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07. Mai 2012, 09:26 Uhr

Schuldenkrise

Börsen fürchten Chaos in Griechenland

Neue Sorgen um Europa drücken auf die Stimmung an den Finanzmärkten: Der deutsche Leitindex Dax startet mit einem deutlichen Minus in die neue Handelswoche. Vor allem Finanzwerte verlieren.

Frankfurt am Main - Wie geht es weiter in der europäischen Schuldenkrise? Die Unsicherheit nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland belastet die Finanzmärkte. Der Dax rutschte zu Handelsbeginn mehr als zwei Prozent ins Minus, erholte sich danach aber etwas. Am Vormittag lag der deutsche Leitindex bei 6455 Punkten - ein Minus von 1,6 Prozent gegenüber Freitag. Die Börse in Paris notierte ebenfalls mehr als ein Prozent leichter. Auch der europäische EuroStoxx verlor zeitweise fast zwei Prozent.

Die Furcht vor einem lang anhaltenden politischen Chaos im hoch verschuldeten Griechenland drückten vor allem die Finanzwerte in Athen ins Minus. Der entsprechende Branchenindex stürzte um bis zu 19,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Der Leitindex brach um mehr als acht Prozent ein.

Bedenken über den europäischen Kurs in der Schuldenkrise hatten bereits an den asiatischen Märkten für deutliche Kursverluste gesorgt. In Tokio hatte der Nikkei-Index mit einem Minus von 2,8 Prozent geschlossen. Auch der Kurs des Euro fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten. Dies zeige, dass weiterhin die Skepsis dominiere, schrieben die Devisenexperten der Commerzbank in einem Kommentar. Die Furcht ist groß, dass die Sparbemühungen nachlassen.

Nach dem Wahlsieg des Sozialisten François Hollande in Frankreich und dem wahrscheinlichen Verlust der Mehrheit für die beiden großen Parteien in Griechenland gebe es große Bedenken gegen den Euro, sagte ein Händler in Singapur. Der Sieg Hollandes war zwar erwartet worden. Doch nach der Entscheidung steige die Unsicherheit, wie es in der europäischen Schuldenkrise weitergeht. Hollande hatte sich im Wahlkampf gegen den strikten Sparkurs Deutschlands gestellt.

"Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrößert sich", sagte Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank. "Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: 'Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit'. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer großen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial."

Händler Chris Weston von IG Markets sprach von einem ganzen Reigen schlechter Nachrichten, wobei der Ausgang der Wahl in Griechenland besonders schwer ins Gewicht falle. Hier zeichnet sich eine äußerst schwierige Regierungsbildung ab. "Die politisch verworrene Lage droht die Bildung einer stabilen Regierung unmöglich und das Land damit unregierbar zu machen. Es bahnt sich ein politisches Chaos an, dass sich im Zweifel über Wochen hinziehen wird", heißt es in einem Kommentar der Metzler Bank.

Neben den griechischen Banken standen nach dem Machtwechsel in Paris auch die französischen Finanzwerte im Fokus. Die Aktien der Credit Agricole , BNP Paribas und der Société Générale verloren zwischen drei und mehr als sechs Prozent. Im Dax verbilligten sich Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank .

yes/dpa-AFX/Reuters

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