Abgasskandal Ermittler durchsuchen Daimler-Standorte

Wegen des Dieselskandals kommt es nun auch bei Daimler zu Razzien. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft durchsuchte mehrere Standorte des Autobauers.

Daimler-Logo in Berlin
DPA

Daimler-Logo in Berlin


Die Staatsanwaltschaft Stuttgart durchsucht wegen möglicher Diesel-Abgasmanipulation mehrere Standorte von Daimler Chart zeigen. Das teilte der Stuttgarter Autobauer am Dienstag mit. Weitere Angaben wollte die Firma mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht machen. Das Unternehmen kooperiere vollumfänglich mit der Behörde.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren bereits im März bekannt geworden. Sie richten sich gegen "bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung im Zusammenhang mit möglicher Manipulation der Abgasnachbehandlung bei Diesel Pkw".

Im Rahmen der Ermittlungen durchsuchten nun 23 Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Stuttgart und rund 230 Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, aller Polizeipräsidien in Baden-Württemberg und der örtlich zuständigen Polizeidienststellen in anderen Bundesländern nach Angaben des Landeskriminalamts insgesamt elf Objekte in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachen und Sachsen nach Unterlagen und Datenträgern.

Der Abgasskandal hatte durch Ermittlungen der US-Behörden gegen Volkswagen Chart zeigen seine Anfang genommen. VW hatte im September 2015 die Manipulation von Abgaswerten bei weltweit elf Millionen Dieselautos eingestanden. Der Konzern sieht sich mit zahlreichen Klagen und milliardenschweren Schadensersatzforderungen konfrontiert. Zuletzt war es auch zu Razzien bei der VW-Tochter Audi gekommen.

Vor einem Jahr hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt die Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz und mehrere andere Autohersteller zu einem freiwilligen Rückruf verdächtiger Dieselmodelle aufgefordert. Autos der Unternehmen waren bei Abgasmessungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) durch stark erhöhte Stickoxid-Werte aufgefallen.

Sie sind vermutlich auf sogenannte Thermofenster zurückzuführen: Dabei stellen viele Hersteller die Abgasreinigung von Autos so ein, dass sie erst ab einer bestimmten Außentemperatur arbeitet - oft etwa erst bei mehr als zehn Grad Celsius. Als Argument dient zum Beispiel der Schutz des Motors. Solche Thermofenster sind zwar fragwürdig, nach den EU-Richtlinien aber unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

dab/kig/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.