Dax-Bilanz 2009 Deutsche Großkonzerne vernichten 116.000 Jobs

Die Dax-Konzerne haben 2009 massiv Stellen gestrichen. Allein in Deutschland bauten die Unternehmen mehr als 45.000 Jobs ab, weltweit waren es sogar mehr als 116.000. Manche Firmen konnten die Zahl ihrer Mitarbeiter allerdings steigern - SPIEGEL ONLINE zeigt die Tops und Flops.
Mercedes-Benz-Mitarbeiter (in Sindelfingen): Daimler hat massiv Stellen abgebaut

Mercedes-Benz-Mitarbeiter (in Sindelfingen): Daimler hat massiv Stellen abgebaut

Foto: Thomas Kienzle/ AP

Hamburg - 2009 hat die Krise Deutschland voll erfasst. Manchmal mit lautem Tamtam, so bei Opel, Karstadt und Quelle. Manchmal aber auch ganz leise. Tausende Jobs gingen in diesem Jahr verloren, ohne dass darüber berichtet wurde.

Eine SPIEGEL-ONLINE-Umfrage zeigt nun: Allein die Dax-Konzerne haben in den vergangenen Monaten 116.385 Stellen abgebaut, davon 45.354 in Deutschland. Nur selten haben es die Betroffenen in die Schlagzeilen geschafft, in der Regel vollzog sich der Jobabbau still und heimlich.

Die meisten Arbeitsplätze gingen bei der Allianz   verloren. Der Versicherungskonzern beschäftigt heute in Deutschland rund 21.000 Mitarbeiter weniger als ein Jahr zuvor - ein Minus von 30 Prozent. Allerdings liegt dies vor allem am Verkauf der Dresdner Bank. Ein Großteil der Stellen findet sich denn auch beim Käufer, der Commerzbank  , als dickes Plus wieder (siehe Mitarbeitertabellen).

Die zweitgrößte Änderung in Deutschland gab es beim Autokonzern Daimler  , der hierzulande 4200 Stellen abgebaut hat. Danach folgen der Handelsriese Metro   (minus 3800), der Stahlkonzern ThyssenKrupp   (minus 3200) und der Industriegigant Siemens   (minus 3000).

Allerdings haben diese Unternehmen sehr viele Beschäftigte. Prozentual fällt der Job-Kahlschlag bei ihnen deshalb nicht so sehr ins Gewicht. Anders sieht das bei den kleineren Dax-Konzernen aus. Hier ist der Stellenabbau in Relation zur gesamten Belegschaft besonders dramatisch. Beispiel Infineon  : Der Halbleiterkonzern hat die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland binnen eines Jahres um 11,2 Prozent reduziert. Beim Kosmetikhersteller Beiersdorf   beträgt das Minus 10,3 Prozent, beim Lkw-Produzenten MAN   sind es minus 6,3 Prozent.

Noch dramatischer sind die Zahlen auf internationaler Ebene - zumindest bei einzelnen Unternehmen. Allein Siemens hat weltweit 20.000 Arbeitsplätze abgebaut, bei der Deutschen Post   waren es knapp 18.000 und bei Daimler rund 16.000 (siehe internationale Tabelle).

Einige Konzerne erhöhen die Zahl ihrer Mitarbeiter

Immerhin: Einige Großkonzerne haben die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöht. Neben der Commerzbank, die von der Übernahme der Dresdner Bank profitierte, gilt dies vor allem für die Deutsche Telekom   (weltweit plus 32.000 Stellen) und die Lufthansa   (weltweit plus 11.000 Stellen).

Auch in Deutschland konnten einige Unternehmen die Zahl ihrer Mitarbeiter steigern: Fresenius   plus 3000, BASF   plus 1300, RWE   plus 1000.

Unter dem Strich bleibt allerdings ein dickes Minus. Selbst wenn man alle neu hinzugekommenen Stellen in die Rechnung einbezieht, haben die Dax-Konzerne allein in Deutschland im Saldo knapp 18.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Bemerkenswert: In der Summe haben die Firmen fast genau so viele Stellen in Deutschland gestrichen wie international. Weltweit beträgt der Saldo aus neuen und vernichteten Arbeitsplätzen minus 20.000. Was dies bedeutet, wird vor allem bei einem prozentualen Vergleich deutlich: Weltweit ging die Zahl der Dax-Mitarbeiter unter dem Strich um 0,6 Prozent zurück, in Deutschland dagegen um 1,2 Prozent. Mit anderen Worten: Das Engagement der Unternehmen verlagert sich auch in der Krise immer mehr ins Ausland.

Die Umsätze schrumpfen stärker als die Zahl der Mitarbeiter

Eines muss man den Konzernen allerdings zugutehalten - die Zahl ihrer Mitarbeiter ist weniger stark gesunken als ihre Einnahmen. So kamen die Dax-Konzerne in den ersten drei Geschäftsquartalen 2009 auf einen Gesamtumsatz von 750 Milliarden Euro. Das waren 8,3 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Unternehmen haben sich also beim Jobabbau gemessen an ihren Einnahmen noch verhältnismäßig zurückgehalten (siehe Umsatztabelle).

Bei den Gesamtumsätzen wurden Deutsche Bank und Commerzbank nicht mitgerechnet, weil Banken keinen Umsatz im klassischen Sinne ausweisen können. Umsatzkönig war Volkswagen   mit rund 77 Milliarden Euro in den ersten drei Geschäftsquartalen 2009. Das größte Umsatzwachstum verzeichneten Fresenius (plus 19 Prozent) und die Münchener Rück   (plus 10 Prozent). Die größten Umsatzverlierer waren Salzgitter   (minus 38 Prozent), K+S (minus 34 Prozent) und ThyssenKrupp (minus 24 Prozent).

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