Emissionswerte US-Aufseher fordern Abgastests von Daimler

Erst VW, jetzt Daimler? Auch der Mercedes-Hersteller bekommt es wegen seiner Abgaswerte mit den US-Behörden zu tun. Volkswagen droht wegen der Abgasaffäre ein Rekordverlust.
Daimler-Chef Zetsche

Daimler-Chef Zetsche

Foto: AP/dpa

Nach dem Abgasskandal im VW-Konzern bekommt es nun auch der Autobauer Daimler mit einer Überprüfung der US-Behörden zu tun. Das US-Justizministerium habe den Konzern aufgefordert, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den Vereinigten Staaten intern und unter Einbeziehung der US-Aufseher unter die Lupe zu nehmen, teilte Daimler in der Nacht zum Freitag in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt mit.

Wörtlich hieß es darin, das US-Justizministerium habe "die Daimler AG am 15. April 2016 unter Hinweis auf strenge Vertraulichkeit aufgefordert, den Zertifizierungs- und Zulassungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen in den USA im Wege einer internen Untersuchung in Abstimmung mit dem DOJ (US-Justizministerium, Anm. der Red.) zu überprüfen".

Daimler   erklärte, die jüngsten US-Sammelklagen wegen angeblich überhöhter Abgaswerte für unbegründet zu halten. Das Unternehmen wolle sich dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen. Der Besitzer eines Mercedes -Modells mit Blue-Tec-Dieselmotor wirft dem Autobauer vor, der Ausstoß von giftigem Stickoxid überschreite bei Temperaturen unter zehn Grad die Grenzwerte in den USA um bis das 65-Fache.

Größte Jahresverlust der Unternehmensgeschichte

Die Klage vor einem Bezirksgericht in Illinois wurde von der Anwaltskanzlei Hagens Berman eingereicht, die bereits VW in den USA wegen überhöhter Abgaswerte verklagt hat.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Daimler erhärten, drohen dem Stuttgarter Konzern hohe Strafen: Volkswagen   hatte im September zugegeben, Stickoxid-Abgaswerte mit einer speziellen Software manipuliert zu haben.

Der Wolfsburger Konzern steuert in der Abgasaffäre auf einen teuren Kompromiss zu. Der Autobauer einigte sich nach monatelangem Ringen mit den US-Behörden auf Grundzüge eines Entschädigungsplans, der den Rückkauf von fast einer halben Million manipulierten Dieselfahrzeugen sowie eine Entschädigung der Autobesitzer vorsieht. Nach Informationen der dpa muss VW wegen der Diesel-Affäre für das Jahr 2015 rund 16,4 Milliarden Euro zurückstellen, fast zehn Milliarden Euro mehr als bislang erwartet. Damit droht der mit Abstand größte Jahresverlust in der Unternehmensgeschichte.

Nicht nur deutsche Autobauer sind ins Kreuzfeuer der US-Verkehrsaufsicht geraten: Die US-Behörde teilte zum Wochenschluss mit, im Skandal um geschönte Verbrauchswerte den japanischen Autobauer Mitsubishi Motors unter die Lupe zu nehmen. Die Behörde NHTSA bat den Pkw-Hersteller um Informationen über Fahrzeuge, die in den USA verkauft wurden.

Einem Bericht der Zeitung "Sankei" zufolge könnte Mitsubishi die Werte bei weiteren Modellen wie Elektrofahrzeugen manipuliert haben. Der Autobauer erklärte, den Medienbericht prüfen zu wollen. Mitsubishi hatte am Mittwoch Tricks bei Tests zum Treibstoffverbrauch eingeräumt.

otr/ade/dpa/Reuters
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