So tief wie seit Monaten nicht Kriegsangst wächst – Dax bricht ein

An der Börse herrscht Nervosität, der Dax ist um mehr als drei Prozent gefallen – unter die Marke von 15.000 Punkten. Offenbar ziehen sich Anleger wegen des russischen Truppenaufmarschs an der ukrainischen Grenze zurück.
Händler an der Frankfurter Börse (Archivbild)

Händler an der Frankfurter Börse (Archivbild)

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die russischen Drohungen gegen die Ukraine werden auch an der Frankfurter Börse zu einer immer größeren Belastung. Ein befürchteter Einmarsch Russlands in das Nachbarland hatte am Freitag die Kurse an den US-Börsen absacken lassen – am Montag geht es nun auch an der Frankfurter Börse weiter deutlich bergab:

  • Der deutsche Leitindex Dax rutschte in der ersten Stunde nach der Xetra-Eröffnung klar unter die runde Marke von 15.000 Punkten. Er stand zuletzt etwa 3,3 Prozent tiefer beim Stand von 14.923 Punkten – so tief wie seit viereinhalb Monaten nicht. Der Absturz verlangsamte sich daraufhin zumindest etwas, zuletzt lag er 3,77 Prozent im Minus.

  • Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 3,35 Prozent auf 32.285 Punkte.

  • Das Leitbarometer der Eurozone, der EuroStoxx 50, verbuchte einen Abschlag von 3,2 Prozent

Konjunktur- und Unternehmensnachrichten bewegen zum Wochenstart eher wenig. Ohnehin geht es in der Berichtssaison in dieser Woche etwas ruhiger zu. Beobachter gehen daher davon aus, dass die Einbrüche besonders auf die zunehmenden geopolitischen Risiken durch den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine zurückzuführen sein könnte.

Ausverkauf bei russischen Staatsanleihen

Auch wenn immer noch die Hoffnung bestehe, dass es doch noch zu diplomatischen Fortschritten komme, seien viele Anleger gezwungen, sich wegen der steigenden Risiken von ihren Aktienbeständen zu trennen, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets.

Mutmaßlich aufgrund der Spannungen gibt es auch einen Ausverkauf bei russischen Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen russischen Bonds ist deshalb auf einem Sechsjahreshoch von 9,96 Prozent.

Zugleich werfen Anleger wohl wegen des möglichen Krieges russische Aktien aus ihren Depots: Der Moskauer Aktienindex fällt um mehr als drei Prozent. Auch die russische Währung verlor an Wert: Dollar und Euro legen jeweils 0,5 Prozent auf 76,76 beziehungsweise 87,13 Rubel zu.

Ölpreis fast bei 100 Dollar

»Es ist sinnvoll, Risiken in Bezug auf Russland so weit wie möglich zu minimieren und sich nicht aktiv in russischen Werten zu engagieren, bis das Risiko eines militärischen Zusammenstoßes verschwunden ist«, sagte Volkswirt Jewgeni Suworow von der CentroCreditBank.

Angesichts eines wohl drohenden russischen Einmarschs decken sich Anleger zudem mit Rohöl ein. Die Preise für die Sorten Brent und WTI steigen am Montag jeweils etwa zwei Prozent und sind mit 96,16 beziehungsweise 94,94 Dollar je Barrel so teuer wie zuletzt vor siebeneinhalb Jahren.

»Wenn es Truppenbewegungen gibt, wird der Brent-Preis problemlos über die Marke von 100 Dollar springen«, prognostiziert Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda. Hinzu kommt: Da Russland einer der größten Ölproduzenten der Welt ist, führt die Gefahr einer Eskalation zu einem Risikoaufschlag am Ölmarkt. Darüber hinaus sorgen schon länger ein eher knappes Angebot und eine hohe Nachfrage für hohe Ölpreise.

apr/dpa-AFX/Reuters
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