Textilwirtschaft Wie das Coronavirus die Geschäfte von Adidas, Otto und Burberry trifft

Geschlossene Läden, stillgelegte Fabriken, Reisestopps - die Textilindustrie mit ihren weltweit verzahnten Lieferketten leidet bereits heftig an den Folgen des Coronavirus. Ein Überblick über betroffene Marken.
Leerer Adidas-Shop in Peking

Leerer Adidas-Shop in Peking

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NICOLAS ASFOURI/ AFP

Kaum eine Branche ist so eng mit China verflochten wie die Modeindustrie: Die Volksrepublik ist noch immer der größte Textilproduzent der Welt. Doch das Coronavirus legt China zunehmend lahm. Die Menschen gehen weniger oder gar nicht mehr auf die Straße, die Läden bleiben also weitgehend leer. In einigen Regionen stehen die Fabrikbänder still, was sich bald auf die textile Lieferkette auswirken könnte - und letztlich den Nachschub auch für Modekonzerne in Europa verzögert. Ein Überblick über betroffene Unternehmen:

  • Adidas schließt "eine beträchtliche Anzahl" an Läden in China und setzt damit die geltenden lokalen Richtlinien der Behörden um. Das Unternehmen aus Herzogenaurach betreibt in China 500 eigene Läden sowie mehr als 11.000 Franchise-Geschäfte. China ist ein extrem wichtiger Markt - mit einem Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet er etwa ein Fünftel des Gesamtumsatzes. Das Unternehmen bestätigt, "dass wir derzeit eine negative Auswirkung auf unser Geschäft in China erleben". Die Adidas-Aktie hat seit Mitte Januar neun Prozent an Wert verloren.

  • Der Timberland-Mutterkonzern VF Corporation, dem auch Marken wie The North Face, Vans und Dickies gehören, schließt in China 60 Prozent seiner Stores. In den übrigen Geschäften seien deutlich weniger Kunden unterwegs, schreibt der Konzern. China hat für VF Corporation eine wichtige Bedeutung: Sechs Prozent seines Gesamtumsatzes generiert der Konzern in Festlandchina, zwölf Prozent in der gesamten Asien-Pazifik-Region. 16 Prozent der verkauften Produkte stammen aus der Volksrepublik. Konkrete Zahlen über die Folgen der Corona-Epidemie liegen noch nicht vor.

  • Uniqlo schließt die Hälfte seiner Läden in China: Der japanische Modefilialist hat vorübergehend 370 seiner 750 chinesischen Stores dicht gemacht, berichtet die Branchenzeitung "Textilwirtschaft". Damit folgen die Japaner offenbar einem Aufruf der chinesischen Regierung, große Einzelhandelskomplexe zeitweise zu schließen. China ist laut der englischen Zeitung "The Star" einer der größten Wachstumsmärkte des Uniqlo-Konzerns, der unter dem gesättigten japanischen Heimatmarkt leide.

  • Auch die Outdoor-Gruppe Columbia Sportswear verzeichnet weniger Kunden in Läden in China und in weltweiten Tourismus-Gebieten. Außerdem sind Filialen der Outdoor-Gruppe in China geschlossen, es gelten Reisebeschränkungen für Mitarbeiter. Die finanziellen Folgen ließen sich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffern.

  • Die Mitarbeiter des Onlinehändlers Otto dürfen nicht mehr nach China reisen: Marc Opelt, Chef des Bereichsvorstands, teilte in einer Botschaft auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn  mit, dass sich die Corona-Krise "auch auf unseren Shop auswirkt". Die Händler sollten den Lieferanten Zeit geben, die Epidemie in den Griff zu bekommen.

  • Die dänische Bestseller-Gruppe mit Marken wie Jack&Jones, Vero Moda oder Only hat einen Reisestopp nach China und Hongkong bis zum 16. Februar ausgesprochen. Außerdem stelle man sich darauf ein, dass Produktion und Auslieferung beeinträchtigt würden, zitiert "Textilwirtschaft" eine Sprecherin.

  • Burberry senkt seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Die Nachfrage nach Luxusgütern in China und Hongkong leide erheblich unter dem Ausbruch des Coronavirus, sagte Burberry-Chef Marco Gobbetti. Das Unternehmen macht rund zwei Fünftel seiner Umsätze mit chinesischen Konsumenten. Da wiegt es schwer, wenn 24 von 64 Stores in China vorübergehend dicht machen - und in den übrigen, kürzer geöffneten Läden bis zu 80 Prozent weniger Kunden sind. Derzeit sei die Konsumlaune chinesischer Touristen im Ausland zwar noch weniger betroffen, teilte das Unternehmen mit, allerdings könnten sich die Reiserestriktionen auch hier negativ auswirken.

  • Der chinesische Onlinehändler Alibaba will indes die medizinische Versorgung von Krankenhäusern verbessern: Über eine eigene Beschaffungsplattform sind stark betroffene Krankenhäuser und Behörden direkt mit Verkäufern medizinischer Ausrüstung verbunden. Außerdem hat Alibabas Logistiksparte Cainio über einen eigens eingerichteten weltweiten Logistikkanal bereits fünf Millionen Atemschutzmasken, eine halbe Million medizinische Handschuhe, Zehntausende Schutzkleidungen und Schutzbrillen und 7000 Kisten Desinfektionsmittel - allesamt Spenden aus der ganzen Welt - in die vom Virus betroffenen Gebiete geliefert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Marc Opelt sei Vorstandschef des Otto-Konzerns. Tatsächlich ist er Vorsitzender des Bereichsvorstands beim Onlinehändler Otto. Wir haben die Stelle korrigiert.