Weltwirtschaftsforum in Davos Russische Sberbank drängt nach Deutschland

Russlands größter Finanzkonzern Sberbank prüft Online-Angebote für den deutschen Markt. Das Geldhaus erwäge, das Geschäft auszuweiten, sagte der Auslandschef Sergej Gorkow SPIEGEL ONLINE. Ausgangspunkt könne die türkische Tochter Denizbank sein, die schon eine Filiale in Frankfurt hat.
Sberbank-Zentrale in Moskau: "Wir prüfen die besten Möglichkeiten"

Sberbank-Zentrale in Moskau: "Wir prüfen die besten Möglichkeiten"

Foto: Sberbank

Davos - Die russische Sberbank erwägt ein Online-Angebot für den deutschen Markt. Dazu könnte die gerade erst übernommene türkische Denizbank ausgebaut werden, sagte Sberbank-Vizechef Sergej Gorkow SPIEGEL ONLINE am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Die Denizbank hat bereits eine Plattform für Onlinebanking in Österreich und Deutschland", sagte Gorkow. "Und wir überlegen nun, wie wir dieses Geschäft ausbauen können."

Die halbstaatliche Sberbank ist das mit Abstand größte Finanzinstitut Russlands. Knapp die Hälfte aller Privatkonten des Landes liegt bei ihr. Gemessen am Börsenwert ist sie das viertgrößte Geldhaus Europas - weit vor der Deutschen Bank. Zuletzt war die Sberbank kräftig auf Expansionskurs. Im vergangenen Jahr hatte sie nicht nur die türkische Denizbank von der angeschlagenen französisch-belgischen Dexia-Gruppe übernommen. Der österreichischen Volksbank kaufte sie zudem deren Osteuropa-Geschäft in acht Ländern ab.

Auch Deutschland ist für die Russen eine Option. Die übernommene Denizbank hat bereits eine Filiale in Frankfurt am Main. "Für uns ist es wichtig, nicht nur Geschäfte in Russland zu machen, sondern auch außerhalb", sagte Gorkow, der für das Auslandsgeschäft zuständig ist. "Osteuropa ist sehr wichtig für uns, Westeuropa nicht so sehr - außer Deutschland."

Ob das mögliche künftige Deutschland-Geschäft unter dem Namen Denizbank oder Sberbank laufen soll, will Gorkow noch nicht sagen. Bis April werde man eine neue Strategie für beide Marken in der Türkei und in Europa aufsetzen. "Wir prüfen die besten Möglichkeiten", sagte Gorkow. "In Deutschland leben viele Menschen, die Türkisch oder Russisch sprechen. Jetzt müssen wir darüber nachdenken, wie wir diese Bevölkerungsgruppen am besten erreichen."

stk
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.