Biotech-Unternehmen Curevac Gefloppter Impfstoff sorgt für tiefrote Zahlen

Das Scheitern des ersten Impfstoffkandidaten bescherte der Tübinger Firma Curevac hohe Verluste. Doch das Unternehmen arbeitet bereits an einer neuen Vakzine.
Spritze vor Curevac-Logo (Archivbild): herbe Verluste

Spritze vor Curevac-Logo (Archivbild): herbe Verluste

Foto: Jan Hübner / IMAGO

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac schreibt wegen des Rückzugs seines ersten Impfstoffkandidaten weiter rote Zahlen. Der operative Verlust lag im vergangenen Jahr bei 412,3 Millionen Euro nach 109,8 Millionen Euro im Vorjahr, wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht. Ein Teil des Unternehmens, zuletzt rund 16 Prozent, gehört dem Bund, der sich im Sommer 2020 mit rund 300 Millionen Euro an Curevac beteiligt hatte. Auch der Großaktionär Dietmar Hopp besitzt Anteile.

Wie die Rivalen Biontech/Pfizer und Moderna setzt auch Curevac auf sogenannte mRNA-Impfstoffe. Seinen ersten Corona-Impfstoffkandidaten hatte Curevac wegen vergleichsweise schwacher Wirksamkeit zurückgezogen – das hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz. So sei der Anstieg der Forschungs- und Entwicklungsausgaben vor allem auf deutlich höhere Kosten aus der damals zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase mit 40.000 Probanden zurückzuführen. Den Umsatz konnte das Unternehmen auf 103 Millionen Euro nach 48,9 Millionen Euro im Jahr 2020 steigern.

Vorauszahlungen des Bundes müssen nicht zurückgezahlt werden

Laut Finanzvorstand Pierre Kemula sind nun die meisten finanziellen Verpflichtungen aus dem Rückzug des ersten Impfstoffkandidaten namens CVnCoV gelöst. »Es ist wichtig, dass wir von der Europäischen Union die Bestätigung erhalten haben, dass die Vorauszahlung in Höhe von 450 Millionen im Zusammenhang mit dem beendeten Vorkaufvertrag für CVnCoV nicht zurückgezahlt werden muss.«

Das Unternehmen arbeitet an einem neuen Impfstoffkandidaten namens CV2CoV. Ende März startete eine klinische Studie für das neue Präparat, das die Tübinger zusammen mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) entwickeln. Daten aus der neuen Phase 1-Studie werden laut Curevac in der zweiten Jahreshälfte 2022 erwartet. Der Bund hat bereits Verträge mit dem Impfstoffhersteller über Produktionskapazitäten geschlossen.

Immer wieder machte Curevac auch aus personellen Gründen Schlagzeilen: Im Januar verließ die Technologiechefin Mariola Fotin-Mleczek das Unternehmen, in vergangenen Sommer traten zwei der Gründer von ihren Ämtern zurück.

mic/jlk/dpa