"Wichtiger als Raumfahrtprogramm" Daimler-Vorstand fordert mehr Geld für europäische Datenwolke

Verzettelt sich die EU bei ihren Projekten? Daimler-Manager Wilfried Porth hält nichts von Weltraumplänen. Alle Energie müsse stattdessen in den Aufbau einer unabhängigen Dateninfrastruktur fließen.

Daniel Reinhardt / picture alliance / dpa

Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth fordert rasche Investitionen zum Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur - als Alternative zu Diensten aus den USA und China. "Eine europäische Cloud wäre aus meiner Sicht wichtiger als ein europäisches Raumfahrtprogramm, deshalb sollte man hier Geld und Energie investieren", sagte Porth mit Blick auf laufende Gespräche über europäische Raumfahrtprogramme und deren Finanzierung. In Sachen Cloud-Architektur müsse gehandelt werden. Es sei nicht sinnvoll, nur darüber zu jammern, "dass bislang keiner eine europäische Cloud aufgebaut hat, die Amerikanern und Chinesen Wettbewerb bieten kann".

Nach Plänen der Bundesregierung sollen sich deutsche und europäische IT-Anbieter künftig zu einem Netzwerk zusammenschließen, bei dem Unternehmen ihre Daten sicher speichern und verarbeiten können. Dieses Cloud-Netzwerk namens Gaia-X solle unter anderem europäischen Firmen den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen. Ende 2020 solle der Livebetrieb mit ersten Anbietern und Anwendern starten. Viele Fragen - etwa zu Kosten und Finanzierung - sind jedoch offen. Das Projekt würde gegen etablierte Cloud-Dienste von US-Konzernen wie Amazon, Microsoft und Google antreten.

Porth betonte, es fehle bundes- und europaweit keineswegs an Innovationskraft, um eine konkurrenzfähige europäische Dateninfrastruktur aufzubauen. "Wenn man sich beispielsweise mit Patenten beschäftigt, findet man heraus, dass ganz viel in Europa und auch in Deutschland erfunden und erforscht wird", sagte er.

Das Problem sei die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die reale Wirtschaftswelt: "Wir bekommen das dann nicht schnell genug in den Markt." Den Europäern fehle womöglich ein wenig die Risikobereitschaft, die eher in den USA, in Israel und China vorhanden sei.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte vor Kurzem Pläne für ein Cloud-Projekt namens Gaia-X vorgestellt. Innerhalb der deutschen Industrie gibt es allerdings auch Anhänger der Idee eines deutschen Weltraumbahnhofs. So hat sich der BDI dafür eingesetzt, Altmaier will den Vorschlag ebenfalls prüfen.

beb/dpa



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Hans-Dampf 25.11.2019
1.
Die Abhängigkeit in Sachen Cloud- und Storage-Infrastruktur (um die es hier im Artikel offenbar geht, obwohl nur das Stichwort Cloud fällt) von US-amerikanischen Konzernen hat inzwischen besorgniserregende Dimensionen angenommen. Es wird Zeit, solche Services EU-weit EU anzubieten.
marcnu, 25.11.2019
2. Cloud = Wolke = Intransparenz
So können Daten aller Unternehmen problemlos angesehen werden. Zudem hat man genug Zeit, verschlüsselte Daten in Ruhe zu entschlüsseln. Industriespionage leicht gemacht.
netterscheff 25.11.2019
3. Liebe ...
... Regierige, kriegt doch erstmal und überhaupt ein schnelles und flächendeckendes Netz hin. Nein 56kBaud sind _nicht_ schnell. Glasfaser, so wie in anderen Ländern, da wird es dann schnell. Und dann können wir uns auch über Klaut - sorry - Cloud unterhalten. Wobei wir ja anhand er Anbindung der Ärzte sehen, wohin Klaut, äh, Cloud in Deutschland führt.
wiseman21 25.11.2019
4. Er hat ja so Recht
Egal ob im Privaten öder im Business, der Cloumarkt wird ausschließlich von US amerikanischen Unternehmen beherrscht. Google, Amazon und Microsoft bauen mit gigantischen Investitionen kontinuierlich ihre Marktmacht aus. Public Cloud ist die Zukunft, der Marktanteil von Public Cloud steigt seit Jahren kontinuierlich und mit hohen Zuwächsen. Und mangels Alternativen müssen Unternehmen auf. US Lösungen zurück greifen. Nun mag der eine oder andere denken, dass dies egal sei. Doch die Zukunft ist in einem Umfang digital wie es sich heute kaum jemand vorstellen kann. Beispiel Verkehr: In 10-15 Jahren wird dass autonome Fahren Realität sein. Die Routenplaner in den Fahrzeugen werden über Verkehrsleitsysteme mit einander kommunizieren um Staus zu vermeiden und Geschwindigkeit und Stecke entsprechend anpassen. Das sind gigantische Datenmengen, die schon bald permanent in Public Cloud Lösungen verarbeitet werden. Manch einer wird es vielleicht Paranoia nennen, doch mich bringt der Gedanke, dass die gesamte deutsche Verkehrsführung auf Rechnern von amerikanischen Firmen abgewickelt wird, doch schon ein wenig ins Grübeln.
klausheubisch 25.11.2019
5. Verstehe ich nicht
Wer hindert Daimler, Linde, Siemens, SAP, die Telekom, Volkswagen und ähnliche Big-Player daran, gemeinsam so etwas aufzubauen? Wenn das für die Unternehmen wirklich sinnvoll ist, lohnen sich doch auch die Investitionen. Sicher, einfach ist das nicht, da Amazon, Microsoft und so weiter nicht nur Speicher, sondern komplette Infrastrukturen mit Speicher, Datenbanken, Tools und so weiter anbieten. Wollen die sich etwa nur in das von anderen gemachte und finanzierte Bett legen? Doch nicht unsere Vorzeigeunternehmen!
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