Beschattungs-Affäre Credit Suisse trennt sich von Führungskräften

Szenen wie in einem Krimi: Die Bespitzelung eines ehemaligen Spitzenmanagers kostet zwei hochrangige Mitarbeiter der Schweizer Großbank Credit Suisse den Job - der Chef jedoch wird entlastet.

Logo der Credit Suisse in Zürich: Beschattungsaktion hat Konsequenzen
REUTERS/Arnd Wiegmann

Logo der Credit Suisse in Zürich: Beschattungsaktion hat Konsequenzen


Berichte über eine missglückte Verfolgungsjagd in der Zürcher Innenstadt hatten für Aufsehen gesorgt, nun hat die Überwachungsaffäre bei der Schweizer Großbank Credit Suisse personelle Konsequenzen: Der für das operative Geschäft zuständige Manager (COO) Pierre-Olivier Bouée sowie der Sicherheitschef sind mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, wie das Institut mitteilte.

Damit zieht die Credit Suisse Konsequenzen aus der Affäre um die Überwachung des ehemaligen Spitzenmanagers Iqbal Khan. Er war bislang Chef der internationalen Vermögensverwaltung und wechselt in gleicher Funktion zum größeren Rivalen UBS.

Einer von der Credit Suisse in Auftrag gegebenen Untersuchung zufolge war Khan im September an sieben Tagen überwacht worden. Demnach wollte COO Bouée damit verhindern, dass Khan Mitarbeiter oder Kunden zu seinem neuen Arbeitgeber mitnimmt. Bouée habe die Überwachung Khans allein angeordnet und niemanden aus der Führungsetage darüber in Kenntnis gesetzt, hieß es nun.

Ver folgungsjagd mit Rangelei

Khan hatte die Überwachung bemerkt und bei der Polizei Anzeige erstattet. Danach kam der Fall an die Öffentlichkeit.

So hatten verschiedene Medien berichtet, Khan und seine Frau seien am vergangenen Dienstag im Auto in der Zürcher Innenstadt von drei Männern in einem anderen Wagen verfolgt worden. Dem 43-jährigen Banker seien die Detektive aufgefallen, er habe gestoppt und von diesen Aufnahmen gemacht. Als die Detektive versucht hätten, Khan das Handy zu entreißen, sei es zu einem Gerangel gekommen. Die Männer konnten den Berichten zufolge fliehen, wurden aber von der Polizei ausfindig gemacht und vorübergehend festgenommen.

Bankmanager Iqbal Khan (Mitte): Wechsel zur Konkurrenz
REUTERS

Bankmanager Iqbal Khan (Mitte): Wechsel zur Konkurrenz

Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam schrieb daraufhin in einer Mitteilung an die Mitarbeiter, "in einer sensationsgetriebenen Darstellung" seien "die Fakten und Vorgänge nicht akkurat beschrieben" worden.

Der Bank zufolge ergab die nun erfolgte Untersuchung keine Anhaltspunkte dafür, dass Khan versucht hätte, Mitarbeiter oder Kunden abzuwerben. Der Verwaltungsrat unterstütze zwar grundsätzlich das Ergreifen von Maßnahmen zum Schutz der Interessen der Credit Suisse in Fällen, in denen leitende Angestellte die Bank verlassen. "Allerdings ist der Verwaltungsrat der Ansicht, dass der Auftrag zur Überwachung von Iqbal Khan falsch und unverhältnismäßig war und zu einem schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank geführt hat", hieß es.

Der Chef hat laut Untersuchung von nichts gewusst

Die bei einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegebene Untersuchung entlaste Credit Suisse-Chef Thiam, teilte die Bank weiter mit. Sie habe keinen Hinweis ergeben, dass Thiam die Überwachung genehmigt oder von dieser gewusst habe. Der nun geschasste Manager Bouée ist in der Bank der engste Vertraute Thiams. In den Medien war spekuliert worden, dass auch der Konzernchef über die Affäre straucheln könnte.

Doch zuletzt hatten sich auch Großaktionäre wie Harris Associates und Eminence Capital hinter Thiam gestellt. Der 57-Jährige steht seit Sommer 2015 an der Spitze der Credit Suisse und hat das Geldhaus durch einen tiefgreifenden Umbau gesteuert - von einer Investmentbank hin zu einem Vermögensverwalter für reiche Privatkunden. Die neue Ausrichtung scheint zu funktionieren: Im vergangenen Jahr erzielte Credit Suisse einen Gewinn von 2,1 Milliarden Franken und steht damit wesentlich besser da als etwa die Deutsche Bank.

Den freigewordenen Posten von COO Bouée besetzt die Credit Suisse nun mit James Walker. Der britisch-amerikanische Doppelbürger ist seit 2009 bei der Bank. Zuvor hatte er unter anderem bei Barclays und Merrill Lynch gearbeitet.

mmq/Reuters/dpa

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