Dax unter 9000 Punkten Angst vor dem Absturz

Die Börsen sacken ab, die Deutsche-Bank-Aktie bricht um fast zehn Prozent ein. An den Finanzmärkten geht die Angst um: Droht der Weltwirtschaft eine neue Rezession?
Dax unter 9000 Punkten: Angst vor dem Absturz

Dax unter 9000 Punkten: Angst vor dem Absturz

Foto: Boris Roessler/ dpa

Es war wieder einmal George Soros, der die Richtung vorgab: Die Lage an den Kapitalmärkten erinnere ihn an die Weltfinanzkrise 2008, orakelte der legendäre Investor Anfang Januar. Damals, vor vier Wochen, klang diese Prognose noch ziemlich gewagt. Doch mittlerweile hat die Angst vor dem großen Absturz offenbar noch andere Investoren erfasst. Weltweit brechen die Aktienkurse ein. Der deutsche Leitindex Dax   stürzte am Montag erstmals seit fast eineinhalb Jahren unter die Marke von 9000 Punkten. Seit Jahresbeginn hat er rund 15 Prozent verloren. Seit dem Höchststand im vergangenen April sind es sogar mehr als 27 Prozent.

In New York schloss die Wall Street am Montag ebenfalls deutlich im Minus. Der Leitindex Dow Jones   sackte um 1,08 Prozent ab und schloss bei 16027,05 Punkten, der technologieorientierte Nasdaq gab um 1,82 Prozentpunkte nach.

"An den Märkten herrscht Panik", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING-Diba. "Es geht die Angst um vor einem weltweiten Abschwung." Auch Markus Reinwand, Aktienstratege von der Landesbank Helaba sieht eine "unglaubliche Nervosität" bei den Anlegern. Alles, was irgendwie mit Risiko behaftet sei, werde verkauft, sagt Reinwand. Stattdessen stecken die Investoren ihr Geld nun wieder in angeblich sichere Staatsanleihen von Ländern wie Deutschland - auch wenn sie dort praktisch keine Zinsen bekommen.

Es ist eine Mischung mehrerer ökonomischer Krisenherde, die die Anleger so verunsichert.

  • Da ist zum einen die Lage in China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde wächst nicht mehr so schnell wie gewohnt. Eine gigantische Spekulationsblase, die sich in den vergangenen Jahren am chinesischen Aktienmarkt aufgepumpt hatte, ist dabei zu platzen. Hedgefonds wetten bereits gegen die chinesische Währung, den Yuan. Investoren weltweit fürchten die realwirtschaftlichen Folgen, etwa für die Exporte deutscher Autobauer, die China mittlerweile als ihren wichtigsten Markt sehen.
  • Hinzu kommt die Sorge über die drastisch gefallenen Preise für bestimmte Rohstoffe. Ein Fass Öl der Nordseesorte Brent etwa kostet mittlerweile nur noch ein Drittel so viel wie vor eineinhalb Jahren. Eigentlich treiben niedrige Ölpreise die Konjunktur an, weil Verbraucher beim Tanken und Heizen Geld sparen, das sie nun anderswo ausgeben können. Und weil viele Unternehmen zu niedrigeren Energiekosten produzieren. Doch die Geschwindigkeit, mit der die Preise zuletzt fielen, macht vielen Investoren auch Angst. Sie stellen sich bange Fragen: Droht nun etwa eine Pleitewelle der amerikanischen Frackingfirmen? Wer hat diesen Firmen Geld geliehen und muss nun zittern? Und war ein sinkender Ölpreis nicht schon immer ein Indiz für eine bevorstehende Krise der Weltwirtschaft?
  • Eng mit den Fragen zum Ölpreis verbunden ist das Schicksal der amerikanischen Wirtschaft. Eigentlich wähnten die meisten Experten die USA aus dem Gröbsten heraus. Die Geschäfte brummten wieder, und die Arbeitslosigkeit sank so stark, dass die Notenbank Fed es im vergangenen Dezember sogar wagte, wieder die Leitzinsen ein klein wenig zu erhöhen - zum ersten Mal seit neun Jahren. Doch nun geht angesichts zuletzt schlechterer Konjunkturdaten auch in den USA die Angst um. War die Zuversicht der Fed verfrüht? Wird der sinkende Ölpreis eine neue Pleitewelle über das Land bringen? Und trifft eine Schwäche Amerikas nicht immer auch die ganze Welt?
  • Besonders stark brachen zuletzt die Aktien von Banken ein. Der Kurs der Deutschen Bank   etwa stürzte am Montag um knapp zehn Prozent ab. Seit Jahresbeginn hat das größte Geldhaus des Landes fast 40 Prozent seines Börsenwerts verloren. Anderen Finanzinstituten geht es kaum besser. Sogar die Angst vor Bankenpleiten geht um. Die Preise für sogenannte Kreditausfallversicherungen sind zuletzt drastisch gestiegen. Hintergrund sind neben den dauerhaften Niedrigzinsen auch hier die stark gesunkenen Rohstoffpreise. "In den vergangenen Jahren waren große Rohstoffprojekte ein wichtiger Ertragsbringer der Banken", sagt Nils Beier von der Beratungsfirma Accenture. "Die drohen nun wegzufallen." Hinzu komme die Sorge, dass die Banken einen Teil ihrer Kredite, die sie den Firmen der Rohstoffbranche gewährt haben, nun abschreiben müssten. Die Verunsicherung ist auch hier groß - wie gefährlich Bankenkrisen sind, konnte man schließlich in den Jahren 2007 und 2008 erleben.

Die Stimmung ist also düster an den Finanzmärkten. Zu düster, meinen einige Experten. "In der Stärke, in der die Kurse momentan abrutschen, ist das eine Überreaktion", meint Bankvolkswirt Brzeski. Der Hauptgrund der starken Kursanstiege der vergangenen Jahre sei schließlich das billige Geld gewesen, das die großen Notenbanken in die Märkte pumpten. Und dieser Grund bleibe ja weiter erhalten.

Auch Aktienstratege Reinwand glaubt, dass der Absturz bald zu Ende sein könnte. "Der Markt ist jetzt in der Kapitulationsphase", analysiert der Experte von der Helaba. Da könnten die Kurse zwar noch ein bisschen weiter fallen. "Alles unter 9000 Punkten beim Dax sind aber klare Gelegenheiten zum Kauf."

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