Deutscher Impfstoffhersteller Curevac bewarb sich selbst um Einstieg des Staats

Seit der Staat Miteigentümer von Curevac ist, kann sich die Tübinger Impfstoff-Firma vor Investoren kaum retten. Doch der Einstieg des Bundes war offenbar nicht die Idee der Regierung - sondern des Unternehmens selbst.
Zentrale der Firma Curevac in Tübingen

Zentrale der Firma Curevac in Tübingen

Foto: Thomas Kienzle / AFP

Als die Bundesregierung Mitte Juni mit mehr als 343 Millionen Euro bei der Tübinger Biotech-Firma Curevac einstieg, war die Aufregung groß. Das Start-up - mehrheitlich in Besitz des SAP-Co-Gründers und Multimilliardärs Dietmar Hopp - arbeitet an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Lungenseuche Covid-19. Angeblich hatte auch US-Präsident Donald Trump versucht, sich Zugriff auf das Unternehmen zu sichern. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechtfertigte die Staatsbeteiligung denn auch damit, dass sich Deutschland bei der Versorgung mit einem Corona-Impfstoff unabhängig machen müsse, mit der Curevac-Beteiligung wolle man die Entwicklung beschleunigen.

Das alles klang, als folgte der Schritt der Bundesregierung einem großen industriepolitischen Plan des Wirtschaftsministers.

Doch tatsächlich war es offenbar gar nicht die Bundesregierung, die den Anstoß zu der Investition gab, sondern das Unternehmen selbst. Das geht aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) auf eine Kleine Anfrage der FDP hervor. "Die Curevac AG hat sich erfolgreich um ein Investment durch den Bund beworben", heißt es in der Antwort von Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß. Die Initiative sei nicht von Staatsbediensteten ergriffen worden. Gerüchte, dass Trump sich für Curevac interessiert habe, hätten keine Rolle für den Einstieg gespielt.

"Wenn industriepolitische Erwägungen und Erfordernisse tatsächlich ausschlaggebend gewesen wären, hätte die Idee zur Übernahme im BMWi entstehen müssen", sagt der FDP-Politiker Reinhard Houben, der die Anfrage gestellt hatte. "Das zeigt, dass Herrn Altmaiers Argumentation vorgeschoben ist, tatsächlich ging es ihm offenbar darum, den Bürgern vorzumachen, dass alles getan werde, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen." Es sei aber fragwürdig, ob der Staatseinstieg die Entwicklung eines Impfstoffs tatsächlich beschleunige.

Beschleunigt hat der Einstieg des Bundes, der seine Anteile über die staatliche Förderbank KfW hält, möglicherweise die Börsenpläne von Curevac. Nach dem Altmaier-Coup hatten zunächst der Pharma-Multi Glaxo-Smith-Kline sowie der Staatsfonds des Emirats Katar, die Qatar Investment Authority, und weitere Investoren dreistellige Millionen-Euro-Beträge in das Unternehmen gesteckt. Am vergangenen Freitag meldete Curevac dann den Gang an die amerikanische Technologiebörse Nasdaq an. Ein Termin steht noch nicht fest, im Zuge einer Privatplatzierung will Curevac-Haupteigentümer Hopp in jedem Fall weitere 100 Millionen in die Firma stecken.

"Der Bund wirkt wie ein Köder"

Houben sieht im Einstieg des Bundes eine klare Wettbewerbsverzerrung , die anschließenden Investitionen privater Geldgeber unterstrichen dies. "Der Staat reduziert das Risiko für andere Investoren", sagt der FDP-Mann. "Der Bund als Ankerinvestor wirkt wie ein Köder." Wettbewerbsbedenken der Monopolkommission habe die Bundesregierung dagegen in den Wind geschlagen.

Tatsächlich haben Wettbewerber wie die Mainzer Firma Biontech keine ähnliche Staatshilfe erhalten wie Curevac - und müssen deshalb fürchten, ins Hintertreffen zu geraten.

In der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf die Anfrage der FDP heißt es dazu lediglich, die Prüfung durch die Bundesregierung habe "keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass durch die Beteiligung der KfW an Curevac eine Gefahr für den freien Wettbewerb entstehen könnte".

Ob die Bundesregierung auch nach einem möglichen Börsengang von Curevac ihre Anteile an der Firma behalten möchte, ist offen. Die Frage, ob und wann sich die KfW von den Curevac-Anteilen trennt, sei "aktuell nicht Gegenstand einer Entscheidung".

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