Leichte Erholung von der Dieselkrise Daimler meldet wieder Gewinne

Mitte 2019 machte Daimler noch Verluste in Milliardenhöhe, nun hat sich der Konzern wieder etwas gefangen - und wieder mehr Autos verkauft. Doch durch die Lkw-Sparte droht bereits neues Ungemach.

Daimler-Stern: Etwas Glanz in turbulenten Zeiten
REUTERS/Kai Pfaffenbach

Daimler-Stern: Etwas Glanz in turbulenten Zeiten


Rückstellungen, Rückrufe, Prozesse und schlechte Konjunktur: Auf 1,6 Milliarden Euro belief sich bei Daimler Chart zeigen der Verlust im zweiten Quartal. Nach diesem Schock im Sommer hat sich der schwäbische Autohersteller nun erst mal wieder stabilisiert.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte im dritten Quartal nun um acht Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 43,3 Milliarden. Experten rechnen deshalb damit, dass der Konzern wieder eine Dividende auszahlen kann. Daimler-Aktien legten an der Börse zu Handelsbeginn um gut vier Prozent an Wert zu.

Grund für den Aufschwung seien gute Absatzzahlen bei Autos und Kleintransportern, sagte Daimler-Chef Ola Källenius zum nun abgelaufenen dritten Quartal. Der Schwede sagte aber auch: "Um die Transformation in den nächsten Jahren zu meistern, müssen wir die Anstrengungen allerdings noch erheblich steigern."

Zusätzliches Geld für Dieselskandal nötig?

Wie genau er das machen will, hat der seit Mai amtierende Vorstandschef bisher nicht gesagt. Källenius verwies auf Schritte, die der Konzern Mitte November im Hinblick auf seine Strategie und den angekündigten Sparkurs vorstellen will.

Die operative Rendite sank bei der wichtigsten Sparte Mercedes-Benz Pkw um 0,3 Prozentpunkte auf sechs Prozent. Belastend wirkten Wechselkurseinflüsse und höhere Kosten für neue Technik und Modelle. Unter dem Strich stieg der Gewinn des Sektors nur leicht.

Daimler-Chef Ola Källenius: Transformationsprogramm soll im November vorgestellt werden
Christoph Schmidt/dpa

Daimler-Chef Ola Källenius: Transformationsprogramm soll im November vorgestellt werden

Allerdings zeichnen sich in der besonders konjunkturanfälligen Lkw-Sparte bereits die nächsten Probleme ab. Weil die Wirtschaft in Nordamerika und Europa schwächer läuft, kann der Konzern seine Ziele in der Sparte in diesem Jahr nicht halten. Im dritten Quartal lag die Umsatzrendite der Lkw-Sparte einen Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert. Bereits im Schlussquartal wird mit Ergebnisbelastungen des Geschäftsfelds zu rechnen sein.

Fortschritte machte das Unternehmen bei der Finanzlage, um die sich Analysten und Investoren ebenfalls sorgen. Daimler warnte jedoch davor, dass gebildete Rückstellungen für behördliche und gerichtliche Verfahren sowie Untersuchungen rund um Dieselabgase nicht ausreichen könnten. Infolgedessen könnten zusätzliche Aufwendungen entstehen.

Daimler hatte im ersten Halbjahr Milliarden für die Probleme um mutmaßlich illegale Dieselabgastechnik an die Seite legen müssen. Jedoch war im dritten Quartal auch bereits ein 870-Millionen-Euro-Bußgeld der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Zuge der Dieselermittlungen gegen den Konzern verhängt worden. Im Oktober kam noch ein neuer Pflichtrückruf für Hunderttausende weitere Autos dazu, die aus Sicht der Behörden mit illegaler Abgastechnik unterwegs sind.

apr/dpa-AFX/Reuters



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Michael Glas 24.10.2019
1. Es ist eigentlich noch gar nichts passiert,
aber zumindest alle deutschen Hersteller weinen gleich mal ganz kräftig über die ungelegten Eier und v.a. die AfD-Jünger weinen gleich mit. Vielleicht wäre jetzt konsequentes und zukunftsfähiges Handeln wichtiger als den vergangenen goldenen Zeiten der Narrenfreiheit der dt. Autoindustrie hinterher zu trauern. Speziell Mercedes hat wohl auch den Bogen bei deren ausufernden Modellpolitik überspannt. Für quasi jeden speziellen Kunden eine eigenes Modell zu produzieren ist halt auf Dauer nicht sinnvoll und auch kostenintensiv. Weniger ist hier sicher mehr. Das Ganze wieder auf ein sinnvolles Maß zurückzuführen ist sicher nicht einfach, aber dringend nötig. Die aufgeblähte Modellvielfalt zu reduzieren wird natürlich nicht ohne Personal-Veränderungen gehen, aber sinnlos Autos zu produzieren, die keiner braucht, ist insgesamt gesehen noch schlimmer.
dk.bied 24.10.2019
2. Hm...
Zitat von Michael Glasaber zumindest alle deutschen Hersteller weinen gleich mal ganz kräftig über die ungelegten Eier und v.a. die AfD-Jünger weinen gleich mit. Vielleicht wäre jetzt konsequentes und zukunftsfähiges Handeln wichtiger als den vergangenen goldenen Zeiten der Narrenfreiheit der dt. Autoindustrie hinterher zu trauern. Speziell Mercedes hat wohl auch den Bogen bei deren ausufernden Modellpolitik überspannt. Für quasi jeden speziellen Kunden eine eigenes Modell zu produzieren ist halt auf Dauer nicht sinnvoll und auch kostenintensiv. Weniger ist hier sicher mehr. Das Ganze wieder auf ein sinnvolles Maß zurückzuführen ist sicher nicht einfach, aber dringend nötig. Die aufgeblähte Modellvielfalt zu reduzieren wird natürlich nicht ohne Personal-Veränderungen gehen, aber sinnlos Autos zu produzieren, die keiner braucht, ist insgesamt gesehen noch schlimmer.
Mercedes hat - wie jedes erfolgreiche Unternehmen - vor allem Kundenwünsche erfüllt, also ohne Zwangsbeglückung durch den Staat und ohne üppige staatliche Zuschüsse. Und wenn es einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet, jedem Kunden "seinen Wunsch" zu erfüllen - umso besser! Ich kann nicht glauben, wie viele Menschen es bei uns zu geben scheint, die sich DDR-Verhältnisse wünschen, wo der Staat bestimmt hat, dass der Trabant, entwickelt in den 1970-er und der Wartburg aus der gleichen Epoche für den Bürger gefälligst auszureichen haben. Immerhin scheinen DUH und Co in ihrem Vernichtungskampf gegen die Automobilbranche schlampig vorgegangen zu sein, wenn sich ein Autobauer traut, ein Lebenszeichen von sich zu geben.
Oberleerer 24.10.2019
3.
Der Staat kann hier eingreifen, indem Normen gesetzt werden. Z.B. wieviel Lärm darf ein Laubbläser, ein Bus oder ein Flugtaxi emmitieren. Die amerikanischen und chinesischen Produkte kehren sich einen Shice darum, Hauptsache billig. Die Automobilindustrie muß sich bewußt sein, daß es sehr schnell gehen wird, daß E-Autos die Verbrenner ersetzen. Die Digitalkameras haben die analogen Geräte in nur 5 Jahren ersetzt, beim Smartphone ging der Wechsel noch schneller. E-Autos steigern die Akkukapazität um 10 % p.a., in 5 Jahren fahren also diese Wagen echte 600km, zu einem Preis, der weit unter dem des Verbrenners liegt. Die Atomobilhersteller wissen, daß ein E-Auto viel billiger ist als ein Verbrenner, es fehlen ja all die teuren Komponenten für Motor und Abgasaufbereitung. Hinzu kommt eine weit größere Langlebigkeit und weniger Verschleißteile. Für die Ersatzteilpreise steht ja nun auch eine Kartellklage im Raum. Diese Veränderung ist nicht in schlechten Management begründet, sonder im technischen Fortschritt. Die Brennstoffversorgung mit Benzin und Diesel wird drastisch sinken.Wer den Markt mit Wechselakkus bedient können entweder die ehemaligen ausländischen Ölkonzerne sein, die hiesigen Energieversorger, vollkommen neue Startups oder Ausgründungen der Automobilfirmen. Nio betreibt seine eigenen Wechselstationen, aber das ist natürlich nicht die Zukunft. Es brauch einen ISO-Akku oder Ähnliches.
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