Coronakrise US-Banken verzeichnen herbe Gewinneinbrüche

Der wirtschaftliche Stillstand in der Coronakrise trifft die erfolgsverwöhnten US-Banken. Die Gewinne von JP Morgan und Wells Fargo sacken um mehrere Milliarden Dollar ab.
Wells-Fargo-Chef Timothy Sloan

Wells-Fargo-Chef Timothy Sloan

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CHIP SOMODEVILLA/ AFP

Die US-Banken spüren die ersten Auswirkungen der Coronakrise. Der Gewinn von Branchenprimus JP Morgan sank im ersten Quartal um gut zwei Drittel auf 2,9 Milliarden Dollar. Noch stärker war der Rückgang bei Wells Fargo, deren Gewinn von 5,9 Milliarden auf 653 Millionen Dollar abstürzte.

Hauptgrund waren Rückstellungen für faule Kredite. JP Morgan stockte diese um 6,8 Milliarden auf, Wells Fargo erhöhte sie um 3,2 Milliarden.

Die Corona-Pandemie hat in den USA große Teile der Wirtschaft lahmgelegt, 16 Millionen Amerikaner haben ihre Jobs verloren. Viele von ihnen haben kaum Reserven, auf die sie nun zurückgreifen können. Laut einer Studie der US-Notenbank Fed von 2019 würden 39 Prozent der Amerikaner ins Straucheln geraten, wenn sie eine unerwartete Ausgabe von 400 Dollar stemmen müssen.

Das wird nun auch zur Belastung für die Banken, die in den vergangenen Jahren ihr Geschäft mit Konsumkrediten und Kreditkarten kräftig ausgebaut und lange Zeit davon profitiert haben.

Nur der Anfang der Krise

Bei JP Morgan brach das Ergebnis im Privatkundengeschäft im ersten Quartal um 95 Prozent auf nur noch 191 Millionen Dollar ein. Grund dafür waren vor allem hohe Rückstellungen für Verluste im Kreditkartengeschäft.

Auch im Firmenkundengeschäft spürte JP Morgan hohe Belastungen durch faule Kredite etwa an die Öl- und Gasindustrie, die unter dem Verfall der Ölpreise leidet. Der Gewinn der Sparte brach um 86 Prozent auf 147 Millionen Dollar ein.

Am Mittwoch legen noch Bank of America, Citigroup und Goldman Sachs ihre Zahlen vor, am Donnerstag folgt Morgan Stanley. Analysten erwarten auch bei diesen Geldhäusern kräftige Gewinnrückgänge. 

Für die erfolgsverwöhnten US-Banken ist das eine große Umstellung. Jahrelang waren die großen Wall-Street-Banken auch wegen der höheren Zinsen in den USA und der Steuersenkung von US-Präsident Donald Trump von einem Rekordquartal zum nächsten geeilt und hatten ihren Abstand auf die europäischen Konkurrenten immer weiter vergrößert.

IWF warnt vor Finanzkrise

Der Internationale Währungsfonds warnt vor erheblichen Gefahren für das weltweite Finanzsystem durch die Coronavirus-Krise. Die Pandemie sei eine Herausforderung von historischem Ausmaß, heißt es im Finanzstabilitätsbericht des IWF. "Diese Krise stellt eine sehr ernste Bedrohung dar für die Stabilität des globalen Finanzsystems."

Der Virus-Ausbruch habe den Finanzmärkten einen bislang noch nie dagewesenen Schlag versetzt. Entschlossenes Handeln der Notenbanken und der Haushaltspolitik habe zwar für eine Stabilisierung gesorgt. Dennoch bestehe die Gefahr, dass sich die Finanzierungsbedingungen weiter verschärfen.

"Die endgültige Auswirkung der Krise auf die Weltwirtschaft, sowie das Timing einer Erholung ist hochgradig unsicher", warnen die IWF-Experten. Sorgen bereiten ihnen unter anderem hohe Schuldenstände bei Firmen und Privathaushalten. Diese könnten angesichts des plötzlichen Stillstands der Wirtschaft unter Druck geraten.

Banken stünden zwar inzwischen besser da als während der Finanzkrise vor rund zehn Jahren. Dennoch werde sich in einigen Ländern womöglich ihre Widerstandsfähigkeit angesichts von großen Markt- und Kreditverlusten beweisen müssen. Es bestehe die Gefahr, dass die Institute die Kreditversorgung der Wirtschaft zurückfahren - was die konjunkturelle Talfahrt noch verstärken könnte.

ssu/Reuters
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