Studie Ausländische Investoren dominieren Dax-Konzerne

Deutsche Großkonzerne werden für ausländische Anleger immer attraktiver. Laut einer Studie der Beraterfirma Ernst & Young halten sie mittlerweile 55 Prozent der Aktien der 30 Dax-Riesen. Damit steigt vor allem der Einfluss amerikanischer Investoren.
Börsensaal in Frankfurt am Main: "Auf dem Weltmarkt sichtbar und geschätzt"

Börsensaal in Frankfurt am Main: "Auf dem Weltmarkt sichtbar und geschätzt"

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Frankfurt am Main - Ausländische Anleger halten immer mehr Anteile an den großen deutschen Aktiengesellschaften. Im Schnitt seien 55 Prozent der Aktien von Dax-Konzernen im Besitz ausländischer Investoren, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit. Aktionäre aus Deutschland hielten im Geschäftsjahr 2012 durchschnittlich nur 37 Prozent der Aktien, acht Prozent konnten keiner Region zugeordnet werden.

In den vergangenen acht Jahren hat sich die Aktionärsstruktur gedreht: Bei den Unternehmen, deren Daten den Vergleich mit dem Jahr 2005 zulassen, sei der Anteil ausländischer Anleger von 44 Prozent auf 58 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Im Vergleich mit 2011 legte der Anteil ausländischer Investoren nur geringfügig zu - damals gehörten ihnen bereits 54 Prozent der Aktien von Dax-Konzernen  .

Besonders groß ist das Engagement ausländischer Investoren bei Adidas  , Merck   und Deutscher Börse: Mindestens drei Viertel der ausgegebenen Aktien sind nicht in deutscher Hand. "Das starke Engagement ausländischer Aktionäre beweist, dass die deutschen Konzerne auf dem Weltmarkt sichtbar sind und geschätzt werden", sagte Martin Steinbach von Ernst & Young. Die Dax-Konzerne seien trotz der Krise im Euro-Raum für Investoren aus dem Ausland sehr attraktiv.

Rolle von US-Investoren bei Mayrhuber-Wahl

Als Konsequenz aus der Entwicklung haben Ausländer auch immer mehr Einfluss auf den Kurs der deutschen Konzerne. Das bekam gerade erst die Lufthansa bei der turbulenten Wahl Wolfgang Mayrhubers zum Aufsichtsratsvorsitzenden zu spüren - und das, obwohl Ausländer dort mit 34 Prozent Aktienanteil viel schwächer vertreten sind als bei anderen Dax-Unternehmen. Die US-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) hatte Investoren von der Wahl Mayrhubers abgeraten - wegen der kurzen Abkühlzeit zwischen Vorstandstätigkeit und Kontrollgremium, vor allem aber wegen Mayrhubers zahlreichen Aufsichtsratsmandaten.

Der Österreicher sah sich gezwungen, seine Kandidatur am Tag vor der Hauptversammlung zurückzuziehen - und kandidierte dann doch wieder, als ihm eine Mehrheit sicher schien. Der Öffentlichkeit ist ISS kaum bekannt: Dabei dürfte es sich um die einflussreichste Schattenmacht der deutschen Konzerne handeln. Auch beim geplatzten Wechsel des damaligen Deutsche Bank-Vorstandschefs Josef Ackermann an die Spitze des Aufsichtsrats hat ISS Ende 2011 eine maßgebliche Rolle gespielt.

Der Studie zufolge sind es allerdings vor allem Europäer, die in die deutschen Konzerne investieren: Durchschnittlich jede vierte Aktie der Dax-Unternehmen befinde sich im Besitz europäischer Anleger, Aktionäre aus Nordamerika hielten immerhin fast ein Fünftel der ausgegebenen Papiere.

Die Aktien der DAX-Konzerne seien besonders für institutionelle Anleger attraktiv: Sie halten im Schnitt mehr als sechs von zehn Papieren (63 Prozent) der größten deutschen Konzerne. Private Investoren sind mit zwölf Prozent vertreten, strategische Investoren wie Familien oder Unternehmen halten 18 Prozent der Aktien. Große Pakete sind allerdings selten: Mehr als acht von zehn Aktien befinden sich nach der Studie im Streubesitz, nur 18 Prozent der Wertpapiere sind als Festbesitz Großanlegern zuzuordnen.

cte/dpa
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