Tödliche Schlammlawine in Brasilien Bergbaukonzern kündigte Prüffirma vor Dammbruch

Neue Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft: Bereits Monate vor der Dammbruch-Katastrophe in Brasilien haben Inspekteure das Bauwerk als unsicher eingestuft. Der Konzern Vale reagierte - und feuerte die Prüffirma.
Katastrophenhelfer in Brumadinho

Katastrophenhelfer in Brumadinho

Foto: ADRIANO MACHADO/ REUTERS

Der brasilianische Eisenerzproduzent Vale hat der Anklagebehörde zufolge Monate vor der Dammbruch-Katastrophe der Inspektionsfirma Tractebel gekündigt - wegen einer verweigerten Sicherheitsbescheinigung. Tractebel war aktiv, bevor der deutsche TÜV Süd engagiert wurde. Das geht aus Gerichtsunterlagen der Staatsanwaltschaft hervor, in der diese die geforderte Ablösung von Vale-Führungskräften begründet.

Nachdem Inspektoren von Tractebel, einem Tochterunternehmen des französischen Versorgers Engie, einen Damm als nicht sicher eingestuft hatten, teilte Vale der Strafverfolgungsbehörde zufolge mit, die Prüfer nicht mehr für regelmäßige Kontrollen zu beauftragen. Als Begründung wurden "Abweichungen bei den verwendeten Kriterien, um geotechnologische Sicherheit zu bewerten" genannt, wie die Ankläger unter Berufung auf nicht benannte Zeugen mitteilten.

Stattdessen habe Vale auf den deutschen TÜV Süd zurückgegriffen, der den Damm genehmigt habe, bei dessen Bruch im Januar Hunderte Menschen ums Leben kamen. Dies sei trotz eigener Messwerte geschehen, die gezeigt hätten, dass die Struktur weit unter dem empfohlenen Sicherheitsniveau gelegen habe, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Vale und Tractebel wollten sich zunächst nicht dazu äußern, Vertreter vom TÜV Süd waren zunächst nicht zu erreichen.

Am Wochenende waren rund fünf Wochen nach dem verheerenden Dammbruch der Konzernchef und weitere Führungskräfte zurückgetreten. Die Hinweise hatten sich zuletzt gemehrt, dass der brasilianische Konzern von einem erhöhten Bruchrisiko wusste. Bei dem Dammbruch an einem Rückhaltebecken im Bundesstaat Minas Gerais wurden im Januar vermutlich mehr als 300 Menschen getötet und große Mengen an giftigem Schlamm freigesetzt.

Video: Überwachungskamera filmt Dammbruch

SPIEGEL ONLINE

Vale ist der weltweit größte Eisenerzproduzent und zählt zu den größten Konzernen Brasiliens. Seit dem Dammbruch hat das Unternehmen einen großen Teil seines Börsenwerts eingebüßt.

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