Ärger über Pipeline-Protest Energiekonzern verklagt Greenpeace wegen "Mafiapraktiken"

Der US-Energiekonzern Energy Transfer Partners verklagt Greenpeace auf 300 Millionen Dollar. Die Umweltschutzorganisation habe beim Widerstand gegen die umstrittene Pipeline Dakota Access "Mafia-Praktiken" angewendet.

Pipeline-Gegner (Archiv)
AFP

Pipeline-Gegner (Archiv)


Der Betreiber der umstrittenen US-Pipeline Dakota Access hat Klage gegen Greenpeace eingereicht. Laut einem Bericht das "Wall Street Journal" fordert der Konzern Energy Transfer Partners mindestens 300 Millionen Dollar von der Umweltschutzorganisation, als Kompensation für "eine gnadenlose Kampagne von Lügen und rücksichtslosen Mafia-Praktiken" (im englischen Original: "relentless campaign of lies and outright mob thuggery").

Pikant: Das Unternehmen stützt sich dabei auf den "Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act", kurz RICO. Das Gesetz war ursprünglich geschaffen worden, um gegen Schutzgelderpressungen durch Mafia-Strukturen vorzugehen. Greenpeace habe über Jahrzehnte "betrügerische, verleumderische Kampagnen gegen hunderte Firmen und Branchen" geführt, heißt es in der Klageschrift, aus der das "Wall Street Journal" zitiert.

Tom Wetterer, Leiter der Greenpeace-Rechtsabteilung, weist die Vorwürfe zurück. Hinter der Klage stehe der Versuch, "die freie Meinungsäußerung durch teure, langwierige Prozesse zu unterdrücken". Der Pipelinebetreiber wirft den Umweltschützern vor, mit Falschaussagen über das Dakota-Access-Projekt um Spenden geworben, Geldgeber bedroht und Cyber-Angriffe gestartet zu haben.

Die 3,8 Milliarden Dollar teure, 1885 Kilometer lange Dakota Access Pipeline führt durch vier US-Bundesstaaten - von North Dakota über South Dakota und Iowa nach Illinois. Sie gehört zu einem größeren Pipelinenetz, das die Ölfelder im Norden der USA mit den Raffinerien im Süden verbinden soll, am Golf von Mexico.

Die Pipeline führt durchs Standing-Rock-Reservat der Sioux , unter dem Missouri River und dem Lake Oahe hindurch. Beide Gewässer sind den Ureinwohnern heilig - und ihre Trinkwasserquellen.

Nach Protesten hatten Gegner des Projekts 2016 zwischenzeitlich einen Baustopp der Leitung erreicht. US-Präsident Donald Trump hatte den Bau kurz nach seinem Amtsantritt wieder freigegeben. Trump hatte selbst früher Aktien der Pipelinegesellschaft Energy Transfer Partners besessen.

insgesamt 44 Beiträge
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grommeck 23.08.2017
1. US Konzerne reden von Mafia...lächerlich bis unverschämt!
Ausgerechnet die Verbrecher, die ganze Landstriche verseuchen, reden von Mafiamethoden. TTIP läßt grüßen.
gekreuzigt 23.08.2017
2. Interessant.
Die selbsternannten heiligen Unfehlbaren neigen ja nicht eben dazu, Fakten zu berücksichtigen. Z.B. Brent Spar . Ideologiegestütztes Machtstreben trifft auf einen gleichwertigen Gegner. Könnte spannend werden.
FK-1234 23.08.2017
3. An den Haaren herbeigezogen
...sind die Vorwürfe des US-Konzerns. Vielmehr soll Greenpaece "ausgeschaltet" werden, um nach eigenem Gutdünken - ohne Rücksicht auf allgemeine Interessen - agieren zu können. Ist halt die Geisteshaltung des US-Präsidenten, die der US-Konzern sich zu eigen macht.
Hugo55 23.08.2017
4. Greenpeace nimmt es mit den Fakten nicht genau
Oder genauer ausgedrückt: es wird gelogen und Dinge falsch dargestellt, dass sich die Balken biegen. Da Greenpeace von den Journalisten aber für die "Guten" gehalten werden, wird nicht da nicht so genau hingeschaut. Wie wäre es, wenn unsere investigativen Journalisten mal Greenpeace, Peta und andere Organisationen vornehmen würden?
frenchie3 23.08.2017
5. Wären da Mafiamethoden im Spiel
gewesen wäre der Betonverbrauch im Umfeld des netten Klägers und der Wasserstand in den Seen der Umgebung gestiegen.
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