Corona-Pandemie TUI erhält weitere Milliardenhilfe vom Staat

Der weltgrößte Reisekonzern TUI soll zur Überbrückung der Geschäftseinbrüche in der Coronakrise weitere staatliche Hilfen erhalten. Zusätzlich zu den bislang 1,8 Milliarden Euro soll nochmals mehr als eine Milliarde Euro fließen.
Ein geschlossenes TUI-Büro im britischen Chester

Ein geschlossenes TUI-Büro im britischen Chester

Foto:

PHIL NOBLE/ REUTERS

Der Reisekonzern TUI erhält weitere Staatshilfen von 1,2 Milliarden Euro. "Das zusätzliche Stabilisierungspaket erlaubt uns, den Fokus auf das operative Geschäft zu legen und gleichzeitig die Neuausrichtung des Konzerns voranzutreiben", sagte TUI-Chef Fritz Joussen.

TUI und die staatliche Bankengruppe KfW hätten vereinbart, die bestehende KfW-Kreditlinie um 1,05 Milliarden Euro zu erweitern. Die Inanspruchnahme steht laut TUI unter dem Vorbehalt, dass der Konzern darüber hinaus eine Wandelanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) gibt. Der WSF gehört dem Bund, dieser könnte sich bei einer Umwandlung in Aktien dann mit bis zu neun Prozent an TUI beteiligen.

Kredit nur unter Bedingungen

Darüber hinaus müssen die Gläubiger des von der Corona-Pandemie wirtschaftlich hart getroffenen Tourismuskonzerns einer im Oktober 2021 fälligen Anleihe auf eine Begrenzung der Verschuldung der TUI verzichten. Sämtliche Bedingungen sowie weitere formelle Voraussetzungen müssten bis zum 30. September 2020 erfüllt sein.

Anfang April hatte ein Bankenkonsortium bereits einmal einem ersten, durch die staatliche Förderbank KfW abgesicherten Großkredit über 1,8 Milliarden Euro zur Dämpfung der Pandemiefolgen zugestimmt. TUI ergänzte damit ein bestehendes Darlehensprogramm, blieb jedoch auf der Suche nach Wegen, um die Finanzkraft zu erhöhen.

Der bisherige Kredit reicht offenbar nicht aus. Dabei fährt TUI schon einen harten Sparkurs mit Stellenstreichungen und geringeren Investitionen, erwartet aber erst in mittlerer Frist eine Erholung, die verzögerte Sommersaison läuft erst seit Juni.

TUI: Für längere Reisebeschränkungen vorgesorgt

Die TUI-Gruppe hatte zudem bereits angekündigt, bis zu 8000 Jobs - vor allem im Ausland - zu streichen. Außerdem soll die Flotte ihrer Airline TUIfly um über die Hälfte verkleinert werden. Dabei könnten dem Vernehmen nach 900 Vollzeitstellen wegfallen sowie mehrere Standorte geschlossen werden. Management und Belegschaft beraten nun über Details der Umsetzung.

Gewerkschaften kritisierten die Kürzungen: Die Konzernführung habe es in den vergangenen Jahren versäumt, hinreichende Rücklagen zu bilden und dafür hohe Aktionärsdividenden ausgeschüttet. Zudem dürfe man mithilfe staatlichen Geldes durch den KfW-Kredit keine Jobs abbauen.

Womöglich kann der zweite Kredit den Beschäftigten nun eine Perspektive bieten. Sinn der Maßnahme sei es, dem Unternehmen durch die Krise zu helfen, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

Auch TUI äußerte sich zuversichtlich. "Das Stabilisierungspaket über 1,2 Milliarden Euro stärkt die Position des Konzerns, indem es ausreichend Liquidität in einem volatilen Marktumfeld zur Verfügung stellt", hieß es. Und: Auch "längerfristige Reisebeschränkungen und Beeinträchtigungen durch Covid-19" würden dadurch "abgedeckt".

apr/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.