Brief an Führungskräfte Daimler-Vorstand fordert Milliardeneinsparungen

In einer Art Brandbrief an die Führungskräfte hat der Daimler-Vorstand schnelle Einsparungen in Milliardenhöhe gefordert - und hausgemachte Probleme angeprangert.

Daimler-Chef Ola Källenius will dem Konzern einen strikten Sparkurs verordnen
THOMAS KIENZLE/AFP

Daimler-Chef Ola Källenius will dem Konzern einen strikten Sparkurs verordnen


Daimler ruft sein Management zu einem strengen Sparkurs auf. Ein entsprechender Brief sei an die Führungskräfte des Konzerns gegangen, berichteten die "Stuttgarter Nachrichten". "Wir müssen mindestens die Sondereinflüsse im zweiten Quartal in Höhe von 4,2 Milliarden Euro kurzfristig kompensieren", zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Ein Daimler-Sprecher wollte sich zu dem Brief nicht äußern.

Der seit Mai amtierende Daimler-Chef Ola Källenius will im November ein detailliertes Sparpaket und seine Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Zuletzt hatte er auch die Belegschaft auf einen harten Kurs eingestimmt.

"Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen"

"Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen, müssen alles hinterfragen, über alle Kosten nachdenken", hatte Källenius jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt - ohne allerdings schon Zahlen zu nennen. Bereits Amtsvorgänger Dieter Zetsche hatte Anfang des Jahres angesichts der schwächelnden Branchenlage auf die Notwendigkeit eines harten Sparprogramms hingewiesen.

Daimler hatte im zweiten Quartal unter anderem wegen Rückstellungen für Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal rote Zahlen geschrieben. Der Daimler-Vorstand stellte in dem nun bekannt gewordenen Schreiben aber klar: Nicht alle Herausforderungen aus dem ersten Halbjahr seien auf äußere Einflüsse zurückzuführen. "Einige - mit großer Hebelwirkung - sind hausgemacht."

Unzufrieden zeigt sich der Vorstand laut dem Schreiben vor allem mit der Entwicklung der Liquidität. "Der Mittelabfluss, den wir zuletzt verzeichnet haben, ist nicht akzeptabel", heißt es demnach. Die finanzielle Solidität sei die "Lebensader unseres Unternehmens".

Die Daimler-Aktie lag am Montag in einem schwachen Branchenumfeld 2,6 Prozent im Minus. Daimler hatte im ersten Halbjahr einen Abfluss von Finanzmitteln in Höhe von 3,3 Milliarden Euro verzeichnet. Schon damals hatte Källenius klargestellt: "Die Zahlen sind alles andere als zufriedenstellend."

Insbesondere an der Börse ist die Kassenlage ein vielbeachteter Indikator, weil sie Aufschlüsse gibt über die Möglichkeiten zur Dividendenzahlung und für Investitionen.

flg/dpa-AFX



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 23.09.2019
1. ...
Ob man den Mittelabfluss wohl auch damit begrenzen wird, indem die Vorstaende ihre Bezuege reduzieren?
beroyeah 23.09.2019
2. Ganz schnell ...
... und zu allererst bei sich selbst mit dem Sparen anfangen, gefolgt von allen jetzigen und ehemaligen Führungskräften bis weit nach Schrempp auf allen Ebenen des vorhanden Managements. Da kommen aber ganz locker und schnell mehrere Milliarden Euro zusammen. Nicht wieder auf dem Rücken der Mitarbeiter!
wo_st 23.09.2019
3. Vertrieb!
Zu meinem Glück, der Vertrieb bei Mercedes nimmt es genau mit seinen Pflichten und hat mich schon drei Mal als Käufer vertrieben. So weit sind das sicherlich hausgemachte Probleme.
schorri 23.09.2019
4. Das übliche Manager-Blabla
Das übliche Manager-Blabla. "Über alle Kosten nachdenken." Eine Floskel hat der neue Sterne am Sternenhimmel vergessen: Jeden Stein umdrehen. Und: Alles muss auf den Prüfstand. Das hilft ganz bestimmt. Denn da hat man ja Erfahrung und genügend Software, um eine passendes Ergebnis zu generieren. Es scheint, als ob sich da Daimler einen Controller statt eines Unternehmers eingefangen hat. Good Night - and good Luck, Daimler.
BettyB. 23.09.2019
5. Irre
Und da ließ sich Zetsche vor kurzem noch nicht nur feiern sondern gut gefedert in den Ruhestand schicken.
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