaufenden Zielen: Die Maßnahmen zur Vorbeugung gegen das Virus streng durchzuhalten, während es um eine Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Normalität kämpft", sagte Stephan Wöllenstein, Vorsitzender der deutschen Kammer in Nordchina. Für Betroffene, besonders kleine und mittelgroße Unternehmen, sei Unterstützung der Regierung notwendig, bis sich der Betrieb wieder normalisiere.

apr/Reuters/dpa
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