Milliardenminus Credit Suisse meldet höchsten Verlust seit der Finanzkrise
Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz: Sie litt unter wilden Spekulationen zur Zukunft
Foto: Michael Buholzer / KEYSTONE / dpaDie Credit Suisse hat 2022 das schlechteste Ergebnis seit der Finanzkrise eingefahren. Abschreibungen im Zusammenhang mit dem laufenden Konzernumbau und der Ertragseinbruch der Investmentbank bedeuteten für die krisengeplagte Schweizer Großbank ein Verlust von 7,29 Milliarden Franken, wie das Institut mitteilte. Letztmals hatte die Credit Suisse zum Höhepunkt der internationalen Finanzkrise mehr Geld verloren: 2008 summierten sich die Verluste auf 8,2 Milliarden Franken.
Angesichts der Zweifel an der finanziellen Verfassung der Bank im Herbst hatten Kunden im Schlussquartal netto 110,5 Milliarden Franken abgezogen. Zum Jahresende verwaltete die Bank somit nur noch Vermögen von rund 1,29 Billionen Franken.
Die Bank ergreife weiterhin Maßnahmen, um Kundengelder zurückzugewinnen, gab sich die Credit Suisse kämpferisch. Doch die niedrigeren Kundeneinlagen und verwalteten Vermögen würden voraussichtlich zu einem Rückgang des Zinserfolgs und der wiederkehrenden Kommissions- und Gebührenerträge führen. Dies dürfte für das Kerngeschäft mit Millionären und Milliardären im ersten Quartal 2023 einen Verlust nach sich ziehen. Credit Suisse warnte zudem, dass die negativen Ertragsauswirkungen des angekündigten Ausstiegs aus Teilen des Investmentbankings und Restrukturierungskosten dem Institut 2023 einen erheblichen Vorsteuerverlust einbrocken dürften.
Für die zweitgrößte Schweizer Bank ist es nun das fünfte Quartal in den roten Zahlen hintereinander. Hintergrund sind eine Reihe von Skandalen und Fehler im Risikomanagement. So hatte es etwa in den sozialen Netzwerken im Oktober wilde Spekulationen zur Zukunft der Bank gegeben. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas beruhigt, doch die Ausfallversicherungen für Credit-Suisse-Anleihen enthalten immer noch einen kräftigen Risikozuschlag und machen die Finanzierung des Instituts teurer. Die mauen Geschäfte und negative Berichte verschreckten auch die Kunden.
Fokus auf Vermögensverwaltung für Superreiche
Insbesondere die Investmentbank-Sparte hatte zudem in den vergangenen Jahren große Verluste eingefahren. Allein hier summierte sich 2022 das Minus auf 2,8 Milliarden Franken. Entsprechend setzt der neue Chef Ulrich Körner hier auch mit Reformen an. Bereits Ende Oktober hatte sich die Bank endgültig vom Ziel verabschiedet, im Investmentbanking vorne mitzuspielen. Der frühere McKinsey-Berater Körner kündigte eine Radikalkur einschließlich eines Ausstiegs aus weiten Teilen dieses Geschäfts und den Abbau von insgesamt 9000 Stellen an.
Große Teile des Geschäfts mit Übernahmeberatung und der Platzierung von Anleihen soll in die Tochtergesellschaft Credit Suisse First Boston (CSFB) ausgelagert und Insidern zufolge 2024 oder 2025 als eigenständige Firma an die Börse gehen. Als CSFB-Chef ist der Wall-Street-Veteran und frühere Credit-Suisse-Verwaltungsrat Michael Klein vorgesehen. Dessen Beratungsboutique M. Klein & Co will Credit Suisse nun für 175 Millionen Dollar kaufen und in die CSFB einbringen.
Als Kernelement von Körners Umbau – dem dritten seit 2015 – soll die Vermögensverwaltung für Reiche und Superreiche einen noch größeren Stellenwert erhalten. Doch auch dieses Geschäft kränkelt, im vierten Quartal fiel ein Verlust von 155 Millionen Franken an.