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23. Juli 2012, 16:39 Uhr

Schuldenkrise

Dax bricht um drei Prozent ein

Die Euro-Krise spitzt sich zu, Anleger fürchten die Folgen. Weltweit schlossen die Aktienindizes im Minus, die Rohstoffpreise fallen drastisch. Verschärft wurde die Entwicklung durch das vorübergehende Verbot von Leerverkäufen in Italien und Spanien.

Hamburg - Die Woche hat mit schlechten Nachrichten aus der Euro-Zone begonnen. Griechenland droht ein Ende der internationalen Finanzhilfen, in Spanien müssen erste Regionen von der Zentralregierung gestützt werden. Anleger in Deutschland reagierten äußerst besorgt: Der deutsche Aktienindex (Dax ) fiel am Nachmittag zeitweise um mehr als 3,5 Prozent und schloss mit einem Minus von 3,2 Prozent .

Zuvor hatten die Börsen in Italien und Spanien vorübergehend Leerverkäufe untersagt. In Italien gilt das Verbot bis Freitag, in Spanien für die kommenden drei Monate. Bei Leerverkäufen handeln Investoren mit geliehenen Aktien, sie spekulieren dabei auf sinkende Kurse.

Die Nachricht von den Verboten ließ die Märkte europaweit weiter absacken. Der Euro rutschte vorübergehend unter 1,21 Dollar, stabilisierte sich aber später. Die Mailänder Börse verlor 2,8 Prozent. Der spanische Leitindex Ibex machte dagegen sein zeitweiliges Minus von bis zu 5,5 Prozent größtenteils wieder wett und schloss 1,1 Prozent niedriger. Die Kurse an der Börse in Athen fielen gar um mehr als sieben Prozent.

Auch der New Yorker Aktienmarkt hat mit Kursverlusten geschlossen. Der Dow-Jones-Index notierte zum Handelsende mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 12.721 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 schloss bei 1350 Stellen, was einem Rückgang um 0,9 Prozent entspricht. Der Nasdaq verlor 1,2 Prozent und ging mit 2890 Zählern aus dem Handel.

In Japan notierte der Nikkei-Index zum Handelsende ein Minus von knapp 1,9 Prozent, in Hongkong verlor der Hang Seng drei Prozent. Die Börsenkurse in Shanghai sanken um 1,3 Prozent. Börsianer begründeten die trübe Stimmung auch mit der Warnung eines Mitgliedes der chinesischen Zentralbank, wonach sich das chinesische Wachstum weiter abschwächen könnte.

Auch Finanzaktien litten unter den Meldungen. Die Titel der Deutschen Bank fielen um 4,6 Prozent, die der Commerzbank um 6,1 Prozent. Die Bankenbranche wird auch von den Ermittlungen zu Manipulationen des Libor-Zinses erschüttert, dabei soll die Justiz mittlerweile erste Festnahmen planen.

Aus Furcht vor einem Nachfrage-Rückgang infolge der Schuldenkrise verkauften Anleger Rohstoffe. Ein Barrel der US-Rohölsorte WTI kostete mit 89,44 Dollar 2,3 Prozent weniger als am Freitag. Brent-Öl verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 103,96 Dollar.

Spanische Risikoaufschläge erreichen Rekordniveau

Zuletzt wuchsen vor allem Sorgen um die finanzielle Überlebensfähigkeit Spaniens. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen deutlich über das kritische Niveau von sieben Prozent und zugleich auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die spanische Zentralbank teilte am Montag mit, die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal sei voraussichtlich um 0,4 Prozent geschrumpft. In den zwei Quartalen zuvor hatte der Rückgang 0,3 Prozent betragen.

Die Euro-Finanzminister hatten zwar am Freitag endgültig Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken genehmigt. Investoren befürchten aber, dass auch der spanische Staat trotz der Hilfen für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds wird.

Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos will sich am Dienstagabend mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen, wie ein Ministeriumssprecher in Berlin mitteilte. Vorab dementierte de Guindos erneut, dass sein Land sich vollständig unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. "Selbstverständlich" schließe die spanische Regierung dies aus, sagte de Guindos. Die Zuspitzung der Lage an den Märkten sei "unlogisch".

Die Wall Street schloss sich zum Handelsbeginn dem Abwärtstrend in Europa an. Der Dow-Jones- -Index der Standardwerte fiel im Mittagshandel um 1,1 Prozent zurück, der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,3 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,8 Prozent.

"Das war ein Ausverkauf in Übersee", sagte Brian Battle, Händler bei Performance Trust Capital Partners. Das schwindende Vertrauen spiegele sich auch an den US-Börsen wider. "Das Problem ist größer und schlechter lösbar als die Finanzkrise von 2008."

Wie schon in Europa gerieten auch in den USA Bankenaktien unter Druck, da die Geschäftsmodelle der Finanzinstitute in der Regel besonders stark von der Konjunkturentwicklung abhängen. So fiel etwa der Kurs von Morgan Stanley um 2,9 Prozent.

dab/dpa/AFP/Reuters/dapd

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