Dieselaffäre Anleger fordern Millionen von Daimler

Daimler soll illegale Abgaseinrichtungen genutzt haben, die Aktie stürzte daraufhin ab. Nun fordern Investoren knapp 900 Millionen Euro Schadensersatz - die Summe dürfte aber noch deutlich steigen.
Mercedes-Werk in Untertürkheim

Mercedes-Werk in Untertürkheim

Foto: Marijan Murat/ DPA

Der Dieselskandal könnte für Daimler ein teures Nachspiel haben: 219 Anleger haben Klage gegen den Autobauer eingereicht. Es geht um den Einsatz illegaler Abschalteinrichtungen. Die gesamte Schadensersatzforderung belaufe sich dabei auf 896 Millionen Euro, teilte die Tübinger Kanzlei Tilp mit.

Zu den klagenden Investoren gehören den Angaben zufolge unter anderem Banken, Versicherungen und Pensionsfonds aus Deutschland, anderen EU-Staaten, Nordamerika, Asien und Australien.

Der Vorwurf an Daimler: Der Autobauer habe die Verwendung von illegalen Abschalteinrichtungen in seinen Dieselfahrzeugen sowie die hiermit verbundenen Risiken und Kosten verschwiegen und die Investoren über die wahren Umstände getäuscht. Zwischen dem 10. Juli 2012 und dem 20. Juni 2018 sei der Kurs der Daimler-Aktie von über 90 Euro auf unter 60 Euro gefallen. Die dadurch erlittenen Schäden seien Gegenstand der jetzigen Klagen.

Daimler hält Klagen für "unbegründet"

Ein zentraler Streitpunkt: sogenannte Temperaturfenster, innerhalb derer die Reinigung zur Schonung von Motorbauteilen heruntergefahren werden darf. Weil es dabei rechtliche Grauzonen gibt, klagen auch viele Kunden. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte 2018 und 2019 mehrere Hunderttausend Daimler-Fahrzeuge wegen einer unzulässigen Abgastechnik zurückrufen lassen.

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Daimler reagierte: "Wir halten die uns bekannten Klagen für unbegründet und werden uns gegen die Vorwürfe mit allen juristischen Mitteln verteidigen - gegebenenfalls auch in einem etwaigen Musterverfahren." Ein solches Musterverfahren könnte - ähnlich wie im Fall VW - Bewegung in den juristischen Streit zwischen dem Autobauer und Aktionären bringen. Im Kern geht es bei einem Musterverfahren darum, zentrale Rechtsfragen sämtlicher Fälle bereits vorab von der nächsthöheren Instanz verbindlich entscheiden zu lassen.

Die Kanzlei Tilp zeigte sich zuversichtlich. Man habe alle formellen Voraussetzungen für ein Musterverfahren geschaffen und erwarte, dass es noch vor der Sommerpause beginnen könne. Die Kanzlei hat nach eigenen Angaben auch für zahlreiche private Anleger Klagen gegen Daimler eingereicht. Zudem liefen Gespräche mit weiteren Klägern, bei denen es um Schäden in dreistelliger Millionenhöhe gehe, sagte Rechtsanwalt Andreas Tilp der "Wirtschaftswoche". "Es werden im laufenden Jahr weitere Klagen hinzukommen. Die Gesamtschadenssumme unserer Klagen dürfte 2020 auf 1,8 Milliarden Euro steigen."

flg/dpa
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