Statusbericht Dax-Konzerne scheitern bei selbst gesetzten Frauenquoten

Die freiwillige Frauenförderung schlägt bislang fehl: Die Unternehmen bleiben laut einem Zwischenbericht weit hinter ihren eigenen Vorgaben zurück. Nur in einem Dax-Konzern besetzen Frauen ein Drittel der Führungsposten.
Ministerin Schwesig (Archivbild): "Vereinbarungen haben nichts gebracht"

Ministerin Schwesig (Archivbild): "Vereinbarungen haben nichts gebracht"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Berlin - Die 30 Dax-Konzerne haben es sich 2011 zum Ziel gesetzt, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu befördern. Doch die Unternehmen kommen dieser Selbstverpflichtung nur ungenügend nach. Das geht aus einem Bericht der Unternehmen hervor, der am Dienstag vom Arbeitgeberverband BDA veröffentlicht wurde.

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement   etwa kam seinem Ziel von 15 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen bis Ende 2020 zuletzt nur minimal näher und steigerte den Anteil zwischen 2010 und 2013 in Deutschland von 6,8 auf sieben Prozent, wie aus dem gemeinsamen Statusbericht der Dax-Konzerne hervorgeht.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp   will genau wie HeidelbergCement 15 Prozent seiner Führungsposten mit Frauen besetzen, hat sich aber ebenfalls kaum bewegt. Der Frauenanteil stieg den Zahlen zufolge zwischen 2010 und 2013 lediglich um 0,2 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent an. Auch Volkswagen   ist demnach von seinem vor drei Jahren gesetzten Ziel von 30 Prozent noch weit entfernt. Die Wolfsburger steigerten ihren Frauenanteil bei den Führungspositionen in Deutschland von 8,5 auf 9,8 Prozent. Bei BMW   sieht es mit 10,9 Prozent kaum besser aus.

Viel weiter ist der Versicherer Allianz  : Dort sind 28,1 Prozent (2010: 24,7) weibliche Führungskräfte zu finden. Mit Abstand die meisten Chefposten haben Frauen beim Konsumgüter-Hersteller Henkel   inne. Das Düsseldorfer Unternehmen ist demnach der einzige Dax-Konzern, bei dem mit einem Frauenanteil von 33,2 Prozent rund ein Drittel der Führungspositionen in Frauenhand sind. Seit 2010 bedeutet das laut dem Bericht einen Zuwachs um 4,7 Prozent. Henkel hat es sich zum Ziel gesetzt, auf Konzernebene den Frauenanteil pro Jahr um ein bis zwei Prozent zu steigern.

"Der Versuch ist gescheitert"

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich wenig überrascht über die Zwischenergebnisse. Die Politik habe mehr als ein Jahrzehnt auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft gesetzt, doch diese hätten nichts gebracht. "Der Versuch ist gescheitert", kritisierte Schwesig. Sie bekräftigte deshalb die Pläne der Bundesregierung für eine gesetzliche Frauenquote.

Die große Koalition will im Jahr 2016 eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte der derzeit 108 größten, voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen einführen. Bereits 2015 soll es für Aufsichtsräte, Vorstände und die oberste Managementebene von weiteren 3500 Firmen verbindliche Zielvorgaben zur Frauenförderung geben.

Die Konzerne wollen von einer gesetzlichen Vorgabe allerdings auch künftig nichts wissen und pochen auf eigene Quoten: "Die 30 Dax-Unternehmen bauen weiterhin auf eine freiwillige Selbstverpflichtung, um die positive Entwicklung fortzusetzen", heißt es in der Stellungnahme. Ihren Angaben zufolge gehe es bei der Frauenförderung voran: Der Frauenanteil bei Führungspositionen im Inland habe sich seit 2011 um durchschnittlich 17 Prozent erhöht und sei viel stärker gewachsen als der allgemeine Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft.

Ein Vergleich mit anderen Industrieländern aber relativiert diese Selbsteinschätzung der Konzerne: Nach SPIEGEL-Informationen gibt esin keiner anderen Wirtschaftsnation weniger Frauen in Führungspositionen  als in Deutschland.

bos/AFP/dpa