Nachfolgestreit bei Darboven Gericht verbietet Adoption in Kaffeedynastie

Um zu verhindern, dass ihm sein Sohn an die Spitze seines Kaffee-Imperiums nachfolgt, will Albert Darboven den Milliardär Andreas Jacobs adoptieren. Nun verhinderte ein Gericht das Vorhaben - vorerst.

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Der Hamburger Kaffeeunternehmer Albert Darboven darf Andreas Jacobs, den Erben der gleichnamigen Rösterdynastie, vorerst nicht adoptieren. Das Amtsgericht Hamburg-Blankenese wies einen entsprechenden Antrag zurück, teilte ein Gerichtssprecher mit. Gegen die Entscheidung kann innerhalb eines Monats Beschwerde eingelegt werden.

Um die geplante Adoption hatte es in der Darboven-Familie Streit gegeben. Der 54-jährige Arthur Darboven, Sohn von Albert Darboven, hatte vor Gericht Einspruch gegen die geplante Adoption eingelegt, weil sie "rein wirtschaftlichen Gründen" diene. (Lesen Sie hier, wie der Streit um die Nachfolge entstand.)

Die Statuten des Familienunternehmens sehen vor, dass nur ein Mitglied der Familie die Firmenleitung übernehmen darf. Aktuell gehören 57,5 Prozent des Unternehmens Albert Darboven, 42,5 Prozent der Anteile halten eigenen Angaben zufolge Arthur Darboven, seine Cousins und eine Tante.

Andreas Jacobs stammt aus der Bremer Kaffeedynastie Jacobs, die sich aber schon vor vielen Jahren aus dem Kaffeegeschäft zurückgezogen hat. Der 55-Jährige soll nach seiner Adoption die Geschäfte bei Darboven führen - den eigenen Sohn will Darboven senior so offenbar übergehen. Mehrere Mitglieder der Darboven-Familie befürchteten einen "Bruch mit den Werten des Unternehmens", sollte Jacobs das Sagen im Unternehmen bekommen.

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Patriarch Albert Darboven hatte betont, die geplante Adoption sei eine rein familiäre Angelegenheit. "Meine Frau und ich wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen", sagte er. Allerdings schätze er Jacobs auch als "herausragenden Unternehmer". Bereits im Jahr 2013 hatte der 82-Jährige dem Magazin "Bunte" gesagt: "Mein Wunsch ist, dass die Firma in Familienhand bleibt und von einem Familienmitglied weitergeführt wird. Wenn das mit meinem Sohn nicht funktioniert, adoptiere ich eben

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Darboven: Nachfolgestreit in der Kaffeedynastie

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Bei Adoptionen müsse stets auf die Interessen der Kinder des Annehmenden und Anzunehmenden Rücksicht genommen werden, sagte der Gerichtssprecher. Zu den genauen Gründen für die Entscheidung gab er keine Auskunft, weil es um höchstpersönliche Angelegenheiten gehe: "Die Umstände sind besonders schützenswert."

Arthur Darboven hatte das heute über 150 Jahre alte Unternehmen 2009 verlassen, er handelt inzwischen selbst mit Rohkaffee. Darboven ist derzeit der kleinste unter den fünf großen deutschen Kaffeeherstellern.

kko/dpa



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