Dax tief im Minus Tiefenrausch an der Börse 

Der Dax kennt derzeit nur eine Richtung: steil nach unten. Händler sprechen von panikartigen Verkäufen, der Index rutschte zeitweise um mehr als vier Prozent ab. Auch die asiatischen Börsen schließen tief im Minus.


Frankfurt am Main - An den Aktienmärkten herrscht Panik: Nach dem Ausverkauf an der Wall Street und hohen Verlusten an den asiatischen Börsen hat der deutsche Markt ebenfalls mit panikartigen Verkäufen eröffnet. Kurz nach Handelsstart brach der Dax Chart zeigen zeitweise um mehr als vier Prozent auf 6152 Punkte ein. Danach erholte er sich wieder etwas und stand zeitweise bei 6256 Punkten.

Die Talfahrt des deutschen Leitindexes dauert nun bereits acht Handelstage an. Allein in diesem Zeitraum verlor der Dax mehr als 1100 Punkte und damit seine kompletten Jahresgewinne. Er erreichte nun den tiefsten Stand seit Oktober.

Der MDax Chart zeigen büßte am Freitag zeitweise 4,6 Prozent auf 8802 Punkte ein, und für den TecDax Chart zeigen ging es um knapp fünf Prozent auf 688 Punkte abwärts. Auch europaweit ging es mit ähnlicher Geschwindigkeit abwärts. Händler sprachen von Panikverkäufen. "Weit und breit ist keine Unterstützung zu sehen", kommentierte einer von ihnen. "Die Ängste vor einer Rezession in den USA und wegen der Schuldenkrise in Europa sorgen weltweit weiter für Turbulenzen an den Finanzmärkten."

Auch hinsichtlich des monatlichen US-Arbeitsmarktberichts am Nachmittag rechnen mittlerweile zahlreiche Börsianer mit einer weiteren Enttäuschung. "War die Marktsituation in den letzten Tagen eher zermürbend, so ist die Stimmung nach den gestrigen herben Verlusten an den US-Börsen in Richtung Panik umgeschwenkt", sagte ein Händler.

In Asien verzeichneten die Börsen am Freitag ebenfalls heftige Verluste: In Tokio verlor der Nikkei Chart zeigen 3,7 Prozent. Die Börse in Hongkong fiel sogar um 4,7 Prozent, die Aktien in Shanghai notierten 1,7 Prozent im Minus. Der Markt in Sydney verbuchte ein Minus von 4,0 Prozent, die Börse in Seoul von 3,7 Prozent.

Am Donnerstag hatten die europäischen Märkte und die Börsen in den USA herbe Verluste verzeichnet. Der Dow Jones Chart zeigen an der New Yorker Wall Street war am Donnerstag so schnell gefallen wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 - erstmals seit Dezember 2010 fiel er wieder unter die Marke von 11.400 Punkten. "Es war ein totales Blutbad", sagte John Richards von RBS Global Banking & Markets dem "Wall Street Journal".

Die Stimmung an den Finanzmärkten am Donnerstag erinnerte mitunter an die Panik im September und Oktober vor drei Jahren - und möglicherweise wird das schwindende Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken die Börsen noch weiter abstürzen lassen.

Krisentelefonat der europäischen Staatenlenker

Frankreich, Deutschland und Spanien wollen sich am Freitag in einem Krisentelefonat abstimmen. Dazu ist ein Telefonat des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit Kanzlerin Angela Merkel und dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero geplant. Sarkozy hatte bereits am Mittwoch und Donnerstag mit dem Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, die Situation an den Börsen erörtert.

Die EZB kaufte zur Beruhigung der Lage auf den Kapitalmärkten am Donnerstag wieder portugiesische und irische Staatsanleihen. Ob sie auch italienische und spanische Papiere gekauft hat, ist bislang nicht bekannt. Die Renditen für zehnjährige Anleihen der beiden Staaten waren am Mittwoch über sechs Prozent gestiegen - der höchste Stand seit der Einführung des Euro. Bei Werten von sieben Prozent hatten Irland und Portugal zuletzt den europäischen Rettungsschirm EFSF in Anspruch genommen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schlägt zur Prävention einer europäischen Wirtschaftskrise vor, den inzwischen 440 Milliarden Euro schweren EFSF weiter aufzustocken. In einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten hatte Barroso die Regierungen zu einer "raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF" aufgefordert. Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen", fordert Barroso.

Finanzminister Wolfgang Schäuble ließ Barroso schroff abblitzen: Es sei nicht zu erkennen, "inwieweit eine Neueröffnung der Debatte zu einer Beruhigung der Märkte beitragen soll", teilte Schäuble über seinen Sprecher mit.

cte/amz/dpa/dapd/Reuters

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Seite 1
Vergil 05.08.2011
1. -
Zitat von sysopDer Dax kennt derzeit nur eine Richtung: steil nach unten. Händler sprechen von panikartigen Verkäufen, der Index rutschte um mehr als vier Prozent. Auch die asiatischen Börsen*schließen tief im Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778516,00.html
Unfassbar, dass Barroso kurz nach der bereits erfolgten Aufstockung des Rettungsfonds nun eine weitere Aufstockung fordert. Unfassbar.
meslier 05.08.2011
2. ...
Zitat von sysopDer Dax kennt derzeit nur eine Richtung: steil nach unten. Händler sprechen von panikartigen Verkäufen, der Index rutschte um mehr als vier Prozent. Auch die asiatischen Börsen*schließen tief im Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778516,00.html
Der Dax war auch völlig überbewertet. Ohne die Druckerpresse der Notenbanken hätte er auch nicht so hoch steigen können. Andererseits sorgt die Geldflut der Notenbanken für steigende Preise bei Aldi & Co.
fm1304 05.08.2011
3. Naja,
Zitat von sysopDer Dax kennt derzeit nur eine Richtung: steil nach unten. Händler sprechen von panikartigen Verkäufen, der Index rutschte um mehr als vier Prozent. Auch die asiatischen Börsen*schließen tief im Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778516,00.html
es ist vielleicht eine ktitische Situation, aber ihr solltet nicht übertreiben. Es geht nie immer in eine Richtung. Das Gap von Gestern wird schon wieder geschlossen. DAX-Kamera: http://www.finanzwissen.de/dax-verlauf-live.html
henningr 05.08.2011
4. ...
Zitat von VergilUnfassbar, dass Barroso kurz nach der bereits erfolgten Aufstockung des Rettungsfonds nun eine weitere Aufstockung fordert. Unfassbar.
Warum, ist doch nicht sein Geld? Es ist unser Geld.
Berta, 05.08.2011
5. Was bedeutet das?
muß man jetzt Brot hamstern?
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