Online-Marktplatz für Selbstgemachtes Dawanda geht offline

Paukenschlag im deutschen Onlinehandel: Dawanda, der bekannteste deutsche Marktplatz für Selbstgemachtes, wird Ende August eingestellt. Händler und Käufer sollen zum US-Rivalen Etsy umziehen.
Dawanda-Laden in Berlin

Dawanda-Laden in Berlin

Foto: Laurin Schmid/ picture alliance / dpa

Als Umschlagplatz für selbst gefertigte Produkte und Raritäten hat es Dawanda zu einer der bekanntesten deutschen Handelsplattformen geschafft. Nun wird der Marktplatz verschwinden. Zum 30. August werde das Portal schließen, teilte Dawanda mit . "Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, in Dawanda steckt viel Herzblut", sagte Gründerin und Geschäftsführerin Claudia Helming. Vom Aus für Dawanda will der US-Konkurrent Etsy profitieren. Dorthin sollen Käufer und Verkäufer umziehen.

Eine entsprechende Vereinbarung habe man "nach Bewertung verschiedener Optionen" mit Etsy getroffen, teilte Dawanda mit. Demnach wird aktuell eine technische Lösung entwickelt, mit der Verkäufer bereits kommende Woche ihre Shops von Dawanda zu Etsy verlegen können. Dieser Umzug soll kostenfrei sein. Alle aktuellen Angebote und auch Shop-Bewertungen sollen auf die neue Plattform wandern.

Bis Ende August ist der Handel auf Dawanda noch möglich. Mit der Schließung des Marktplatzes werden Besucher der Webseite zu Etsy umgeleitet. Das US-Unternehmen ist seit 2010 in Deutschland aktiv.

Für die 150 Mitarbeiter von Dawanda ist das Aus bitter. Sie verlieren ihre Jobs. "Sie erhalten ein Abfindungspaket, der Großteil ist bereits freigestellt", hieß es. Der Kundendienst von Dawanda stehe Käufern und Verkäufern aber bis Ende August zur Verfügung.

Unruhe bei den Dawanda-Verkäufern

Online-Marktplätze wie Etsy oder Dawanda werden von Kleinunternehmern, aber auch Hobby-Künstlern genutzt, um selbstgemachte Produkte an Kunden zu bringen. Das Angebot reicht von Kleidung, Schmuck, Accessoires, Taschen, Babyartikel, Spielzeug, bis hin zu Möbeln. Der Großteil der Verkäufer sind Frauen.

Dawanda hat 70.000 aktive Verkäufer mit vier Millionen Produkten und zwei Millionen aktive Käufer. Etsy kommt auf 1,9 Millionen aktive Verkäufer mit 50 Millionen Produkten und 33,4 Millionen Käufer aus aller Welt.

Dawanda wurde 2006 von Claudia Helming und Michael Pütz gegründet. Schon damals diente Etsy als Vorbild. Die beiden Plattformen sind Umschlagplatz für selbst gefertigte Produkte, Vintage und Künstlerbedarf.

Etsy hat seinen Sitz in New York und ist seit 2015 börsennotiert. Das Unternehmen wurde deutlich auf Effizienz getrimmt. Etsy kam 2017 auf einen Umsatz von 441 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Dawanda machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 16,4 Millionen Euro. Während Etsy im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 80 Millionen Dollar auswies, machte Dawanda einen operativen Verlust von einer Million Euro.

Man habe sich in den vergangenen Jahren eingestehen müssen, "dass es uns allein nicht gelingen wird, das Wachstum weiter voran zu treiben", teilte Dawanda mit. "Darum müssen wir jetzt handeln - um unseren Verkäufern auch langfristig das Bestehen ihrer Unternehmen, ihre Einkommen und weiteres Wachstum zu sichern." Im vergangenen Jahr hatte Dawanda ein Viertel der Belegschaft entlassen.

Bei einigen professionellen Verkäufern von Dawanda sorgte die Nachricht vom Ende der Plattform für Entsetzen und Unruhe. Zunächst hatte nur das Gerücht vom Aus die Runde gemacht. Händler machten via Facebook ihrem Unmut Luft, nicht früh genug informiert worden zu sein.

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Dawanda-Gründerin Helming sagte, mit Etsy bekämen Verkäufer Zugang zu potenziellen Käufern auf der ganzen Welt. Etsy hat weltweit 744 Mitarbeiter und acht Büros, unter anderem in Berlin.

Leseraufruf

Sind Sie Dawanda-Verkäuferin oder Verkäufer und werden gerade von dem Aus überrascht? Sie fragen sich, wie es mit Ihrem Shop weitergehen kann? Wenn Sie uns von Ihren Erfahrungen und Ihrer aktuellen Situation berichten möchten,Lesermail zum DaWanda-Aus 

Etsy will mit den Kunden von Dawanda seine Reichweite in Mitteleuropa ausbauen. Das Unternehmen kündigte verstärktes regionales Marketing und eine vollständige Übersetzung seiner Webseite ins Polnische an. Zudem solle es in Deutschland zusätzliche Zahlungsoptionen geben.

Etsy und Dawanda verdienen ihr Geld mit Gebühren, die sie von den Händlern für den Verkauf der Produkte verlangen. Hinzu kommen Einnahmen für Werbung und Produktplatzierung.