Milliardenverlust im Frühjahr TUI meldet Umsatzeinbruch von 98,5 Prozent

Die Corona-Pandemie hat TUI tief in die roten Zahlen gerissen. Von April bis Juni verlor der Reisekonzern 1,45 Milliarden Euro. Zuletzt hatte das Unternehmen weitere Hilfen durch den Staat verkündet.
TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" in Hamburg: Ausbleibende Buchungen und Stornierungen

TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" in Hamburg: Ausbleibende Buchungen und Stornierungen

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie haben den weltgrößten Tourismuskonzern TUI hart getroffen. Weil das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni fast alle Urlaubsreisen absagen musste, verlor das Unternehmen nach eigenen Angaben 1,45 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte TUI knapp 23 Millionen Euro Gewinn eingefahren.

Der Umsatz sackte zwischen April und Juni um 98,5 Prozent auf 72 Millionen Euro ab, sodass das Geld für die Deckung der Betriebskosten nicht ausreichte. Trotz Kostensenkungen summierte sich so der Verlust in den ersten neun Monaten des Ende September endenden Geschäftsjahres bereits auf 2,3 Milliarden Euro.

Der Bund kündigte diese Woche an, die Staatshilfen für TUI wegen des immer noch weitgehend brachliegenden Tourismusgeschäfts von 1,8 Milliarden Euro um weitere 1,2 Milliarden Euro zu erhöhen. Ein im April gewährter Kredit der Förderbank KfW soll um weitere 1,05 Milliarden Euro aufgestockt werden. Überdies sollen 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an TUI gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet. Solche Anleihen können vom Besitzer unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgetauscht werden. So könnte der Bund mit bis zu neun Prozent als Miteigentümer einsteigen.

TUI-Chef rechnet erst 2022 wieder mit "normalem Geschäft"

Vorstandschef Fritz Joussen hofft indes, die Verluste im laufenden Sommerquartal bis Ende September noch eindämmen zu können. Dazu braucht der Konzern möglichst viele Urlauber. Seit der Wiederaufnahme der Reisen seien 1,7 Millionen Neubuchungen eingegangen, hieß es. Auch die Buchungen für den Sommer 2021 seien sehr vielversprechend. Eine neue Prognose wagte das Management allerdings nicht.

Joussen hatte jüngst in einem Interview gesagt, er rechne erst 2022 wieder mit einem "normalen Geschäft". Wegen der Auszahlungen an Kunden aufgrund stornierter Reisen habe TUI während der Krise anfangs etwa 550 bis 650 Millionen Euro pro Monat verbrannt.

Anfang April hatte ein Bankenkonsortium bereits einmal einem ersten, durch die staatliche Förderbank KfW abgesicherten Großkredit zur Dämpfung der Pandemiefolgen zugestimmt. Die TUI-Gruppe hat zudem bereits angekündigt, bis zu 8000 Jobs - vor allem im Ausland - zu streichen. Außerdem soll die Flotte ihrer Airline TUIfly um über die Hälfte verkleinert werden. Dabei könnten dem Vernehmen nach 900 Vollzeitstellen wegfallen sowie mehrere Standorte geschlossen werden.

apr/Reuters/dpa
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