Studie zur weltweiten Verteilung Wie fair sind die deutschen Impfstoffhersteller?

Kaum ein Unternehmen hat derzeit einen besseren Ruf als Pharmafirmen wie Biontech oder Curevac. Eine neue Studie wirft ihnen nun aber vor, dass sie nicht zur weltweiten Versorgung beitragen.
Impfungen in Großbritannien

Impfungen in Großbritannien

Foto: Dan Charity - Pool / Getty Images

Wenn es um deutsche Covid-19-Impfstoffhersteller geht, war zuletzt kein Lob groß genug: Als »Weltenretter« wurden die Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech in der Presse bezeichnet. Sie beherrschten »biologisches Jiu-Jitsu«, sagte der britische Premierminister Boris Johnson ehrfürchtig, nachdem das Land als weltweit erstes mit Massenimpfungen mit der von Biontech mitentwickelten Vakzine begonnen hatte.

Geht es allerdings um die Kooperation bei der fairen Verteilung der Impfstoffe, sieht es nicht ganz so blendend aus. Im Gegenteil: Die deutschen Hersteller Biontech und Curevac gelten da als besonders unfair und intransparent. In einem Impffairness-Test der Hilfs- und Entwicklungsorganisation »One« liegen die Firmen unter zehn untersuchten Pharmaunternehmen auf den beiden letzten Plätzen. Nach Recherchen von »One« meiden die Firmen es bisher, den sogenannten ACT-Accelerator der Weltgesundheitsorganisation zu unterstützen, der zu einer weltweit gerechten Verteilung der Impfstoffe beitragen soll. Biontech habe keinen Preisnachlass für gemeinnützige Organisationen zugesagt, Curevac habe den Verkauf des Impfstoffs zum Selbstkostenpreis ausgeschlossen und sich stattdessen für eine »ethisch« vertretbare Marge für die Anteilseigner entschieden.

»Für diese reichen Firmen ist eine derartige Blockade ein Armutszeugnis«, sagt One-Deutschland-Direktor Stephan Exo-Kreischer. Nur etwas besser als die deutschen Firmen schneidet Biontech-Partner Pfizer ab, der sich laut den Testern immerhin offen für einen Technologietransfer zeigt.

Angeführt wird das Ranking vom britisch-schwedischen Konzern AstraZeneca: Das Unternehmen war eines der ersten, das der Impfallianz Gavi, einer öffentlich-privaten Stiftung in Genf, vertraglich 300 Millionen Impfdosen zum Selbstkostenpreis zugesichert hat.

Curevac betonte, »im engen Austausch« mit verschiedenen Impfstoffinitiativen zu stehen und sich an einer Unicef-Ausschreibung beteiligen zu wollen. Studienprotokolle zum Impfstoff seien zudem öffentlich einsehbar und man habe darüber in Präsentationen berichtet. Der Preis des Impfstoffs müsse allerdings Entwicklungskosten berücksichtigen. Biontech reagierte auf Fragen nicht.

Deutschland weit oben in der Liste

Während die Impfallianz Gavi fürchtet, nicht genug Mittel für die Verteilung von Impfstoffen an arme Länder zusammenzubekommen, decken sich reiche Länder im Übersoll ein. Großbritannien etwa sicherte sich bisher fast dreimal so viele Impfdosen bei verschiedenen Herstellern wie zu einer Durchimpfung der Bevölkerung nötig wären. Einer vorderen Platzierung im Länderranking von »One« stand dies allerdings nicht im Wege. Die vertragliche Überversorgung mit Impfstoff, so Exo-Kreischer, habe zwar negativ zu Buche geschlagen, »aber Großbritannien konnte das durch andere Aktivitäten ausgleichen«. So habe das Land etwa den ACT-Accelerator durch eine große Konferenz gestärkt und, ähnlich wie Deutschland, mehr Geld dafür zugesagt als viele andere Länder.

Am Ende des Länderrankings rangieren Russland und die Türkei, die sich nach »One«-Recherchen weder in internationale Kooperationen zur gerechten Verteilung einbrachten, noch finanzielle Zusagen machten, sich an der Unterstützung für den globalen Süden zu beteiligen.

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