Bewirtung in Corona-Zeiten Verband plädiert für Rückkehr der Heizpilze

Viele Kommunen verbieten Gastronomen aus Gründen des Umweltschutzes, ihren Außenbereich mit Heizstrahlern zu wärmen. Der Gaststättenverband Dehoga hält das in der Coronakrise jedoch für unerlässlich.
Gasbetriebene Heizpilze wie dieser sind vielerorts verboten - sie stoßen eine vergleichsweise hohe Menge CO₂ aus

Gasbetriebene Heizpilze wie dieser sind vielerorts verboten - sie stoßen eine vergleichsweise hohe Menge CO₂ aus

Foto: A3464 Rainer Jensen/ dpa

Um im Herbst und Winter mehr Gäste im Außenbereich bewirten zu können, wollen viele Gastronomen Heizstrahler nutzen - die sind aber teilweise verboten. Nun werden Forderungen laut, das Verbot auszusetzen.

"Die Kommunen, die derzeit ein Verbot von Heizpilzen haben, sollten es in diesem Herbst und Winter aussetzen", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, dem "Tagesspiegel" .

Corona- gegen Umweltschutz

"Wirte, die keine andere Möglichkeit haben, sollten in diesem Winter Gas-Heizpilze und Elektro-Wärmestrahler verwenden dürfen", sagte Hartges. Als ein Argument für den Einsatz gilt, dass Wirte ihre Gäste dann auch im Herbst und Winter draußen platzieren können.

Die Frischluft soll die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus reduzieren, außerdem ließen sich die Abstandsregeln durch die Nutzung der Außenbereiche besser einhalten.

Vielerorts sind die sogenannten Heizpilze in öffentlichen Betrieben wie Gaststätten aus Umweltschutzgründen verboten. Die Strahler werden meist mit Propangas betrieben und geben die Wärme aus der Verbrennung an die Umwelt ab. Sie stoßen aber vergleichsweise viel Kohlenstoffdioxid aus.

Der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Marcel Kling, sagte der Zeitung dazu: "Heizpilze sind umweltpolitisch problematisch, einen verantwortlichen Einsatz in diesem Ausnahmejahr 2020 sollten wir aber zulassen."

Selbst die Grünen halten eine Ausnahme für vertretbar: "Aus klima- und umweltpolitischen Gründen lehnen wir in Zeiten, in denen man im Restaurant oder Café im Winter ganz normal drinnen sitzen kann, den Betrieb von Heizpilzen im Außenbereich ab", sagte Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter. "In diesem Winter ist das alles anders und daher wäre ich in dieser speziellen Ausnahmesituation und mit Blick auf den Gesundheitsschutz dafür, Verbote zeitlich befristet auszusetzen."

Zu prüfen bleibe aber, welche Heiztechnik die geeignetste ist, sagte Hofreiter. "Natürlich wäre wünschenswert, dass primär andere Optionen wie Überdachungen, Zelte und Decken zum Zuge kommen."

BUND kritisiert den Vorschlag

Umweltschützer lehnen den Vorstoß jedoch ab. Heizpilze seien eine "Klimasauerei", sagte BUND-Energieexpertin Irmela Colaço der Nachrichtenagentur AFP. Ein einziger Heizpilz könne in einer Saison so viel Kohlenstoffdioxid produzieren wie ein Kleinwagen im Jahr, behauptete sie. "Und die Klimakrise macht keine Pause."

Eine "Heizung, die auf der Straße steht und die Luft beheizt, ist der ineffizienteste Einsatz von Energie". Gäste von Restaurants und Kneipen, die draußen sitzen wollten, sollten sich lieber eine Decke umlegen.

Grundsätzlich dürften klimaschonendere Standards nicht zurückgefahren werden, forderte Colaço: "Wir dürfen nicht die Coronakrise gegen die Klimakrise ausspielen." Die Gastronomie brauche staatliche Unterstützung, "aber nicht auf Kosten des Klimas".

kko/dpa/AFP
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