Dax auf Rekordhoch Gefährlicher Hype um die 9000

Der Dax springt über die Marke von 9000 Punkten - doch wie lange währt die Freude? Der Geldfluss, durch den die Notenbanken die Kurse treiben, dürfte bald versiegen. Wer jetzt noch investieren will, muss extrem vorsichtig sein.
Handelsraum an der Börse: "Sehr positiv gestimmt"

Handelsraum an der Börse: "Sehr positiv gestimmt"

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Hamburg - Für die Börsen ist es zurzeit scheinbar die beste aller Welten. Seit Wochen eilen Aktienindizes in Deutschland, den USA und in Asien von einem Hoch zum nächsten. Der vorläufige Höhepunkt der Rekordjagd aus deutscher Sicht ist an diesem Freitag erreicht worden: Erstmals in seiner Geschichte übersprang der Leitindex Dax   die Marke von 9000 Punkten.

Geht es nach den Anlegern, dann könnte der Aufschwung an der Börse weitergehen. Die Stimmung jedenfalls war noch nie so gut wie heute - das ergab jüngst eine Erhebung, die die Citigroup regelmäßig zusammen mit dem Institut Forsa durchführt. "Für die Befragten scheint die Aktienmarktrallye noch nicht vorbei zu sein", sagt Investmentprofi Dirk Heß von der Citigroup. "Überraschend viele Investoren sind gegenüber dieser Anlageklasse sehr positiv gestimmt."

Dabei liegen die Gründe für den Höhenflug auf der Hand. Die Konjunktur nimmt immer mehr Fahrt auf, so dass viele Unternehmen erfreuliche Geschäftsaussichten verkünden. In dieser Woche überzeugte der Autobauer Daimler   die Aktionäre: Dem Konzern gelang nach fünf schlechten Quartalen die Wende. Den Ergebnisanstieg um 15 Prozent in den vergangenen drei Monaten quittierten die Investoren mit einem Kursplus. Und auch der Gewinnanstieg des Chemieriesen BASF   wurde an der Börse erfreut aufgenommen.

Vor allem aber strömt immer noch sehr viel Liquidität in den Aktienmarkt. Denn die Notenbanken rund um den Globus - allen voran die Federal Reserve Bank in Washington - halten ihre Geldschleusen nach wie vor weit geöffnet. Und angesichts des allgemein niedrigen Zinsniveaus fehlen Anlegern schlicht die Alternativen zur Aktie.

Wie sehr die Börse auf das billige Geld der Zentralbanken angewiesen ist, zeigte sich einmal mehr am vergangenen Dienstag. Da wurde ein eigentlich unerfreulicher Arbeitsmarktbericht aus den USA von Aktionären begeistert aufgenommen. Der Grund: Jede schlechte Nachricht zur US-Konjunktur steigert die Hoffnung darauf, dass die heimische Notenbank die Geldflut so schnell nicht eindämmt.

An dem Punkt dürften allerdings auch die Sorgen vieler Investmentprofis einsetzen. Denn klar ist: Die Zeit der großzügigen Geldpolitik währt nicht ewig. Vergangene Woche gab es bereits stärkere Wachstumszahlen aus China, wo die Wirtschaft mit einem Plus von 7,8 Prozent im dritten Quartal offensichtlich wieder Fahrt aufnimmt.

Geldflut wird eingedämmt

Früher oder später wird wohl auch die größte Volkswirtschaft der Welt solche Signale aussenden. Spätestens dann bleibt Fed-Chef Ben Bernanke oder seiner designierten Nachfolgerin Janet Yellen keine Alternative. Sie werden die Geldflut eindämmen.

Was dann am Aktienmarkt passieren wird, ist schwer vorherzusagen. Optimisten halten ein Ende für ein gutes Zeichen, da dadurch eine stabile Konjunktur signalisiert werde. Die Börse, so die Hoffnung, werde daher nach einer kurzfristigen Korrektur wieder in den langfristigen Aufwärtstrend einschwenken. Doch es kann auch ganz anders kommen.

Das Investmenthaus MFS beispielsweise mahnt in einem aktuellen Marktausblick, man solle "nicht vergessen, dass die Liquidität früher oder später abgezogen wird". Ein klarer Markttrend werde sich nicht herausbilden.

Deutlicher wird Investmentexperte Bernhard Langer von Invesco, der ebenfalls vor einem möglicherweise bevorstehenden Ende des Hochs warnt. Wer jetzt noch investieren wolle, müsse vorsichtig sein, so Langer jüngst im Interview mit manager magazin online. "Wenn der Aktienmarkt die Richtung wechselt, dann zuletzt meist abrupt und heftig."

Nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen könnten viele Investoren schon das kleinste Signal aus Washington nutzen, um Kasse zu machen. Die Folge könnte eine Verkaufswelle sein.

Dann bleibt nur die Hoffnung, dass es nicht so schlimm kommt, wie beim letzten Mal als der Dax eine historische Punktzahl passierte: Am 7. März 2000, auf dem Höhepunkt des Internethypes, sprang der Index erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 8000 Punkten.

Unmittelbar danach ging er allerdings auf eine Talfahrt, und zwar bis zum März 2003. Da erreichte der Index ein Tief bei weniger als 2500 Punkten.

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