Höhenflug des Dax Fußkrank auf Rekordjagd

Der Dax durchbricht die 12.000 Punkte - dabei kann von den 30 Konzernen im Deutschen Aktienindex nur die Hälfte mit guten Zahlen überzeugen. Ändert sich die Politik der Europäischen Zentralbank, droht ein Kurseinbruch.

Kurstafel in Frankfurt: In einem Monat tausend Punkte zugelegt
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Kurstafel in Frankfurt: In einem Monat tausend Punkte zugelegt

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Berlin - Einen besseren Termin für den "Tag der Aktie" hätten sich die Werbestrategen des Deutschen Aktieninstituts nicht aussuchen können. Gemeinsam mit einigen Banken und der Deutschen Börse hatten die Finanzexperten diesen Montag auserkoren, um Privatanleger von den Vorteilen der Aktie als Geldanlage zu überzeugen.

Um 9:42 Uhr war es dann soweit: Der Dax Chart zeigen übersprang die 12.000-Punkte-Marke. Und das nur gut einen Monat, nachdem der Index erstmals die 11.000 Punkte hinter sich gelassen hatte.

Tatsächlich sprechen eine Reihe von Gründen dafür, sein Geld an der Börse anzulegen. Die Tages- und Festgeldkonten geben kaum noch etwas her, weil der Leitzins seit Monaten in der Nähe der Null-Prozent-Grenze verharrt. Wieso also nicht in deutsche Konzerne investieren, von denen viele zurzeit wegen des schwachen Eurokurses ihre Produkte auf dem Weltmarkt besonders billig anbieten können? Auch die fallenden Energiepreise erweisen sich als Doping für die Unternehmensgewinne.

Diese Faktoren spiegeln sich in den Börsenkursen wider. Der Dax kennt offenbar nur eine Richtung, nach oben. Wer vor einem Jahr 10.000 Euro im Dax angelegt hat, ist heute um mehr als 2500 Euro reicher. Macht über 25 Prozent Rendite. Der Unterschied zum Sparbuch könnte krasser kaum sein.

Experten raten zur Vorsicht

Aber lohnt es sich, jetzt noch auf den Zug aufzuspringen? Geht die Hausse weiter? Inzwischen steigt die Zahl derer, die zur Vorsicht mahnen: Das Kursniveau sei inzwischen schon sehr hoch, auch wenn der deutsche Aktienmarkt noch günstiger bewertet sei als der amerikanische, erklärt NordLB-Aktienstratege Tobias Basse.

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Analysten von der DZ-Bank haben noch aus anderen Gründen Bedenken: "Die Kursrallye am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund", warnen sie. Die Kurse spiegelten nicht die Fundamentaldaten wider.

Die Fundamentaldaten, das sind die Gewinne und Verluste der Unternehmen, die im Dax, aber auch in den anderen Börsenindizes versammelt sind. Sie verkörpern jenseits aller kurzfristig wirkenden Faktoren die entscheidende Basis für die Entwicklung des Aktienkurses. Ein nachhaltiger Anstieg des Dax wäre also nur sichergestellt, wenn der überwiegende Teil der darin aufgelisteten Konzerne wirtschaftlich gesund wäre. Das ist er aber nicht.

Dax-Schwergewicht E.on Chart zeigen zum Beispiel. Der Energiekonzern musste erst in der vergangenen Woche einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro für das vergangene Geschäftsjahr bekannt geben. Und Konzernchef Johannes Teyssen machte wenig Hoffnung, dass es 2015 besser wird. Was Teyssen in erster Linie fehlt, ist ein schlüssiges Konzept, wie er E.on für die Zeit nach der Energiewende aufstellen will.

Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat keine Antwort drauf, wie sein Unternehmen wieder aus der Krise finden soll. Der Konkurrenz der Billigflieger hat die Lufthansa Chart zeigen ebenso wenig entgegenzusetzen wie den Wettbewerbern aus dem Nahen Osten. Oder die Deutsche Bank Chart zeigenund die Commerzbank Chart zeigen, deren Geschäftsmodell kaum noch Rendite bringt. Die Liste der fußkranken Dax-Konzerne ließe sich verlängern.

Gemischtes Bild im Dax

Dass der Dax trotzdem ständig an Wert gewinnt, dafür sorgt die andere Hälfte der 30 darin gelisteten Konzerne: Unternehmen, die alljährlich neue Rekordgewinne abliefern und auch für die Zukunft gute Perspektiven haben. Dazu gehören die deutschen Autohersteller Volkswagen Chart zeigen BMW Chart zeigen und Daimler Chart zeigen, die selbst den Nachfrageeinbruch in Europa in den vergangenen Jahren gut weggesteckt haben. Oder Chemieriesen wie Bayer Chart zeigen oder BASF Chart zeigen oder Merck Chart zeigen. Sie gehören zu den Marktführern in ihrem jeweiligen Spezialgebiet und verkaufen ihre Produkte weltweit.

Den Anstieg des Kurses dürfte in den kommenden Monaten jedoch maßgeblich das Geld befeuern, mit dem die Europäische Zentralbank die Märkte überschwemmt. Seit dem 9. März kaufen die Währungshüter monatlich Vermögenswerte in Höhe von 60 Milliarden Euro. 1140 Milliarden sollen es am Ende sein. Das Geld dürfte zum großen Teil in Aktien fließen.

Das bedeutet aber auch: Die Kurse dürften wieder deutlich sinken, spätestens wenn das Ende des EZB-Ankaufprogramms naht. Wie hoch die Kursverluste ausfallen, das hängt dann wieder von den Gewinnen der Unternehmen ab. Und in diesem Punkt gibt die Dax-Liga, wie gesagt, ein bestenfalls gemischtes Bild ab.

Zusammengefasst:
Die Geldschwemme der EZB dürfte noch eine Weile für steigende Kurse und neue Rekordstände sorgen. Doch wenn das Programm ausläuft, wird die Realität die Börse wieder einholen. Denn die Fundamentaldaten der Dax-Konzerne sind keineswegs alle gut.



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
noalk 16.03.2015
1. Warum?
Warum soll ein Kurseinbruch "drohen"? Der aberwitzige Kursanstieg hat ja auch keine Bedrohung dargestellt. Kann man Zockern mit dem Verlust ihres Einsatzes drohen?
ramsess 16.03.2015
2.
Wenn es wieder kracht stehen sie alle da und sagen wie konnte das nur passieren,und es wird wieder krachen .
lupidus 16.03.2015
3.
die ezb hat sich mit der niedrigzinspolitik selbst in die ecke gedrängt. ein anheben der zinsen und eine eindämmung der geldflut hätte katastrophale folgen. ok, es käme zu einer, m.e. fälligen, korrektur, aber zumindest könnte die wirtschaft dann wieder "normal" funktionieren. @noalk: genau, es betrifft "nur zocker", sonst niemanden...
Hank-the-Voice 16.03.2015
4. Nicht der DAX geht durch die Decke, der Euro stürzt durch den Boden
Reale Werte steigen wenn die Währung immer weicher wird. genau das geschieht nun, vielen Dank Mr. Draghi der Euro wird zu Lira
Poco Loco 16.03.2015
5. Wenn Zockerei...
...das einzige ist womit man heute noch Geld verdienen bzw. anlegen kann, dann kann man sich denken, wie lange das noch gut geht. Der Tag wird kommen, da rauschen die Kurse wieder ins Bodenlose, zum Einsteigen ist es nun zu spät. Wenn die USA die Zinsen wieder erhöhen, werden die Kurse einbrechen. Der Hype um Aktien ist künstlich aufgebauscht, echte Werte stehen nicht dahinter und Aktien waren noch nie eine sichere Geldanlage und werden es auch nie sein und bleiben somit für den nicht täglich damit befassten Sparer höchst riskant.
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