Schweizer Großbank Credit-Suisse-Präsident tritt nach Verstoß gegen Quarantäneregeln zurück

Der Chefaufseher von Credit Suisse, António Horta-Osório, ist nach dem Bruch von Quarantäneregeln seinen Posten los. Noch Ende Dezember hatten sich Großaktionäre hinter den Topbanker gestellt.
António Horta-Osório: »Mein Rücktritt zu diesem Zeitpunkt im Interesse der Bank«

António Horta-Osório: »Mein Rücktritt zu diesem Zeitpunkt im Interesse der Bank«

Foto: Andy Rain / dpa

Der Verwaltungsrat der Credit Suisse hat nach Berichten über Quarantäneverletzungen den Rücktritt seines Präsidenten António Horta-Osório mit sofortiger Wirkung bekannt gegeben. Der Chefaufseher der Schweizer Großbank, António Horta-Osório, sei nach einer Untersuchung des Verwaltungsrats mit sofortiger Wirkung durch den Schweizer Axel Lehmann ersetzt worden, heißt es in einer Mitteilung  des Instituts in der Nacht zu Montag.

Der portugiesisch-britische Doppelstaatler hatte den Posten vergangenes Jahr übernommen und sich am 28. November einen folgenschweren Fauxpas geleistet: Nach einer Reise von Großbritannien nach Zürich hätte er eigentlich zehn Tage in Quarantäne gehen müssen, doch der Topbanker verließ das Land schon nach drei Tagen wieder in einem Privatjet. Die Zeitung »Blick« machte den Fall publik. Einen Tag später erklärte die Bank, Horta-Osório habe Selbstanzeige erstattet.

Horta-Osório bedauert Verhalten

In der Mitteilung zum Personalwechsel an der Spitze des Verwaltungsrats gab sich der abgetretene Chefaufseher nun reumütig: »Ich bedauere, dass einige meiner persönlichen Handlungen zu Schwierigkeiten für die Bank geführt und meine Fähigkeit beeinträchtigt haben, diese nach innen und außen zu vertreten. Ich bin daher zur Auffassung gelangt, dass mein Rücktritt zu diesem Zeitpunkt im Interesse der Bank und ihrer Stakeholder ist.«

Horta-Osório hatte sich bereits zuvor dafür entschuldigt, am 1. Dezember ohne Absicht gegen Quarantänebestimmungen verstoßen zu haben. Daraufhin leitete die Credit Suisse Insidern zufolge eine Untersuchung zum Verhalten des Verwaltungsratschefs ein – und untersuchte später einen zweiten mutmaßlichen Verstoß.

Noch Ende Dezember hatten Großaktionäre Horta-Osório den Rücken gestärkt. Der frühere Lloyds-Konzernchef hatte sich als Reaktion auf das Doppel-Debakel der Credit Suisse rund um den Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds auf die Fahne geschrieben, das Risikomanagement und die Kultur der Bank zu reformieren.

Der Verwaltungsrat der Bank soll Lehmann der Mitteilung zufolge bei der Generalversammlung am 29. April zur Wahl als Verwaltungsratspräsidenten vorschlagen. »Mit unserer neuen Strategie haben wir die richtigen Weichen gestellt und werden über die gesamte Bank weiter eine stärkere Risikokultur verankern«, teilte Lehmann mit. »Ich bin überzeugt, dass wir durch eine disziplinierte und zeitnahe Umsetzung unseres strategischen Plans zu neuer Stärke finden und nachhaltigen Wert für unsere Stakeholder schaffen können.«

Die Schweiz hatte die Quarantäneregel für Ankünfte aus einigen Ländern im November verhängt. Sie galt zum Zeitpunkt von Horta-Osórios Flug aus Großbritannien, ist inzwischen aber wieder aufgehoben worden.

apr/Reuters/dpa