Dax-Unternehmen Frauenanteil in Führungsetagen steigt nur leicht

Die Fortschritte sind äußerst überschaubar: Ein aktueller Statusbericht zeigt, dass der Frauenanteil in den Führungsetagen der meisten Dax-Unternehmen im Jahr 2011 nur leicht gestiegen ist. Zeit für eine gesetzliche Quote? Bundesfrauenministerin Kristina Schröder bleibt bei ihrem Nein.
Bundesfrauenministerin Schröder: Im Quotenkampf

Bundesfrauenministerin Schröder: Im Quotenkampf

Foto: Britta Pedersen/ dpa

Berlin/Hamburg - Zwar machen die Unternehmen freiwillige Zielvorgaben für mehr Frauen in Chefetagen. Doch sie kommen bei ihrem Vorhaben nur langsam voran: Die Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax) haben den Frauenanteil in ihren Führungsetagen trotz ambitionierter Pläne im vergangenen Jahr nur leicht erhöht. Das geht aus dem Statusbericht "Frauen in Führungspositionen" hervor, den Familienministerin Kristina Schröder am Donnerstag in Berlin in Empfang genommen hat.

Zwar arbeiteten in 25 der 30 Dax-Unternehmen im Jahr 2011 mehr Frauen als im Jahr zuvor in der Führungsebene. Doch von den selbst gesteckten Zielen sind alle 30 Konzerne noch weit entfernt: Im Oktober vergangenen Jahres haben sie sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Frauen in Führungspositionen bis spätestens 2020 auf bis zu 35 Prozent zu steigern.

Frauenanteil bleibt "ernüchternd niedrig"

Die aktuellen Zahlen sprechen für sich. Zwar konnte der Autobauer BMW seinen Frauenanteil in Führungspositionen steigern. Doch die vom Unternehmen selbst gesetzte Zielvorgabe von 15 bis 17 Prozent bis 2020 ist längst nicht erreicht: Die Quote kletterte von 8,8 Prozent (2010) auf 9,1 Prozent. Bei Daimler stieg der Frauenanteil in den Chefetagen von 12 auf 12,8 Prozent. Die Telekom legte von 12,5 auf 13,8 Prozent zu.

Bei Adidas hingegen sank der Frauenanteil in Führungspositionen sogar leicht: von 26 Prozent auf 25 Prozent. Schlusslicht in der Rangliste ist der Autokonzern Volkswagen, der in der oberen Führungsebene nur zu 4,9 Prozent Frauen beschäftigt. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr immerhin einen leichten Zuwachs, damals waren es noch 4,3 Prozent. In der mittleren Führungsebene sank der Frauenanteil dagegen von 6,5 Prozent auf 6,4 Prozent, in der unteren Führungsebene nahm er leicht von 10 Prozent auf 10,1 Prozent zu.

Familienministerin Schröder lobte die Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Erstmals würden regelmäßig konkrete Zahlen vorgelegt und freiwillige Zielvorgaben von den Unternehmen bei der Frauenförderung gemacht. Eine gesetzliche Frauenquote für alle Unternehmen lehnte Schröder erneut ab. Die Unternehmen hätten verstanden, dass sie sich in Sachen Frauenförderung mehr engagieren müssten. Auch sei der Druck aus Brüssel groß, eine gesetzliche Quote vorzugeben.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen(CDU) sieht die Selbstverpflichtung der Unternehmen kritisch. Der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten bleibe mit 3,7 Prozent beziehungsweise 14 Prozent "ernüchternd niedrig" und sei kaum gestiegen, sagte sie und machte erneut klar, dass sie auf "mutige Beschlüsse" für eine Quotenlösung setze. Die zuständigen Ministerinnen sind sich seit je uneins darüber, wie sich der Frauenanteil in Führungspositionen steigern lassen könnte.

bos/AFP/dpa