Kursrutsch Miese Konjunkturdaten aus China treiben Dax ins Minus

Lange ging es für die Kurse an den globalen Börsen nur noch nach oben - nun scheint dieser Trend durchbrochen: Enttäuschende Konjunkturdaten aus China und widersprüchliche Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke haben für massive Verluste gesorgt. Auch der Dax schloss klar im Minus.

Börse in Frankfurt am Main: Dax verliert mehr als zwei Prozent an Wert
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Börse in Frankfurt am Main: Dax verliert mehr als zwei Prozent an Wert


Frankfurt am Main - Anleger nehmen Gewinne vom Tisch: Rund um den Globus sind die Börsen am Donnerstag auf Talfahrt gegangen. Am härtesten traf es den Nikkei Chart zeigen: Der japanische Leitindex brach um gut 1100 Punkte oder 7,3 Prozent ein und verbuchte damit den größten Tagesverlust seit der Atomkatastrophe von Fukushima.

Allerdings hat der Nikkei Chart zeigen dank der Flut des billigen Geldes durch die Bank von Japan (BoJ) seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zugelegt.

Auch in Europa gaben die Kurse auf breiter Front nach. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen und der EuroStoxx 50 Chart zeigen fielen in der Spitze um jeweils knapp drei Prozent. Der Dax konnte seinen Verlust bis zum Ende des Xetra-Handels jedoch auf 2,1 Prozent begrenzen und schloss bei 8351 Zählern, da an der Wall Street der Dow Jones Chart zeigen seine Verluste auf zuletzt 0,2 Prozent begrenzen konnte.

"Das Ausmaß der Kursbewegung ist zwar erheblich, bislang aber nicht alarmierend", betonte Ian Richards, Chef-Aktienstratege der BNP Paribas. "Ein schlechter Tag, gewiss. Es ist aber zu früh, um daraus den Beginn eines neuen Trends abzuleiten."

Trübe Konjunkturdaten

Sein Kollege Richard Hunter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown warnte ebenfalls davor, die aktuelle Entwicklung überzubewerten. Es gebe immer noch jede Menge Anleger, die nur auf eine Gelegenheit zu Einstieg warteten. Dass nach zwölf Gewinntagen in Folge ein Index anfällig für Gewinnmitnahmen sei, könne auch als gesunde Abkühlung gewertet werden.

Als Auslöser für die Verkäufe machten Börsianer vor allem schwache Wirtschaftsdaten aus China aus. So fiel der Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus der chinesischen Industrie im Mai auf 49,6 Punkte und damit unter die wichtige Marke von 50 Zählern, die Wachstum signalisiert. Viele Investoren fürchten, dass der Wirtschaftsboom in China allmählich an Kraft verliert.

Aber auch in der Euro-Zone sorgten die jüngsten Konjunkturdaten nicht für Euphorie. Die Einkaufsmanager-Indizes für Deutschland und die Euro-Zone legten zwar zu, blieben mit 49,9 beziehungsweise 47,7 Zählern aber ebenfalls unter der Wachstumsschwelle.

Auch von Seiten der Notenbanken kamen wenig ermutigende Signale für die Aktienmärkte. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte zwar am Vorabend betont, an der ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten. Allerdings fügte er hinzu, dass das Wertpapier-Ankaufprogramm "auf einer der nächsten Sitzungen" gedrosselt werden könnte, sollte sich die US-Konjunktur bessern. Die US-Notenbank will so lange frisches Geld in den Markt pumpen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 von derzeit 7,5 Prozent zurückgegangen ist. Aktuell liegt das Ankaufvolumen bei 85 Milliarden Dollar monatlich.

Finanz- und Autowerte unter Druck

Zu den größten Verlierern unter den europäischen Aktien gehörten die Finanzwerte, die gewöhnlich überdurchschnittlich stark auf Bewegungen des Gesamtmarktes reagieren. Der Banken- und der Versicherungsindex fielen jeweils um knapp drei Prozent. Die Titel der Deutschen Bank Chart zeigen gaben um mehr als vier Prozent nach. Auf der Hauptversammlung baten die beiden Bankchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Aktionäre um Geduld beim eingeleiteten Kulturwandel. "Wir wissen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Einen Weg, der Zeit braucht", sagte Jain.

Unter Verkaufsdruck standen zudem die Autobauer, die in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich zugelegt hatten und für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen verloren zwischen 3,1 und 4,1 Prozent.

Auch am Rohstoff-Markt sorgte der Konjunkturpessimismus für Verluste. Die richtungsweisende Nordsee-Ölsorte Brent verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 101,41 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für eine Tonne des wichtigen Industriemetalls Kupfer fiel sogar um 3,3 Prozent auf 7223 Dollar.

fdi/mahi/ts/Reuters/dpa-AFX

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sltgroove 23.05.2013
1. Makro Daten spielen, wie immer, keine Rolle
Geldfälscherei der Feds, EZB und BoJ haben mit dem Crash nichts zu tun ?!? Was machen die Globale Planer® dann wenn PBoC endlich die Zahlen der Gold-Aquise raustut ? Beten ? Beschworen ? Dritten Weltkrieg starten ?
sansiro222 23.05.2013
2. Haushaltsstreit in den USA
war bis vor kurzem über ein Jahr lang tagtäglich das Thema von Spon. Ständig wurde ein neues Datum benannt, wann die USA Pleite sein würden und es folglich zum Crash an den Märkten kommt. Plötzlich, von einem Tag auf den anderen war das dann kein Thema mehr - wir haben nie wieder etwas davon gehört, weder bei Spon noch sonstwo.... Das von Spon zuletzt angegebene Datum für den Untergang der USA war der 19.5.2013, ab dem Tag sollte es zu drastischen Sparmaßnahmen und damit Einbrüchen kommen, zu solchen, die geeignet seien, eine neue Weltwirtschaftskrise auszulösen. Ist die zeitliche Nähe nur ein Zufall, wenn genau zwei Tage später, nämlich am 22.5.2013 ein solcher Einbruch stattfand? Oder qwerden wir veräppelt, in dem wir den Chinesen die Schuld geben? Oder wurden wir monatelang veräppelt, als diese Untergangsszenarien gebetsmühlenartig propagiert wurden? Sind wir nun am Anfang einer neuen großen Krise aufgrund des US-Haushaltes oder ist das nur ein Rücksetzer in einem überhitzten Markt? Wenn nicht ein Journalist vom anderen abschreiben würde und alle Zeitungen DENSELBEN Quatsch schrieben und vielleicht auch mal Hintergründe und Eigenrecherche an diese Stelle träten, dann freilich wüssten wir vielleicht ein wenig Bescheid. Aber wir werden buchstäblich verblödet. Mir ist nicht klar, ob die Journalisten nicht können oder ob Methode dahinter steckt.
wahlvieh24 24.05.2013
3. der Dax sollte...
...in einem Artenschutzabkommen durch die Bundesregierung geschützt werden, bevor er ausstirbt.
uezegei 24.05.2013
4. optional
Ist der künstliche Japanboom, ausgelöst durch massives Gelddrucken und Schulden machen, denn schon wieder vorbei? Das zeigt, dass Europa mit seinen Sparprogrammen auf dem richtigen Weg ist, um wieder zu Kräften zu kommen. Und dass die Wachstumsraten in China einmal einbrechen würden... nein, das konnte auch niemand ahnen. Aber vermutlich sind die geplanten Strafzölle der EU und jene Amerikas auf Solarpaneele daran Schuld...
wibo2 24.05.2013
5. "Fluctuat nec mergitur" - sie schwankt, aber geht nicht unter....
Zitat von sysopDPALange ging es für die Kurse an den globalen Börsen nur noch nach oben - nun scheint dieser Trend durchbrochen: Enttäuschende Konjunkturdaten aus China und widersprüchliche Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke haben für massive Verluste gesorgt. Auch der Dax schloss klar im Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/dax-schliesst-nach-schlechten-konjunkturdaten-aus-china-im-minus-a-901583.html
... Diese Devise auf dem Wappen der Stadt Paris sollte auch der Leitspruch für die Börse sein. Der private Anleger ist schon ein Angsthase. Wenn die Aktienkurse in einem Bullenmarkt einen Rücksetzer machen, kauft kaum einer, weil fast alle Angst haben, dass es noch viel weiter runter gehen könnte. Wenn an der Börse die Kurse steil nach oben gehen, wartet die Mehrzahl der Privaten auf einen Rücksetzer. Weil man keinesfalls "zu teuer" einsteigen will. Das Ergebnis dieser Denkweise ist, dass viele Privatanleger nicht dabei sind, wenn die Profis voller innerer Befriedigung ihre Gewinne einstreichen. Die Aktienmarktrally ist getrieben durch die (verzweifelte) Suche nach Rendite. Das Wirtschafts- und Gewinnwachstum gibt wegen schwacher Weltkonjunktur hingegen zu Sorgen Anlass. Das wahrscheinliche Szenario sei, dass europäische und amerikanische Aktien weiter nach oben klettern würden. Von Rücksetzern ließen sich die Aktien jedoch nicht davon abhalten, weiter nach oben zu klettern. (Vrgl. Ernst Konrad, eybwallwitz.de) siehe Eyb & Wallwitz: "Ohne Notenbanken geht es noch nicht" - News - Alle aktuellen News - DAS INVESTMENT - DJ INDUST.AVERAGE PR USD - OnVista (http://www.onvista.de/news/alle-news/artikel/02.04.2013-15:44:00-eyb-wallwitz-ohne-notenbanken-geht-es-noch-nicht)
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