Kreativer Arbeitskampf 50.000 Protest-Postkarten gegen Daimlers Sparkurs

Zehntausende Daimler-Mitarbeiter haben Postkarten an den Vorstand geschickt. Sie kritisieren dessen harten Sparkurs – und machen Vorschläge, wie es besser gehen könnte.
Daimler-Produktion in Sindelfingen

Daimler-Produktion in Sindelfingen

Foto: Marijan Murat / DPA

»Hört uns zu, und lasst die Beschäftigten Teil der Veränderung sein«: Mit dieser Botschaft haben sich 50.000 Daimler-Beschäftigte an den Vorstand gewandt – und zwar per Postkarte. Vertreter des Gesamtbetriebsrats und der IG Metall haben die Protestschreiben nun in der Konzernzentrale abgegeben.

Aufgerufen hatten die Gewerkschafter zu der Aktion bereits Anfang vergangener Woche. Es war den Angaben zufolge das erste derartige Vorgehen in der Geschichte des Unternehmens.

Hinter den Postkarten stünden Menschen, die Daimler groß und erfolgreich gemacht hätten, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. »Die Unternehmensleitung muss diese Erfahrung, die wir haben, auch in Zukunft nutzen.« Die Verbesserungsvorschläge, die die Mitarbeiter in ihren Postkarten machten, sollten in der Konzernstrategie berücksichtigt werden.

Betriebsräte und IG Metall hatten sich zuletzt immer offener gegen den Kurs der Konzernführung positioniert. Sie werfen dem Management einen schlechten Stil im Umgang mit den Beschäftigten vor. Ein großer Streitpunkt ist die Zukunft des Motorenwerks in Untertürkheim. Nach Betriebsratsangaben sollen dort bis 2025 rund 4000 Stellen abgebaut werden.

Niemand stelle die Transformation infrage, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Aber der Wandel müsse mit den Beschäftigten gelingen.

Daimler rechtfertigt den Konzernumbau mit dem Wandel in der Autoindustrie und der Corona-Pandemie. Im zweiten Quartal machte der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust. Weil weltweit Fabriken stillstanden, Autohäuser schließen mussten und auch viele andere Unternehmen nicht arbeiten und somit auch keine Lastwagen kaufen konnten, knickten die Absatzzahlen ein.

Vorstandschef Ola Källenius hatte zuletzt betont, dass sein im Vorjahr vorgelegter Sparplan angesichts der Coronakrise verschärft werden müsse. Um den Herausforderungen zu begegnen, seien Einsparungen bei Investitionen, Material und Personal nötig. Für das Gesamtjahr rechnet Daimler allerdings aktuell mit einem Gewinn.

Zuletzt vereinbarte Daimler mit dem Betriebsrat einen sogenannten Transformationsfonds mit einem Volumen von einer Milliarde Euro. Mit diesem sollen Zukunftstechnologien gefördert und Beschäftigung an den deutschen Standorten gesichert werden. Die Mittel hätten eine Laufzeit bis 2025 und stünden zusätzlich zu den geplanten Investitionen zur Verfügung.

ssu/dpa