Crashtest Ohne Alimente aus den USA ist Ford in Not

Mit Werksschließungen hat Ford auf die Absatzkrise in Europa reagiert. Damit sind die Möglichkeiten allerdings zunächst ausgereizt. Wenn die Krise jedoch länger anhält, geht es an die Substanz.

Ford

Portfolio: Bieder, solide, unauffällig: Als Statussymbol können die Autos von Ford nicht dienen. Im Straßenbild sind Fiesta, Focus oder die Vans jedoch eine feste Größe, in Tests bleibt der Kompaktwagen Focus regelmäßig in Schlagdistanz zu den Spitzenreitern, genauso wie der Kleinwagen Fiesta. Dafür sind sie spürbar billiger als viele Konkurrenzmodelle. Wer ein Oberklasse-Auto aus dem Ford-Konzern sucht, muss selbst die Initiative ergreifen oder sich an einen freien Importeur wenden: Die Luxus-Tochter Lincoln hat einige schwere Limousinen im Programm, die der Konzern aber nicht nach Deutschland exportiert.

Technologie: Die Fahrwerke der Ford-Autos halten jedem Vergleichstest stand, auch wenn sie konventionell konstruiert sind. Mit den Eco-Boost-Motoren kann der Konzern sogar eine Vorreiterrolle für sich beanspruchen. Die Triebwerke mit kleinem Hubraum und Turboaufladung sind kräftig und genügsam. Ansonsten gelten die Ford-Autos eher als automobiles Schwarzbrot.

Absatzmärkte: Die Hälfte seiner Produktion verkauft Ford auf dem US-Markt, etwas mehr als ein Viertel in Europa. In den Boomregionen in Asien, Südamerika oder Russland tut sich der Konzern hingegen schwer. Die Konzentration birgt für die Europa-Tochter große Gefahren. Denn der dramatische Absatzeinbruch in Südeuropa, wo Ford traditionell sehr stark vertreten ist, lässt sich nicht durch zusätzliche Verkäufe in Boomregionen kompensieren.

Profitabilität: Der Gewinn pro Auto betrug im vergangenen Jahr knapp 800 Euro. In diesem Jahr reißt der Einbruch der Nachfrage jedoch tiefe Löcher in die Ford-Bilanz. Allein im Europageschäft erwartet der Autobauer für 2012 1,2 Milliarden Euro Verlust. Das Management reagiert mit einer radikalen Schrumpfkur: Drei Werke in Belgien und Großbritannien werden dichtgemacht. Damit verringert sich die Jahresproduktion um gut 350.000 Autos. Die deutschen Werke in Saarlouis und Köln können dadurch auf bessere Auslastung hoffen.

Betriebsfrieden: Die harten Sanierungsschritte haben die Stimmung bei den betroffenen Mitarbeitern vergiftet. Arbeitnehmer, Gewerkschafter, aber auch belgische Regierungsvertreter reagierten mit wütendem Protest auf die Schließung des Werks in Gent. Sie fühlen sich um das Versprechen der Konzernleitung betrogen, das Nachfolgemodell des Mittelklasse-Wagens Mondeo in Belgien zu produzieren. Die undurchsichtige Kommunikationsstrategie sorgt auch für Unruhe unter den Mitarbeitern, die bislang noch nicht von den Kürzungen betroffen sind.

AP/IIHS

Crashtest-Urteil von SPIEGEL ONLINE:



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.