Anweisung vom Kraftfahrtbundesamt Daimler ruft Hunderttausende Diesel zurück

Zum dritten Mal ordnen Behörden bei Daimler einen Diesel-Rückruf an: Es geht um eine "mittlere sechsstellige Zahl" an Fahrzeugen, die mit mutmaßlich illegaler Abgastechnik unterwegs sind - vor allem Transporter.

Daimler-Hauptquartier in Stuttgart
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Daimler-Hauptquartier in Stuttgart


Daimler hat nach Ansicht der Behörden in Hunderttausenden weiteren Diesel-Fahrzeugen eine unzulässige Abgastechnik verwendet. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erließ einen entsprechenden Rückrufbescheid, wie Daimler am Freitagabend mitteilte. Betroffen ist den Angaben zufolge wohl eine mittlere sechsstellige Zahl an Mercedes-Benz-Fahrzeugen in Europa, die mit dem schon etwas älteren Euro-5-Dieselmotor mit der Bezeichnung OM651 unterwegs sind.

Daimler will gegen diesen Rückrufbescheid Widerspruch einlegen. Der Konzern ist der Auffassung, dass seine Abgastechnik rechtlich in Ordnung ist.

Eine genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge wurde nicht genannt. Der Motor steckt aber in einer ganzen Reihe von Mercedes-Fahrzeugen quer durch die Modellpalette. Es handelt sich aber auch um ein älteres Modell, das in aktuellen Baureihen nicht mehr zum Einsatz kommt. "Die Produktion der Fahrzeuge ist spätestens im Juni 2016 ausgelaufen", teilte Daimler mit.

260.000 Sprinter betroffen

Das KBA hatte dem Autobauer schon 2018 auferlegt, gut 680.000 Diesel-Fahrzeuge zurückzurufen, im Juni dieses Jahres kamen dann rund 60.000 Geländewagen vom Typ Mercedes-Benz GLK dazu. Nach Ansicht der Behörden ist darin eine unzulässige Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung im Einsatz. Daimler sieht das anders und hat auch gegen diese Bescheide Widerspruch eingelegt.

Zu den jetzt betroffenen Fahrzeugen gehören rund 260.000 Transporter des Modells Sprinter. Dass das KBA sie im Visier hat, war erst am vergangenen Wochenende bekanntgeworden.

Daimler hatte allerdings betont, dass es sich um keinen neuen oder überraschenden Fund handele. Im Zusammenhang mit der Anordnung zum GLK habe Daimler "bereits darüber informiert, dass die beanstandete Funktionalität in verschiedenen Baureihen enthalten ist und eine Prüfung angekündigt", hatte ein Sprecher betont. Daimler selbst habe die Funktionsweise der Abgasreinigung dem KBA bereits im Mai 2018 vorgestellt "und sie anschließend seit Sommer 2018 in weiteren Besprechungen eingehend erläutert".

Unabhängig von den Widersprüchen kooperiere man auch in diesem Fall mit den Behörden, hieß es am Freitag. Bedeutet: Daimler wird die Rückrufe umsetzen und betroffene Kunden informieren, bleibt aber bei seiner Sichtweise.

nck/Reuters/AFP

insgesamt 13 Beiträge
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guiceramella 11.10.2019
1. Unsere Zeit
Neulich erzählte ich einem Bekannten, dass ich mir einen neuen Dacia Duster kaufen wolle. Daraufhin meinte er, dass man für das Geld auch einen (sehr) gebrauchten Daimler oder VW bekäme und damit Qualität und einen "Namen". Die diversen Skandale sind ihm auch bekannt. Aber das dringt nicht ins Bewusstsein. Warum eigentlich nicht? Der Absatz dieser Automarken sinkt kaum. Ich werde mein Geld keinesfalls an diese Unternehmen verteilen. Ich kann nicht begreifen warum kaum Konsequenzen gezogen werden. Mit einem Handstreich wurden Millionen Bürger betrogen und dennoch, es bleibt wie es ist. So auch in der Politik. Einige nennen es Stabilität, ich würde es Lähmung nennen.
spontanistin 11.10.2019
2. Anspruch und Wirklichkeit!
Image fördernd hat dieser Konzern, der einmal den Anspruch hatte, sich in einen integrierten Technologiekonzern zu wandeln, eine schlagkräftige Konzernforschung aufgebaut, die zu den Vorreitern beim Brennstoffzellenantrieb gehörte. Heute machen Toyota und Kia/Hyundai vor, wie es geht. Den kurzfristigen Gewinnmaximierern war es wohl wichtiger, den Harnstoffverbrauch der Dieselabgasreinigung zu "minimieren" (obwohl sie doch aus der LKW-Sparte wussten, wie schnell das auffliegt) als die zukunftsträchtige H2-Technologie voran zu treiben. Ob die ganze "Schummelei" unter'm Strich am Ende profitabel war? Für die bestens bonifizierten Top-Manager und -Betrüger mit Sicherheit!
anonymerkrankonstrukteur 12.10.2019
3. So langsam wird es lächerlich oder die deutschland Verschwörung
Wenn man das so sieht haben unsere Behörden jahrelang den Dieselschummel mit angesehen und genauso wenig gemacht wie irgendwelche Manager, die nur aufs eigene Wohl aus waren. Wozu noch etwas für künftige Generationen schaffen? Hier wird das Volksvermögen und das Humankapital unseres Landes zerstört. Vielleicht wird es einfacher in Zukunft eine Positivliste zu führen, das spart Ressourcen, weil das Blatt weiß bleibt und noch fur Notizen genutzt werden kann.
gudrege 12.10.2019
4.
"Daimler wird die Rückrufe umsetzen und betroffene Kunden informieren." Ich wurde bereits vor 2 Wochen informiert, fahre keinen Sprinter...
frantonis 12.10.2019
5. Das Bundesamt hätte vorher Scheuer fragen
sollen. Denn da wüssten sie, dass diese Abschaltvorrichtungen mit dem Ministerium abgesprochen sind und legal sind, um Kraftstoff zu sparen und die PS-Zahl zu halten. ;-)
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