Stellenabbau Daimler will mehr als tausend Führungskräfte loswerden

Mitte November wollte Ola Källenius Details zu seinen Sparplänen bekanntgeben, mit denen er den Daimler-Konzern sanieren will. Der Betriebsratschef kam ihm nun zuvor.

Montage im Daimler-Werk in Raststatt: Langsame Erholung von der Dieselkrise
Kai Pfaffenbach/ File Photo/ REUTERS

Montage im Daimler-Werk in Raststatt: Langsame Erholung von der Dieselkrise


Langsam geht es bei Daimler Chart zeigen nach der Dieselkrise wieder aufwärts, zuletzt wurden sogar wieder Gewinne gemeldet. Das dürfte auch am umfassenden Sparkurs liegen, mit dem sich der neue, schwedische Konzernchef Ola Källenius profiliert. Dabei macht er auch vor der eigenen Führungsriege nicht halt.

Als Teil des Sparprogramms will Daimler weltweit circa 1100 Stellen von Führungskräften abbauen. Das geht aus einem Infobrief des Gesamtbetriebsratschefs Michael Brecht an die Mitarbeiter hervor, der dem SPIEGEL vorliegt. In Deutschland wäre etwa jede zehnte Stelle im Management betroffen.

"Wir sehen als Gesamtbetriebsrat durchaus die finanziell schwierige Situation sowie die Notwendigkeit von umsichtigen Maßnahmen", schrieb Brecht an die Mitarbeiter. "Aber: Ihr dürft nicht für juristische Streitigkeiten oder Qualitätsprobleme von Zulieferern zur Kasse gebeten werden!"

Verzicht auf Tariferhöhung?

Daimler war zuletzt in eine schwere Krise geraten. Rückstellungen, Rückrufe, Prozesse und schlechte Konjunktur hatten im zweiten Quartal zu 1,6 Milliarden Euro Verlust geführt. Hinzu kam zuletzt auch ein 870-Millionen-Euro-Bußgeld der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Zuge der Dieselermittlungen. Im Oktober kam noch ein neuer Pflichtrückruf für Hunderttausende weitere Autos dazu, die aus Sicht der Behörden mit illegaler Abgastechnik unterwegs sind.

Ola Källenius: Personalkosten sollen reduziert werden
Arnulf Hettrich/ imago images

Ola Källenius: Personalkosten sollen reduziert werden

Källenius hat laut Betriebsrat Anfang der Woche bei einer internen Führungskräfteveranstaltung erstmals konkrete Zahlen zu seinen Sparplänen genannt. Details hatte er aber eigentlich erst Mitte November nennen wollen. Durch den Brief sind nun zumindest bereits Teile davon bekannt geworden.

Um die Personalkosten zu reduzieren, hat die Unternehmensleitung laut Betriebsrat auch vorgeschlagen, mögliche Tariferhöhungen aus der im Frühjahr 2020 anstehenden Tarifrunde nicht zu übernehmen. Brecht schreibt: "Dies haben wir kategorisch abgelehnt." Ein Daimler-Sprecher sagte, man äußere sich nicht zu Spekulationen. Man befinde sich in einem konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern.

Daimler hat gut 178.000 Beschäftigte in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen hat der Konzern bis 2030 ausgeschlossen, auch Abfindungsprogramme oder ähnliches soll es nicht geben - was nicht ausschließt, dass der Konzern zum Beispiel freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt. Punktuelle Ausscheidungsvereinbarungen für Beschäftigte im indirekten Bereich, also zum Beispiel in der Verwaltung, könne man durchaus auch diskutieren, schrieb Brecht.

Der Betriebsrat fordert ihm zufolge eine Ausweitung der in der vergangenen Tarifrunde ausgehandelten Möglichkeit, ein tarifliches Zusatzgeld gegen freie Tage tauschen zu können. Auch solle die Altersteilzeit weiter geöffnet werden. "Sinnloses Kostenschrubben lehnen wir ab."

apr/kko/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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wolfi55 08.11.2019
1. Da gibt es noch mehr Baustellen, die Geld kosten
Bei den C-Klassenmodellen von 2008 rosten die Hinterachsen durch aufgrund mangelhafter Fertigungsqualität infolge der Produktionsverlagerung, da gibt es 100% Kulanz, dann sind da an den gleichen Modellen Probleme an den Rückleuchten, die aber inzwischen regelmäßig abgelehnt werden, obwohl den Zulassungsbehörden eine kulante Regelung zugesagt wurde, in den USA gab es deswegen einen Rückruf. Dann trifft es mit den 1100 Leuten ja mindestens Leute mit einem Gehalt ab 250.000€ nach oben. Als das letzte Mal so ein Programm lief, fiel der Herr Grube als Bahnvorstand ab. Jetzt wackelt der Bahnchef wieder udn Daimler baut einige Manager ab. Finde den Unterschied.
jgunlieb 08.11.2019
2. Der Fisch stinkt um die fette Mitte
Aus persönlicher Erfahrung mit dem mittleren Management in solchen Traditionsunternehmen: neun von zehn Mitglieder dieser Unternehmenskaste zu entfernen würde im ungünstigsten Fall keinen Unterschied auf die Ergebnisse machen. Unternehmensführungen sollten den Mut haben, hier gehörig auszudünnen. Sie können nur gewinnen.
em_den 08.11.2019
3. Die selben Führungskräfte
Wenn das die selben Führungskräfte sind, die den Dieselbetrug zu verantworten und das Thema Elektromobilität und "alternative Antriebe" verpennt und bewusst verzögert haben, dann trifft es sicher nicht die Falschen. Führung heißt eben auch persönlich in die Verantwortung (schlimmstenfalls Arbeitslosigkeit) gehen, wenn man sich verzockt hat - Stellenabbau kann ja nicht immer nur die armen Säue am Ende der Nahrungskette treffen.
timelock 08.11.2019
4. Führungskräfte gesucht...
Schon skurril, dass ein paar Nachrichten vorher etwas über den Mangel an Führungskräften steht. Vielleicht mal verknüpfen ;-) https://www.spiegel.de/karriere/deutschland-immer-weniger-berufstaetige-wollen-fuehrungskraft-werden-a-1295517.html
tempus fugit 08.11.2019
5. Stimmt,...
Zitat von jgunliebAus persönlicher Erfahrung mit dem mittleren Management in solchen Traditionsunternehmen: neun von zehn Mitglieder dieser Unternehmenskaste zu entfernen würde im ungünstigsten Fall keinen Unterschied auf die Ergebnisse machen. Unternehmensführungen sollten den Mut haben, hier gehörig auszudünnen. Sie können nur gewinnen.
...es ist einfacher, sich Unternehmer zu schelten als sich unternehmerischer Verantwortung und Cleverness zu stellen!
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