Arbeitsmarkt Dax-Konzerne schaffen Jobs vor allem im Ausland

Die großen Dax-Konzerne haben dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zufolge sechs Mal so viele Arbeitsplätze im Ausland geschaffen wie hierzulande. Die Schuld daran gibt DIW-Chef Fratzscher der Politik.
Hamburger Hafen: Export von Waren und von Arbeitsplätzen

Hamburger Hafen: Export von Waren und von Arbeitsplätzen

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

Berlin - Die großen Dax-Konzerne haben laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zuletzt deutlich mehr Jobs im Ausland geschaffen als hierzulande. Knapp 36.000 Jobs seien vergangenes Jahr in anderen Ländern entstanden, in Deutschland hingegen nur 6000, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der "Wirtschaftswoche".

Grund dafür seien vor allem die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland. "Die Verkehrsinfrastruktur wird schlechter, Fachkräfte sind rar und kein Unternehmen weiß heute, ob in zwei Jahren seine Energiekosten um 10, 20 oder 40 Prozent höher liegen werden", sagte Fratzscher. Daher sei es für die Firmen "enorm schwierig" zu planen, und es gebe den Anreiz, "eher im Ausland zu investieren".

Der DIW-Präsident kritisierte auch die aktuellen Reformvorhaben der Bundesregierung, insbesondere das Rentenpaket. "Ohne die Reformen hätten wir bis 2017 rund 20 Milliarden Euro Überschuss in den öffentlichen Kassen. Das Geld könnten wir gut für Investitionen in die Bildung sowie die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur gebrauchen."

Sollten die einheimischen Investitionen stocken und Deutschland im internationalen Vergleich zurückfallen, drohten dem hiesigen Standort Nachteile. Die Zukunftschancen der deutschen Wirtschaft seien "bei weitem nicht so gut, wie viele dies glauben wollen", sagte Fratzscher der "Wirtschaftswoche".

kpp/afp
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