Crashtest PSA ohne erkennbare Krisenstrategie

Ungünstig sortierte Modellpalette, unglückliche Hand bei Innovationen, ungenierte Intervention von außen: Der PSA-Konzern muss die Krise unter denkbar schwierigen Bedingungen meistern. Der konfliktscheue Peugeot-Clan als Großaktionär ist dabei keine große Hilfe.

Peugeot

Portfolio: Die Autos von Peugeot und Citroën treten hauptsächlich in der heiß umkämpften Kompaktklasse und der unteren Mittelklasse an. Unter dem Kürzel DS hat Citroën seit 2010 eine noble Designlinie im Angebot, die dem Wunsch der Käufer nach einem individuelleren Auftritt Rechnung trägt. Der Kleinwagen Peugeot 208 startete zwar schlechter als erwartet, bleibt aber das wichtigste Modell des Konzerns. Varianten wie ein GTI und ein kleiner SUV sollen künftig mehr Käufer begeistern. Für die Kundschaft in Schwellenländern stellte Peugeot kürzlich die preisgünstige Stufenhecklimousine 301 in Aussicht.

Technologie: Rußpartikelfilter, Hybridantrieb mit Dieselmotor - mit einigen technischen Neuerungen konnten sich die Franzosen gut in Szene setzen. Der Dieselhybrid zeigt jedoch, dass Innovationen nicht immer auch Geld einbringen. In einem Oberklassemodell würde die teure Technik Sinn machen, doch weder Citroën noch Peugeot verfügen über ein solches Dickschiff. Mit den C-Zero (Citroën) und dem iON (Peugeot) bietet der PSA-Konzern zwar auch Autos mit zukunftsträchtigem Elektroantrieb an. Die technische Basis stammt aber von Mitsubishi.

Absatzmärkte: Im vergangenen Jahr verkaufte der PSA-Konzern knapp 60 Prozent der produzierten Fahrzeuge in Europa - vor allem im Süden des Kontinents, wo die Nachfrage am empfindlichsten einbrach. Besorgniserregend ist aber nicht allein der Rückgang der Nachfrage; die Franzosen verlieren darüber hinaus Marktanteile. Auch in China verliert PSA den Anschluss an den Erzkonkurrenten VW. Aktivposten sind die Märkte in Südamerika und Nordafrika.

Profitabilität: Vor wenigen Monaten noch musste PSA eingestehen, dass der Konzern monatlich rund 200 Millionen Euro seiner Barreserven verbrennt. Ein drastisches Sparprogramm soll Linderung bringen. 8000 Arbeiter müssen gehen, 3000 davon im Werk Aulnay-sous-Bois bei Paris, das geschlossen werden soll. Trotz der Einsparungen erwartet PSA auch 2013 Verluste in Milliardenhöhe. Erst 2014 sei wieder mit Gewinnen zu rechnen. Experten hingegen halten selbst diese Ankündigung für gewagt, denn der politische Einfluss der sozialistischen französischen Regierung verhindert schnelle Reformschritte.

Betriebsfrieden: Wenn es um die Durchsetzung ihrer Interessen geht, sind die französischen Arbeitnehmer nicht zimperlich. Das gilt auch für die PSA-Belegschaft. Mitte Oktober hielten wütende Arbeiter in Aulnay-sous-Bois ihren Personalchef elf Stunden lang gefangen und verwüsteten die Räumlichkeiten der Direktion. Sie genießen bei ihren Protesten Rückhalt aus der Politik. Beobachter glauben deshalb nicht, dass die Sparmaßnahmen so drastisch ausfallen werden, wie es eigentlich nötig wäre. Einzige Hoffnung: Selbst die Gutachter von Regierung und Gewerkschaften erklärten nach einen Blick in die Bücher, die Lage sei dramatisch.

Citroën: Avantgarde war gestern
ADAC

Citroën: Avantgarde war gestern

Crashtest-Urteil von SPIEGEL ONLINE:



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.