Datenskandal Steuersünder verklagt LGT Bank in Liechtenstein

Vor mehr als einem Jahr zog der Diebstahl einer CD mit Daten der liechtensteinischen LGT Bank spektakuläre Verfahren gegen deutsche Steuersünder nach sich. Ein Unternehmer verlangt einem Zeitungsbericht zufolge nun 13 Millionen Euro Schadensersatz von dem Finanzinstitut. Es hätte ihn warnen müssen.

LGT-Logo: Welle von Forderungen auf Schadensersatz möglich
REUTERS

LGT-Logo: Welle von Forderungen auf Schadensersatz möglich


Hamburg - Klaus Zumwinkel war das prominenteste Opfer. Als deutsche Behörden vor mehr als einem Jahr an eine CD mit den Namen deutscher Steuersünder in Liechtenstein gerieten, musste der Ex-Post-Chef seine Schuld eingestehen. Doch auch andere hat es getroffen. Ein deutscher Steuersünder will sich mit seiner Strafe aber nicht abfinden - und hat nun die liechtensteinische LGT Bank auf 13 Millionen Euro Schadensersatz verklagt, wie die "Financial Times Deutschland" berichtet. Das Geldinstitut in Besitz des Fürstenhauses von Liechtenstein habe ihn nicht über den Datendiebstahl informiert, der 2008 zu den spektakulären Ermittlungen gegen etwa 700 deutsche Steuersünder geführt hatte. Somit habe er sich nicht selbst anzeigen können, um straffrei zu bleiben.

Zudem hätten die deutschen und liechtensteinischen Anwälte des Klägers eine Klageschrift mit mehreren Punkten vorbereitet, in denen der LGT zahlreiche Versäumnisse und fehlerhafte Beratung angelastet werden, berichtet die Zeitung weiter. Der Fall soll demnach bereits kommende Woche vor dem Landgericht in Vaduz verhandelt werden.

Auch andere Steuerhinterzieher prüfen Klagen

Das Verfahren gilt als Musterprozess. In Liechtenstein gehe man davon aus, dass der Kläger alle Instanzen durchfechten wird, hieß es. Auch andere Steuerhinterzieher prüften Klagen gegen die LGT. Rund ein Dutzend Kanzleien hatten bereits im Sommer 2008 Liechtensteins Ex-Justizminister, den Vaduzer Rechtsanwalt Heinz Frommelt, zu Rate gezogen. Sollte der Kläger Recht bekommen, könnte eine Welle an Schadensersatzforderungen auf die LGT zukommen.

Nach Informationen der Zeitung handelt es sich bei dem Kläger um den Immobilienunternehmer aus Bad Homburg, dessen Verfahren im Sommer 2008 als erstes in der sogenannten LGT-Affäre verhandelt wurde. Die Richter verurteilten den damals 66-Jährigen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 7,5 Millionen Euro. Auch sein Name stand auf der CD mit Kundendaten, die der ehemalige LGT-Mitarbeiter Heinrich Kieber 2002 gestohlen hatte, und später für 4,5 Millionen Euro an den Bundesnachrichtendienst verkaufte.

yes/dpa-AFX



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