Kaum noch Pleiten Zahl der Insolvenzen fällt um 35 Prozent

Immer weniger Firmen und Verbraucher zeigen an, dass sie Pleite sind. Die insgesamt von Gläubigern geforderte Summe hat sich allerdings auf mehr als 17 Milliarden Euro verzehnfacht. Grund ist offenbar ein Skandalkonzern.
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Die Insolvenzstatistik wirkt beruhigend – doch der Eindruck ist trügerisch: Die Schwierigkeiten vieler Firmen in der Pandemie spiegeln sich bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Pleiten wider. Der Grund dafür ist profan: Die Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen wurde von Anfang März bis Ende September 2020 ausgesetzt. 

Im August meldeten sich deshalb erneut weniger von der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bedrohte Unternehmen bei den Amtsgerichten als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag berichtete. Die 1051 eingegangenen Insolvenzanträge bedeuteten im Vergleich zum Vorjahresmonat einen satten Rückgang um 35,4 Prozent.

Die offenen Forderungen von Gläubigern haben sich verzehnfacht. Sie liegen mit 17,4 Milliarden Euro deutlich über dem Wert vom August 2019 (1,6 Milliarden Euro). Laut Statistikamt erklärt sich die hohe Summe aus dem Umstand, dass ein Großunternehmen mit mehreren Tochterunternehmen Insolvenz anmelden musste. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll es dabei unter anderem um den Finanzdienstleister Wirecard gehen.

Unternehmen, die wegen der Coronakrise in Bedrängnis geraten, sind derzeit nicht verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Die Bundesregierung hat beschlossen, die zunächst bis Ende September geltende Sonderregelung bis Ende 2020 zu verlängern. Experten rechnen für die Zeit danach mit einer Pleitewelle.

Neben den Unternehmensinsolvenzen weist das Statistische Bundesamt 2.857 "übrige Schuldner" aus, die im August 2020 Insolvenz anmeldeten. Das waren 60,2 % weniger als im Vorjahresmonat. Darunter waren 1.818 Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern (-65,3 Prozent) im Rahmen der sogenannten "Privatinsolvenz", sowie 765 Insolvenzanträge von ehemals selbstständig Tätigen (-52 Prozent).

beb/dpa